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24.09.2011

11:28 Uhr

Finanzminister Schäuble

„Rettung Griechenlands dauert zehn Jahre“

Griechenland braucht nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rund zehn Jahre, um sich von der Krise zu erholen. Gleichzeitig warnte er vor den Folgen einer Pleite des Landes.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Washington/Düsseldorf/BerlinDas hoch verschuldete Griechenland wird nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wahrscheinlich noch zehn Jahre lang auf Hilfen angewiesen sein. „Dass Griechenland nicht - wie 2010 gedacht - schon 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, ist klar“, sagte Schäuble der „Wirtschaftswoche“. „Griechenland wird zur vollen Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit sicher eher ein Jahrzehnt brauchen als ein Jahr.“

Was spricht für Euro-Bonds, was dagegen?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Eurobonds?

Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Länder, die von einer noch zu gründenden europäischen Schuldenagentur zur Versteigerung angeboten würden. Bisher begibt jedes Land ausschließlich eigene Anleihen - mit der Konsequenz, dass hoch verschuldete Staaten teils extrem hohe Zinsen zahlen müssen. Geraten sie in den Fokus der nervösen Märkte, steigen die Zinsen sogar noch höher. Staaten mit glänzender Bonität wie Deutschland oder Österreich kommen dagegen günstig an frisches Geld.

Was wären die Vorteile von Eurobonds?

Pleitekandidaten stünden nicht mehr wie bisher weitgehend allein gegen die Macht von Finanzmärkte und Spekulanten: Mit Hilfe der Eurobonds könnten sie sich wieder zu moderaten Konditionen Kredite besorgen - schließen sind die solideren Staaten ja bei jeder einzelnen Anleihe mit im Boot. Allerdings würde ein anderer Teil der Schulden nach wie vor zu nationalen Zinssätzen verzinst werden - mindestens 40 Prozent müssten dies sein, fordert etwa Grünen-Chef Cem Özdemir.

Was spricht gegen Eurobonds?

Dass eine gemeinsame Haftung für Schulden ein tatkräftiges Sanieren und Sparen für Athen, Lissabon & Co noch unattraktiver machen könnte - nach dem Motto: Die Reichen werden schon zahlen. Dies befürchtet etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Außerdem würden dann - so formulieren es die Eurobond-Gegner - deutsche Steuerzahler für Schulden derer mithaften, die zuvor über ihre Verhältnisse gelebt haben. Befürworter wie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker versichern deshalb, parallel solle ein Anreizsystem für verschuldete Euroländer geschaffen werden, das strikte Haushaltsdisziplin belohne.

Wo verlaufen die Fronten in dem Streit?

In Deutschland zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün. In Europa - stark vereinfacht - zwischen Staaten mit AAA-Bonität und dem Rest. In Brüssel hat sich neben Juncker auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für Eurobonds ausgesprochen. Die führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland sind uneins. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise ist für diese Lösung, ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen spricht von einer „hanebüchenen Idee“.

Was würden Eurobonds für Deutschland kosten?

Das ist höchst umstritten. Kai Carstensen etwa kalkuliert, dass Deutschland einen deutlichen Zinsaufschlag von 2,3 Prozentpunkten zahlen müsste. Unter dem Strich entspräche dies jährlichen Mehrkosten von gut 47 Milliarden Euro, errechnete er für die „Welt am Sonntag“. Eurobonds-Befürworten meinen dagegen: Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen der Eurozone kämen für Deutschland teurer als die gemeinsamen Bonds.

Schäuble hält eine Rettung Griechenlands um der Stabilität der Eurozone willen jedoch für unbedingt erforderlich. „Es besteht die reelle Gefahr, dass die Währungsunion auseinanderfallen würde.“ Die Hellenen müssten unter allen Umständen in der Euro-Zone gehalten werden. „Athen, Griechenland ist - auch historisch - ein zentraler Bestandteil Europas. Jeder Verantwortliche weiß, dass ein Ausscheiden erhebliche Folgen hätte für Griechenland, aber auch weit darüber hinaus.“ Vor allem die Auswirkungen auf den Bankensektor dürfe man nicht unterschätzen.

Der CDU-Politiker nimmt derzeit an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington teil, auf der es auch um die Euro-Schuldenkrise geht.

Schäuble kritisierte die italienische Regierung für ihren Wackelkurs in der Finanzkrise. „Die Verantwortlichen in Italien - und in allen anderen Ländern - müssen wissen, dass es problematisch ist, Maßnahmen oder Verpflichtungen anzukündigen und dann nicht dazu zu stehen“, sagte der Finanzminister dem Magazin. „Vertrauen ist die wichtigste, aber derzeit auch die knappste Ressource.“ Italien habe jedoch eine gesunde Basis, um die Krise zu bewältigen.

Kommentare (40)

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Knut34

24.09.2011, 09:04 Uhr

21. Dezember 2009

Am Beginn der Krise erklärt Schäuble: „Wir Deutschen können nicht für Griechenlands Probleme zahlen"

Account gelöscht!

24.09.2011, 09:07 Uhr


Schäuble begreift Grundzüge der Volkswirtschaft nicht. Wer investiert in einem EURO-Hochpreiseand bei diesem politischen Umfeld im produktiven Sektor ?. Da geht doch jeder in die Türkei und deckt Südosteuropa ab.
Nette Botschaft: weiter mit den Transkerleistungen.
Schlichtweg irre, die Wurzel allen Übels, die griechische Politik, wird nicht in Zweifel gezogen. Die Böcke bereichern sich weiter, das einfache Volk blutet mit Verbrauchssteuern. Wo nichts ist, kann auch nichts wachsen.
Schäuble hat keine Plan, ist hilflos wie andere Auguren

MikeM

24.09.2011, 09:12 Uhr

Griechenland und die anderen PIGS-Staaten sind ein Fass ohne Boden, und zwar solange sie in der Währungsunion bleiben und ihren nun gewohnten Lebensstandard beibehalten. Die Kosten der Wiedervereinigung sind nichts dagegen. Schäuble ist ein Verbrecher.

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