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10.10.2013

14:06 Uhr

Finanzminister Stournaras

Griechenland kommt bei Sparkurs voran

Eine Etappe auf dem Weg zur Stabilität ist geschafft: Griechenland erwirtschaftet in diesem Jahr einen Haushaltsüberschuss. Die Regierung muss weitere Bedingungen erfüllen, um zusätzliche Hilfen zu bekommen.

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras ist mit den Fortschritten seiner Regierung zufrieden. Reuters

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras ist mit den Fortschritten seiner Regierung zufrieden.

AthenGriechenland erreicht bei seinem Sparkurs ein wichtiges Zwischenziel. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete das Land einen Haushaltsüberschuss, wenn die Zinszahlungen herausgerechnet werden, wie Vize-Finanzminister Christos Stournaras am Donnerstag mitteilte. Der Zentralhaushalt des Landes liege um 2,6 Milliarden Euro im Plus, ohne Einmalzahlungen der Europäischen Zentralbank bleibe immer noch ein Primärüberschuss von 1,1 Milliarden Euro. Damit ist das Land auf einem guten Weg, die Sparziele zu erreichen, die Voraussetzung für mögliche zusätzliche Finanzhilfen im kommenden Jahr sind.

Im Gesamtjahr 2013 strebt die Regierung in Athen einen Überschuss auf Staatsebene vor Zinszahlungen von 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung an. Die internationalen Geldgeber des Landes haben einen Primärüberschuss im griechischen Haushalt zur wesentlichen Voraussetzung erklärt, um gegebenenfalls 2014 weitere Hilfen zu gewähren. Allerdings unterscheidet sich die Berechnungsgrundlage dieser Zielvorgabe von den nun vorgelegten Budgetzahlen, die deswegen nur als Indikator für die Entwicklung der griechischen Finanzen gelten können.

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt Griechenland für 2014 eine Rückkehr zu Wachstum voraus. Die Lage am Arbeitsmarkt ist jedoch weiterhin schwierig, die Arbeitslosenquote ist mehr als doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Im Juli lag sie nach Angaben der nationalen Statistikbehörde ELSTAT bei 27,6 Prozent, im Juni waren es mit 27,5 Prozent kaum weniger. Mehr als jeder zweite Jugendliche ist ohne Job. Die hohe Arbeitslosigkeit ist eine Folge der lange andauerenden Rezession in Griechenland und der massiven Sparanstrengungen in den vergangenen Jahren.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Observer

10.10.2013, 14:25 Uhr

Das HB hat wohl zwischenzeitlich den Auftrag alle Reuters und DPA Meldungen im Wortlaut abzudrucken, damit ja nichts passiert und eine Redaktion mal zufaellig und ohne Absicht irgend etwas verlauten laesst, was dem Falschgeldsystem schaden koennte!
Vielleicht ueberlegt sich mal der eine oder andere Angestellte dieser Journalie, sich mal als Whistelblower zu betaetigen? Es muesste doch einen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt, von Berufung moechte ich gar nicht sprechen, geradezu stuendlich jucken, mal einen groesseren Kreis hinter die Kulissen blicken zu lassen, damit das Volk wenigstens versteht, weshalb sich eine ganze Berufsgruppe seit Jahren abduckt und sich an einer sehr kurzen leine gefangen halten laesst?

Account gelöscht!

10.10.2013, 14:37 Uhr

Was soll die Behauptung, Griechenland erwirtschafte einen Haushaltsüberschuss ? Wollen Sie die Leser mit dieser Überschrift verar... ? Griechenland erwirtschaftet, wenn überhaupt und was auch bezweifelt werden darf, einen Primärüberschuss.
Wenn ich im Monat 3000,-- EUR netto verdiene, aber 4.000,-- EUR Zinsen monatlich zahle (von Tilgung reden wir ja erst gar nicht !), dann bin ich kurzfristig pleite. Es sei denn, ich finde einen Idioten, der mir monatlich 1.000,-- EUR "schenkt". Wobei die Griechen selbst diesen Idioten ja sogar längst gefunden haben. er nennt sich EU....

Account gelöscht!

10.10.2013, 14:38 Uhr

Zitat : In den ersten neun Monaten erwirtschaftete das Land einen Haushaltsüberschuss, wenn die Zinszahlungen herausgerechnet werden, wie Vize-Finanzminister Christos Stournaras am Donnerstag mitteilte.

- wenn die Griechen überhaupt keine Rechnungen mehr bezahlen, erwirtschaften die auch noch Gewinne....:-)

Griechenland ist Pleite und ein Gesundbeten hilft dem Patienten nicht !

Auch die Tricks der Griechischen Regierungsmafia beeindruckt schon lange keinen mehr, ausser der Troika !

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