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13.04.2013

19:27 Uhr

Finanzpolitik

Merkel und Cameron wollen Steuerschlupflöcher bekämpfen

Multinationale Konzerne sparen Milliarden an Steuern durch komplizierte Firmenkonstrukte. Diesen legalen Steuerschlupflöchern haben Angela Merkel und David Cameron den Kampf angesagt und fordern faire Abgaben.

Zu Beginn der zweitägigen Gespräche hatten sich die beiden konservativen Politiker am Freitagabend in familiärem Rahmen im Gästehaus der Bundesregierung auf Schloss Meseberg getroffen. Reuters

Zu Beginn der zweitägigen Gespräche hatten sich die beiden konservativen Politiker am Freitagabend in familiärem Rahmen im Gästehaus der Bundesregierung auf Schloss Meseberg getroffen.

Berlin/LondonDeutschland und Großbritannien machen Druck im Kampf gegen Steuerschlupflöcher für Großkonzerne. Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premier David Cameron sprachen sich am Samstag für eine „globale Führungsrolle“ der führenden westlichen Industrieländer (G8) aus, wie die Downing Street nach einem Treffen Merkels mit Cameron in Meseberg bei Berlin mitteilte. Nötig seien konkrete Maßnahmen der G8 gegen Steuerhinterziehung und aggressive Steuervermeidung.

Es müsse klar gemacht werden, dass jeder einen fairen Anteil an Steuern zahlen müsse, hieß es in der Erklärung der Downing Street weiter. Berlin und London pochen den Angaben zufolge zudem beim EU-Gipfel im Mai sowie in der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) auf größere Fortschritte weltweit beim Austausch von Steuerinformationen.

Die Steuertricks der Konzerne

Erfinderische Branchen

Weltweit tätige Konzerne, vor allem aus den USA und vorwiegend aus dem IT- und Dienstleisterbereich, verstehen es meisterlich, unterschiedliche Rechtssysteme und Körperschaftsteuersätze so für sich gewinnbringend zu nutzen, dass sie für ihr Auslandsgeschäft kaum noch Steuern zahlen.

Modell „Niedrigsteuerland“

Das „Google-Modell“ konzentriert sich darauf, die Wertschöpfung in einem Niedrigsteuerland zu bündeln. Das geht, weil bei Umsätzen aus Werbung und Lizenzen schwer auszumachen ist, wo welcher Umsatz und Gewinn entstanden ist. Am Ende landet der Google-Gewinn auf den Bermudas, einem Null-Steuer-Land.

Modell „großer Unterschied“

Die Regeln in den Steuer- und Rechtssystemen unterscheiden sich von Land zu Land. Ein Konzern vergibt aus einem Niedrigsteuerland, etwa Irland mit 12,5 Prozent Steuersatz, einen Kredit an die Schwester im Hochsteuerland, etwa Deutschland mit knapp 30 Prozent Unternehmenssteuersatz. In Deutschland sind die Zinsen, die an Irland fließen, Kosten und schmälern den Steuergewinn in Irland.

Modell „großer Unterschied“ - reloaded

Das Modell funktioniert ebenso auch bei Patent- oder Lizenzgebühren sowie Nutzungsgebühren für Markenrechte. Bei Patenten kommt hinzu, dass Irland und die Niederlande "Patentboxen" anbieten: Gewinne darin bleiben steuerfrei. Auch die Gründung von Finanzierungsgesellschaften kann sich lohnen, weil sich die Definition von Dividenden und Zinsen von Land zu Land unterscheidet. Fast auf null drücken lassen sich die Steuern über die Kombination mehrerer Länder, was sich dann etwa "Double Irish" und "Dutch Sandwich" nennt.

Modell „Verrechnungspreise“

Innerhalb von Konzernen werden Dienstleistungen oder Vorprodukte unter den Tochtergesellschaften so mit Preisen versehen, dass hohe Kosten den Gewinn in den Hochsteuerländern schmälern. In Deutschland kontrollieren die Finanzämter diese Preisgestaltung aber inzwischen so genau, dass sie kaum noch möglich ist.

(Autorin: Donata Riedel)

Unter anderem beim G8-Gipfel im Juni unter britischer Präsidentschaft wollen die sieben führenden westlichen Industriestaaten und Russland (G8) gemeinsame Standards zur Besteuerung internationaler Konzerne ausloten.

Hintergrund ist, dass multinationale Konzerne trotz hoher Gewinne Milliarden an Steuern sparen, da sie dank komplizierter Firmenkonstrukte weltweit legale Schlupflöcher nutzen. Sie schieben Gewinne für Geschäfte außerhalb ihrer Heimat über Staatsgrenzen hin und her, bis kaum noch etwas an den Fiskus abgeführt werden muss.

Merkel und Cameron seien sich zudem darin einig, dass Europa wettbewerbsfähiger und flexibler werden müsse. Die EU müsse bereit sein, in den Verhandlungen mit den USA über ein Handelsabkommen ein ambitioniertes Angebot auf den Tisch zu legen.

Zu Beginn der zweitägigen Gespräche hatten sich die beiden konservativen Politiker am Freitagabend in familiärem Rahmen im Gästehaus der Bundesregierung auf Schloss Meseberg getroffen. Cameron wurde von seiner Frau Samantha und deren drei Kindern begleitet. Merkels Ehemann Joachim Sauer war ebenfalls dabei.

An dem Abendessen in Meseberg nahmen auch der in Deutschland aktive englische Architekt David Chipperfield, der deutsche Leiter des Londoner Victoria and Albert Museum, Martin Roth, der aus Schottland stammende Generalmusikdirektor der Deutschen Oper in Berlin, Donald Runnicles, sowie deren Ehefrauen teil. Geladen waren zudem der frühere niedersächsische Ministerpräsident David McAllister und dessen Frau Dunja. Der 42-jährige Deutsch-Schotte und CDU-Politiker besitzt auch die britische Staatsbürgerschaft.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Micha

13.04.2013, 20:19 Uhr

Viel effektiver wäre es, Steuergeldverschwender genauso hart zu verfolgen und zu bestrafen wie Steuerhinterzieher! Der Schaden durch Steuergeldverschwender ist viel höher, als der durch Steuerhinterzieher! Was passiert einem Steuergeldverschwender? Nichts! Im schlimmsten Fall wird er "wegbefördert" oder in Vorruhestand versetzt!

HansWurst

13.04.2013, 20:50 Uhr

Verhaftet die Steuergeldverschwender, die Politiker und macht Ihnen den Prozess. Pensionsansprüche von Politikern und Beamten zusammen werden für den Vermögensschaden der Politikerverbrechen eingezogen werden müssen!

weidmanns-ank@ctrl.banktunnel.eu

13.04.2013, 21:41 Uhr

http://o8.de.imgsrc.ru/i/idrone/4/32185554TuC.jpg

http://o8.imgsrc.ru/i/idrone/3/32185843npm.jpg
http://www.openstreetmap.org/?lat=50.11072&lon=8.70317&zoom=17&layers=M

Was soll dieser Kurzfilm zum GBP/EUR Wechselkurs sagen?

http://b8.imgsrc.ru/i/idrone/8/32185828bai.jpg
http://www.youtube.com/watch?v=qguwpiDbMws

[ ] Das Britische __UND ist gefallen!

Groschen ist Cent und Cent ist Pence!

http://www.zehnachtzig.de/bilder/ein-fisch-namens-wanda-05.jpg

~~~

http://o8.imgsrc.ru/i/idrone/4/32185834YgJ.jpg

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