Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2012

19:33 Uhr

Finanzministertreffen

Europa borgt sich Geld für Griechenland-Hilfe

Die Finanzminister der Euro-Zone haben sich im Prinzip auf Hilfsmilliarden für Griechenland geeinigt. Nur auf das Ergebnis des Schuldenschnitts werde noch gewartet. Der Rettungsfonds EFSF borgt sich Geld für die Rettung.

Lucas Papademos im Gespräch mit Finanzminister Wolfang Schäuble. Reuters, Sascha Rheker

Lucas Papademos im Gespräch mit Finanzminister Wolfang Schäuble.

BrüsselDas zweite Hilfspaket für Griechenland ist so gut wie beschlossen. Das Land hat nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker alle Maßnahmen ergriffen, um die dringend benötigten Milliarden-Hilfen seiner europäischen Partner zu bekommen. „Die Sache läuft“, sagte Juncker am Donnerstag in Brüssel nach Beratungen der Finanzminister der Euro-Zone.

Der Rettungsfonds EFSF ist bereits damit beauftragt, das nötige Geld für den geplanten Schuldenschnitt am Markt aufzunehmen. Das teilte die Eurogruppe in einer Erklärung mit. Dabei geht es um 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt in Griechenland privaten Gläubigern attraktiver gemacht werden soll.

Kampf gegen Staatspleite: Griechenland startet den Schuldentausch

Kampf gegen Staatspleite

Griechenland startet den Schuldentausch

Athen hat den privaten Gläubigern ein offizielles Angebot zum Schuldenschnitt vorgelegt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zufolge werden die Euro-Finanzminister am 9. März per Telefonkonferenz endgültig über das 130 Milliarden Euro schwere Paket entscheiden. Es komme nun noch auf die Beteiligung der privaten Gläubiger an dem Forderungsverzicht an. „Das, was ich vorab gehört habe, sieht danach aus, dass Griechenland große Fortschritte gemacht hat. Deshalb denke ich, wir kommen (...) einen wichtigen Schritt voran“, hatte Schäuble vor Beginn des Treffens gesagt. Das griechische Parlament hatte in dieser Woche vereinbarte Reformen des Gesundheitswesens und weitere Sparbeschlüsse durchgepaukt.

Zentrale Fragen zum Euro-Rettungsschirm

Was ist die EFSF?

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (European Financial Stability Facility, EFSF) wurde am 10. Mai 2010 als vorläufiger Euro-Rettungsschirm von einem EU-Gipfel ins Leben gerufen. Sie wird Mitte 2013 vom dauerhaften Rettungsschirms ESM abgelöst, der über dieselben Möglichkeiten verfügen soll. Die EFSF wird von dem deutschen Beamten Klaus Regling geführt.

Was müssen die Hilfeempfänger leisten?

Geholfen wird in jedem Fall nur, wenn ein hilfesuchendes Land Auflagen erfüllt. Erhält es EFSF-Kredite oder kommt es zu Anleihenkäufen, muss es sich einem vollen Reformprogramm unterziehen. Bei einer vorsorglichen Kreditlinie sind weniger strikte Auflagen vorgesehen. Hilfskredite für die Banken eines Landes werden an Reformen im Finanzsektor des Landes geknüpft. Die EFSF-Gelder werden außerdem verzinst. Beschlüsse über Hilfsersuchen müssen die Euro-Regierungen einstimmig fällen.

Welche neuen Instrumente bekommt die EFSF?

Die Euro-Staaten haben am 21. Juli die Garantie-Aufstockung und vier neue Instrumente für die EFSF beschlossen und dazu ihren EFSF-Rahmenvertrag angepasst. Die vier Instrumente sind: - Anleihenkäufe am Primärmarkt: Die EFSF kann künftig bei den Regierungen direkt neu ausgegebene Staatsanleihen kaufen. - Anleihen am Sekundärmarkt: Auch Anleihenkäufe an den Börsen sind möglich, aber nur im Ausnahmefall. - Vorsorgliche Kreditlinien: Euro-Länder können sich von der EFSF eine Kreditlinie zusichern lassen, die sie aber nicht nutzen müssen. Dies soll die Finanzmärkte beruhigen. - Die EFSF kann Ländern künftig besondere Kredite geben, damit sie ihre Banken rekapitalisieren können.

Was wird an der EFSF geändert?

Die EFSF borgt sich das Geld selbst am Kapitalmarkt. Dafür stellen die Euro-Länder Garantien zur Verfügung, bisher 440 Milliarden Euro. Faktisch kann die EFSF bisher aber nur 260 Milliarden Euro aufnehmen. Denn um selbst ein Spitzenrating zu erhalten, müssen die von der EFSF aufgenommenen Kredite übersichert sein, weil nicht alle Euro-Länder wie Deutschland oder Frankreich ein AAA-Rating haben. Deshalb wird bei der EFSF 2.0 der Garantierahmen auf 780 Milliarden Euro erhöht. Für Deutschland steigt der Anteil von 123 auf 211 Milliarden Euro.

Was sind die Aufgaben der EFSF?

Bisher kann die EFSF nur Kredite an Euro-Länder geben, die am Kapitalmarkt wegen ihrer hohen Verschuldung keine Kredite mehr zu tragbaren Zinsen aufnehmen können. Unter dem Schirm stehen derzeit Portugal und Irland. Die vor der EFSF-Gründung vereinbarten Hilfen für Griechenland werden auf Basis gesonderter Beschlüsse der Euro-Länder geleistet. Das bereits vereinbarte zweite Griechenland-Hilfspaket wird von der EFSF übernommen. Die EFSF kann 440 Milliarden Euro bereitstellen.

Zugleich verlor der griechische Schuldenschnitt etwas an Schrecken: Der Internationale Derivateverband ISDA hält den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger nicht für ein „Kreditereignis“, also einen kompletten Zahlungsausfall. Damit werden Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen nicht fällig, die nach Schätzungen zuletzt noch ein Volumen von 3,25 Milliarden Dollar ausmachten. Davon würden vor allem Hedge-Fonds profitieren. Doch war lange Zeit befürchtet worden, unter den Banken und Versicherungen, die solche CDS-Papiere ausgaben, könnte eine fatale Kettenreaktion ausgelöst werden wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008.

Kommentare (39)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

OhZeus

01.03.2012, 14:46 Uhr

Mann ohne Rückrat !
Immer dasselbe Spiel:
GR verspricht
Schäuble mimt den grimmigen Hardliner
Gezahlt wird am Ende ohne doch ohne Vorleistung

Glauben Sie wirklich, dass dieses Spiel die trickreichen Griechen nicht besser spielen können ?

Thomas-Melber-Stuttgart

01.03.2012, 15:00 Uhr

Wo der Mann immer das Geld hernimmt!

Petra

01.03.2012, 15:29 Uhr

Der Deutsche Michel ist wie der Frosch, der im Kochtopf sitzt und dessen Wasser langsam erwärmt wird! Erst wenn es zu spät ist und es kein Entkommen mehr gibt, begreift der Frosch was passiert ist. Genaus geht es dem Deutschen Volk!

Der in jahrzehnten aufgebaute soziale Wohlstand wird von unseren Volksvertretern aus persönlicher Profilierungssucht langsam aber sicher verkauft!

Politiker sollten die Interessen des Volkes vertreten, das sie gewählt hat. In Deutschland muß zwischenzeitlich das Volk die Interessen der Politiker vertreten! Eine Demokratie ist das schon lange nicht mehr...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×