Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2015

16:19 Uhr

Finnland vor dem Machtwechsel

Abschied vom „unfinnischen“ Regierungschef

Finnlands Wirtschaft steckt in der Krise. Dass Regierungschef Stubb daraus keinen Ausweg gefunden hat, wird sich bei der Parlamentswahl am Sonntag wohl rächen. Seine Chancen auf einen Sieg stehen schlecht.

Senatsplatz und Dom in Helsinki: „Es gibt keinen Zaubertrank dafür, die Dinge herumzudrehen“. dpa

Senatsplatz und Dom in Helsinki: „Es gibt keinen Zaubertrank dafür, die Dinge herumzudrehen“.

HelsinkiStatt sich in den letzten Zügen des Wahlkampfes aufzureiben, könnte Finnlands Regierungschef Alexander Stubb genauso gut schon einmal anfangen, Kisten zu packen. Seinen Auszug aus dem Büro des Ministerpräsidenten nach der Parlamentswahl an diesem Sonntag halten Beobachter für unvermeidbar. Denn Finnland hat gerade nicht ein Problem, sondern gleich mehrere: Spannungen in Europa, Russland-Sanktionen, eine kriselnde Wirtschaft und kein neues Nokia in Sicht. Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent. Und der Koalition des Konservativen traut kaum noch jemand eine Lösung zu.

Vielen ist Stubb zudem zu „unfinnisch“: Der begeisterte Sportler ist sehr extrovertiert, knipst in der Öffentlichkeit Selfies, trägt teure Anzüge. „Viele Leute meinen, dass die Politik ein ernsthaftes Geschäft sein muss. Und dass Stubb ein Gespött daraus macht“, sagt Markku Jokisipilä, Direktor am Zentrum für parlamentarische Studien der Universität Turku. Dass seine Vier-Parteien-Koalition ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreicht, ärgert die Finnen. Sie haben keine Geduld mehr mit ihrer erfolglosen Regierung.

Gewinner und Verlierer der Euro-Schwäche

Der Euro auf Talfahrt

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten – erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Wer profitiert von der Euro-Schwäche und wem tut sie weh? (Quelle: dpa)

Gewinner: Die Exporteure

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. In der Eurozone spielt der Wechselkurs aber keine Rolle.

Gewinner: Die Konjunktur

Mehr Exporte, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Gewinner: Die DAX-Konzerne

Die lockere Geldpolitik der EZB könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen – allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

Verlierer: Importeure

Wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“

Verlierer: Die Urlauber

Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Für Touristen aus Amerika oder China wird ein Trip in die Eurozone aber attraktiver.

Verlierer: Die Unternehmen

Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

Verlierer: Die Nicht-Eurostaaten

Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner.

Erst im März scheiterte eine groß angekündigte Sozial- und Gesundheitsreform an Verfassungsproblemen. Ein politisches Desaster für die ohnehin bröckelnde Koalition. „Sie hatten soviel Zeit und Mühe in diese Reform investiert“, sagt Jokisipilä. Denn Finnland hat eine Strukturreform dringend nötig, um sich seinen Wohlfahrtsstaat weiter leisten zu können. Doch jetzt herrscht wieder Stillstand.

„Ich habe vor neun Monaten eine schwierige politische und wirtschaftliche Situation geerbt“, verteidigt sich Stubb. „Und es gibt keinen Zaubertrank dafür, die Dinge herumzudrehen“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Gäbe es ihn, würde Stubb seine magischen Kräfte wohl dazu nutzen, ein Unternehmen wie Nokia herbeizuzaubern. „Wir haben diese große Mission, ein neues Nokia zu finden“, sagt Jokisipilä, „etwas, das die Zukunft von Finnland sein könnte.“

Vielen ist Stubb zu „unfinnisch“: Der begeisterte Sportler ist sehr extrovertiert, knipst in der Öffentlichkeit Selfies, trägt teure Anzüge. dpa

Alexander Stubb

Vielen ist Stubb zu „unfinnisch“: Der begeisterte Sportler ist sehr extrovertiert, knipst in der Öffentlichkeit Selfies, trägt teure Anzüge.

In der Zwischenzeit ist Stubbs Lösung für Finnlands Probleme ein Sparkorsett. Er will es enger schnüren als die anderen Parteien und auch als sein Herausforderer Juha Sipilä. Trotzdem trauen die Finnen diesem eher zu, die wirtschaftliche Situation wieder in den Griff zu bekommen. Die Politik ist seine zweite Karriere, davor war er ein erfolgreicher Geschäftsmann. „Das macht ihn gerade zu einem sehr glaubwürdigen und vielversprechenden Kandidaten“, meint Jokisipilä. „Es wäre überraschend, wenn er nicht Ministerpräsident würde“, sagt der Politikwissenschaftler Lauri Karvonen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×