Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.12.2012

19:07 Uhr

Finanzskandal in Salzburg

Spekulation mit Steuergeldern

VonStefan Menzel

340 Millionen Euro sind dem Land Salzburg durch riskante Swap-Geschäfte verlorengegangen. Nun bemühen sich die Beteiligten um Schadensbegrenzung - und schießen sich auf eine Landesbeamtin ein.

In Salzburg, der Heimat der Mozartkugeln, wurden 340 Millionen Euro Steuergeld verzockt. Reuters

In Salzburg, der Heimat der Mozartkugeln, wurden 340 Millionen Euro Steuergeld verzockt.

Das Land Salzburg gehört sicherlich zu den schönsten Regionen in Österreich. Da ist die Stadt Salzburg, mit Mozart und Festspielen ein Touristenmagnet ersten Ranges. Und da ist die Umgebung mit Bergen und bestens präparierten Skipisten in Saalbach-Hinterglemm oder am Hochkönig.

Doch von einem Tag auf den anderen hat die Salzburger Postkarten-Idylle gewaltige Risse bekommen. Dem kleinen Bundesland in Österreich mit gut 500.000 Einwohnern droht auf einmal die große finanzielle Schieflage. Monika Rathgeber war noch bis vor wenigen Tagen eine allseits geschätzte Finanzexpertin in der Salzburger Landesverwaltung. Die 45-jährige Juristin leitete das Referat Budgetangelegenheiten und war damit für die Vermögensverwaltung des Landes verantwortlich. Heute ist Monika Rathgeber entlassen, bei der Staatsanwaltschaft liegt die Strafanzeige gegen sie vor. Ermittler haben inzwischen die Büros in der Landesverwaltung durchsucht.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Nicht nur Salzburg ist in Aufruhr, sondern gleich ganz Österreich und auch die Regierung in Wien. Die ehrgeizige Beamtin aus der Salzburger Landesverwaltung soll 340 Millionen Euro mit spekulativen Fremdwährungs-Swaps verspielt haben. „Sie hat die Politik getäuscht, sie hat den Landesrechnungshof und alle Kontrollinstanzen getäuscht“, wirft der stellvertretende Landeshauptmann (Ministerpräsident) David Brenner der entlassenen Referatsleiterin vor. Für das kleine Land Salzburg ist der Verlust von 340 Millionen Euro eine echte Bedrohung: Der ganze Landesetat hat gerade einmal ein Volumen von gut zwei Milliarden Euro.

Monika Rathgeber wird vorgeworfen, dass sie seit Jahren Verluste aus Fremdwährungsgeschäften in den Büchern der Salzburger Landesverwaltung versteckt habe. Im Jahr 2006 habe es das erste Mal Probleme mit isländischen Papieren gegeben, in die die Referatsleiterin mit Landesgeldern investiert hatte. Um die Verluste zu kaschieren, sei sie in noch riskantere Papiere eingestiegen – und habe wieder verloren. Untreue wird der 45-Jährigen nicht vorgeworfen, mit den riskanten Geschäften habe sie nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet. Vorgehalten wird der Frau allerdings, dass sie vom eigentlich für solche Geschäfte vorgeschriebenen Vier-Augen-Prinzip abgerückt sei und Unterschriften gefälscht habe. Ihre Geschäfte soll Frau Rathgeber auch über Frankfurt mit deutschen Instituten abgewickelt haben. Nach österreichischen Medienberichten war etwa auch die Deutsche Bank dabei.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nostradamus

11.12.2012, 19:15 Uhr

Verloren geht hier nix! Das Geld wird gut angelegt sein, bei denen die es jetzt haben. Sie kaufen sich davon Dirnen und feiern Bunga Bunga Partys. Nobel geht die Welt zugrunde.

Payday 21.12.2012

marvel_master

11.12.2012, 19:48 Uhr

Sehe ich auch so. Wenn Geld einmal generiert ist, kann es nicht mehr verschwinden. Es hat dann immer ein anderer. Es sei denn, man verbrennt Geldscheine. Damit könnte man tatsächlich Geld vernichten. Oder man löscht in der Zentralbank im Hauptcomputer einfach ein paar Milliarden.

ROBERT_LEE

11.12.2012, 21:01 Uhr

Die im Artikel erwähnte Finanzministerin
Maria Fekter wird auch "Schottermitzi" genannt.

Y.tube-Video anschauen: "Niemand nennt mich
MITZI/MIZZI/MIZI"

Heiliger Strohsack - ist das eine Harke!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×