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30.04.2014

16:50 Uhr

Finanzsanktionen gegen Russland

„Europa könnte in den Abgrund stürzen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Strafmaßnahmen des Westens gegen Russland wirken: Das Land plagen schwere Wirtschaftsprobleme. Würden noch Finanzmarktsanktionen verhängt, könnte das aber auch Westeuropa hart treffen, warnen mehrere Ökonomen.

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BerlinSchlimmer könnte die wirtschaftliche Lage für Russland derzeit kaum sein: Nach westlichen Sanktionen gegen Moskau wegen der Ukraine-Krise stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) der russischen Wirtschaft eine düstere Prognose aus. Es bestehe eine akute Rezessionsgefahr, warnte der IWF am Mittwoch in Washington. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im größten Land der Erde werde in diesem Jahr nur um 0,2 Prozent wachsen – statt der bisher veranschlagten 1,3 Prozent. Zudem rechnen die Experten mit einer massiven Kapitalflucht von rund 100 Milliarden US-Dollar (72,3 Milliarden Euro).

Eine IWF-Mission hatte sich seit dem 15. April in Russland aufgehalten. Die Führung in Moskau kämpft mit Konjunkturproblemen, einem Wertverfall des Rubel und einem immer schlechteren Investitionsklima. Ein anhaltender Konflikt könne zu zusätzlichen Strafmaßnahmen und einem weiteren Vertrauensverfall führen, betonte der IWF. Dies könnte die Investitionen und das Wachstum weiter schmälern. Die russische Zentralbank wurde ermutigt, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, um der Krise entgegenzuwirken. Erwartet wird eine Inflation von mehr als 6 Prozent.

Trotz der düsteren Prognose denkt mancher Politiker schon an weitere Strafmaßnahmen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), brachte diese Woche gar Finanzmarktsanktionen ins Spiel. Der CDU-Politiker hatte es am Montag im Deutschlandfunk als erforderlich bezeichnet, auf die dritte Stufe der Sanktionen zu gehen und dann auch den Zugang zum Finanzmarkt einzubeziehen, „weil er der fühlbarste Bereich der Sanktionen ist“.

Russland in Zahlen

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Gasreserven

2012: 32,9 Billionen Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Erdölreserve

2012: 87,2 Milliarden Barrel.

Ein Barrel sind 119 Liter.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Bruttoinlandsprodukt je Einwohner

Schätzungen zufolge liegt das BIP je Einwohner im Jahr 2014 bei 15.717 US-Dollar.

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Unter Ökonomen löste die Forderung Alarmstimmung aus. Aus Sicht des Chefvolkswirts der Dekabank, Ulrich Kater, wäre eine flächendeckende Isolierung Russlands an den Finanzmärkten nach dem Vorbild Irans die „größtmögliche“ wirtschaftliche Strafaktion. „Würde Russland hierauf in ähnlichen wirtschaftlichen Dimensionen antworten, wären die gesamtwirtschaftlichen Rückwirkungen auch für Westeuropa erheblich“, sagte Kater Handelsblatt Online.

Der Wormser Wirtschaftsprofessor Max Otte teilt die Einschätzung. „Ulrich Kater ist eine einzelne Stimme der Vernunft in einem Ozean des Wahnsinns“, sagte Otte Handelsblatt Online. „Profilierungssüchtige Politiker wir Norbert Röttgen können Europa leicht in den Abgrund stürzen.“

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 17:17 Uhr

Hallo, vielleicht erklärt mal jemand warum wir das machen?

Account gelöscht!

30.04.2014, 17:31 Uhr

Vielleicht erinnert sich bei den Regierenden in der EU jemand an das alte Sprichwort: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!

Account gelöscht!

30.04.2014, 17:55 Uhr

Und all das hat der IWF festgestellt! Na wenn wir den nicht hätten, würden wir alle dumm sterben

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