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25.03.2012

16:29 Uhr

Finanzreform

China probt die Zins-Revolution

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Zentralbank will bisher zentral festgesetzte Zinssätze für Bankguthaben und -kredite flexibler gestalten. Das soll den Wettbewerb der Geldhäuser ankurbeln und Mittelständlern bessere Konditionen ermöglichen.

In Shenyang prüft ein Wassermelonen-Verkäufer eine Yuan-Note. Reuters

In Shenyang prüft ein Wassermelonen-Verkäufer eine Yuan-Note.

NanjingDie chinesische Finanzaufsicht bereitet eine Liberalisierung der Zinsen im Bankgeschäft vor. Die Zeit sei reif für eine entsprechende Reform, schrieb der zuständige Notenbankchef Zhou Xiaochuan in der hauseigenen Zeitschrift „China-Finanz“. Die Zentralbank werde noch in diesem Jahr beginnen, auf eine Neuregelung hinzuarbeiten.

Bisher werden in China die Zinsen zentral festgelegt, die die Banken für Guthaben zahlen und für Kredite kassieren. Das bringt ihnen eine üppige Gewinnmarge, denn die Habenzinsen liegen beinahe bei null Prozent, für Kredite dagegen werden weit höhere Zinssätze verlangt. Ein gutes Geschäft für die Regierung in Peking – denn sämtliche Finanzhäuser gehören mehrheitlich Vater Staat.

Die einheitliche Festsetzung der Zinsen hat jedoch erhebliche Nachteile für die Entwicklung des Landes. Die Sparer sind zunehmend unzufrieden mit der Verzinsung ihrer Guthaben. Die Sparquote liegt immerhin bei 40 Prozent. Da es auch sonst kaum lukrative Anlagemöglichkeiten gibt, stecken immer mehr Chinesen ihr Geld in Wohnungen. Das Resultat ist eine immer größer werdende Blase am Immobilienmarkt. Da die Guthabenzinsen unter der Inflation liegen, wirkt das System zudem wie eine Steuer für alle braven Sparer.

Auch die wirtschaftliche Dynamik leidet unter dem staatlichen Einheitszins. Da die Banken ohnehin keinen Spielraum haben, bemühen sie sich gar nicht erst um eine präzise Bewertung der Bonität ihrer Kunden. Sie bevorzugen stattdessen vor allem zuverlässige Kreditnehmer wie Staatsunternehmen und Großkonzerne. Denn von einem unsichereren Kandidaten könnten sie ja ohnehin keinen Aufschlag verlangen. Das führt aber dazu, dass die vorhandenen Mittel vor allem in langweilige Projekte fließen. Innovative Unternehmensgründer oder Mittelständler haben es dagegen schwer, eine passende Finanzierung zu bekommen.

Eine Reform der Bankzinsen ist daher schon länger im Gespräch; bisher hat die Führung aber noch keine so deutliche Ankündigung gemacht wie Zhou. Für die Bankmanager des Landes würde eine Freigabe der Zinsen ganz neue Möglichkeiten bringen. Sie könnten endlich maßgeschneiderte Produkte anbieten und stünden im Wettbewerb, Konten mit attraktiveren Guthabenzinsen anzubieten.

Kommentare (1)

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Zweifler

26.03.2012, 15:35 Uhr

nun also ein weiterer spielplatz für spekulanten und bankster. so wird china zwar seinen tausendjährigen schlaf beenden, aber gleich in den klinisch toten zustand wandern.

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