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01.04.2015

09:27 Uhr

Finnland

Die Angst vor den Russen

VonHelmut Steuer

In Finnland wächst die Angst vor dem mächtigen Nachbarn im Osten. Denn Russen kaufen offenbar immer mehr strategisch wichtige Grundstücke auf. Die Politik nutzt die Stimmung vor der Wahl. Panikmache oder echte Bedrohung?

Finnland fürchtet sich vor dem mächtigen Nachbarn im Osten. Getty Images

Die Angst vor den Russen

Finnland fürchtet sich vor dem mächtigen Nachbarn im Osten.

StockholmFinnen sind allgemein für ihren Pragmatismus bekannt. Verschwörungstheorien liegen ihnen in aller Regel fern. Doch seit einigen Monaten hat sich etwas verändert. Die großen Boulevardzeitungen des nordeuropäischen Landes zeichnen in regelmäßigen Abständen ein Bild des Schreckens: Obskure russische Geschäftsleute würden Grundstücke in Finnland erwerben. Grundstücke, die in direkter Nachbarschaft zu strategisch wichtigen Einrichtungen lägen.

Die Angst vor dem übergroßen Nachbarn im Osten ist in Finnland in den vergangenen Monaten nicht nur wegen dieser Meldungen stetig gewachsen. Das Land an der europäischen Peripherie, aber mit einer fast 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland fühlt sich nach der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und dem Krieg in der Ostukraine bedroht.

Was ist hybride Kriegsführung?

Gekreuzt...

... oder gemischt ist die Bedeutung des griechischen Wortes hybrid.

Ein hybrider Krieg...

... oder hybride Kriegsführung vermischt konventionelle militärische Mittel mit verdeckten, irregulären oder sogar terroristischen Methoden.

Terrorismus...

... kann ein Teil hybrider Kriegsführung sein: „Das Spektrum umfasst den Einsatz von Partisanenkämpfern, organisierter Kriminalität, Terrorismus, Massenvernichtungswaffen, Cyberangriffen, Störungen der Energieversorgung, wirtschaftliche Kriegsführung und Propaganda“, schreibt das Bundesverteidigungsministerium.

Im Libanonkrieg...

... 2006 wurde der Begriff schon für den Kampf der Hisbollah-Miliz gegen Israel verwendet. Die Hisbollah beschoss die israelischen Streitkräfte mit Raketen, die normalerweise nur von staatlichen Streitkräften genutzt werden.

Bei der Annexion der Krim...

... durch Russland standen die „kleinen grünen Männchen“ – Uniformierte ohne Hoheitsabzeichen – für die hybride Kriegsführung. Der Westen sah in ihnen russische Soldaten, der Kreml sprach von Selbstverteidigungskräften der russischen Minderheit.

Mehrere Verletzungen des finnischen Luftraums durch russische Kampfflugzeuge in diesem Jahr haben dieses Gefühl noch verstärkt. Und nun die Meldungen über das angeblich dramatisch gewachsene Interesse russischer Staatsbürger und Unternehmen an Grundstücken nahe von strategisch wichtigen Anlagen wie Stromleitungen, Mobilfunkantennen oder Munitionsdepots.

Panikmache oder tatsächliche Bedrohung? Tatsächlich hat es in den vergangenen Monaten einige Immobilien- und Grundstückskäufe durch Privatpersonen und Unternehmen aus Russland in der Nähe von militärischen Sperrgebieten gegeben.

Auch wurden vier stillgelegte Wachstationen an der Grenze zu Russland an russische Käufer veräußert. Die meisten Grundstücke, die an einen Käufer aus dem großen östlichen Nachbarland gingen, liegen allerdings an der finnischen Westküste. Bei ihnen handelt es sich um attraktive und sehr teure Seegrundstücke.

Ein finnischer Militär-Experte kommt in der Zeitung „Iltalehti“ zu Wort – anonym natürlich – und meint ganz sicher zu wissen, dass die russischen Käufer dieser Grundstücke vor allem eines im Sinn hätten: Sie sollen das russische Militär bei einer eventuellen Invasion in Finnland unterstützen, indem sie beispielsweise wichtige Seestraßen blockieren und Möglichkeiten für den Bau eines militärischen Stützpunktes für die russische Armee schaffen.

Vor allem haben sich die Boulevard-Zeitungen auf das Unternehmen Airiston Helmi gestürzt, das in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von Seegrundstücken in den Schären bei Turku erworben hat. Das Unternehmen mit Firmensitz in Helsinki gehört zwei Russen. Die Investitionen in die nicht gerade preiswerten Seegrundstücke begründen sie damit, dass dort mittelfristig Spa-Anlagen und Touristenhotels entstehen sollen. Gebaut worden ist jedoch bislang so gut wie nichts.

Kommentare (32)

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Eugen Derksen

01.04.2015, 09:54 Uhr

Ich bin sehr enttäuscht, denn so einen Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gelesen! Wir sollen mal wieder Angst haben!

Ich frage mich, wann Artikel über Russland endlich mal ihre Aufgabe erfüllen und Objektivität, Neutralität austrahlen, anstatt schwere Lobbyarbeit zu leisten.
Das finde ich höchst unseriös und vor allem stark parteiisch.
Genau das, was solche Artikel nicht sein sollten.

Herr Kurt Küttel

01.04.2015, 10:08 Uhr



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Account gelöscht!

01.04.2015, 10:23 Uhr

Ob jetzt Russen, China oder die USA....alle kaufen sich in Europa ein. Wer also von denen gegen Europa Krieg führt, der führt dann auch gleich gegen sich selber Krieg. Der Vorteil eines weltweiten offenen Handel (Handelsschranken) ist es, dass Kriege in den Hintergrund treten. Wandel durch Handel....und dies gilt insgesamt für das "kriegerische Denken".

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