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09.01.2017

08:56 Uhr

Firmen des US-Präsidenten

Die Interessenkonflikte des Donald Trump

Er ist nicht nur der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten – Donald Trump besitzt auch hunderte von Firmen. Das Geflecht könnte Interessenkonflikte auslösen. Die Geschäfte kurz vor der Amtsübernahme im Überblick.

Der zukünftige US-Präsident hat bisher nur wenige Zeichen für eine Loslösung seiner Unternehmen gesetzt. dpa

Donald Trump

Der zukünftige US-Präsident hat bisher nur wenige Zeichen für eine Loslösung seiner Unternehmen gesetzt.

WashingtonDer designierte US-Präsident Donald Trump hat versprochen, sich von seinem internationalen Geschäftsimperium zu lösen, bevor er am 20. Januar seinen Amtseid ablegt. Aber bis jetzt hat er in dieser Richtung nur wenige Schritte unternommen. Er besitzt oder kontrolliert weiterhin ungefähr 500 Firmen, die zusammen die Trump Organization ausmachen – ein Geflecht von potenziellen Interessenkonflikten, das in der modernen US-Geschichte bisher einmalig ist.

Es wird erwartet, dass Trump auf seiner für Mittwoch angekündigten Pressekonferenz über seine bisherigen Bemühungen und Pläne informiert, sich von seinen Unternehmen zu distanzieren. Der Nachrichtenagentur AP sagte er am Freitag, er werde eine „sehr einfache Lösung“ verkünden. Ethikexperten haben ihn aufgefordert, seine Vermögenswerte zu veräußern und seine Investments in einen Blind Trust zu übertragen, den seine Familie nicht kontrollieren würde. So haben es frühere Präsidenten gehalten.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Trump so weit gehen wird. Er hat angekündigt, dass er sich aus den täglichen Firmenoperationen zurückziehen und diese seinen erwachsenen Söhnen Eric und Donald Jr. überlassen werde.

Ein Überblick über den Stand weniger als zwei Wochen vor seiner Amtsübernahme:

AUSLANDSINVESTITIONEN

Trump hat Pläne für unternehmerische Vorhaben in Aserbaidschan, Brasilien, Georgien, Indien und Argentinien fallengelassen und nach AP-Erkenntnissen Mantelgesellschaften in Verbindung mit einem möglichen Unterfangen in Saudi-Arabien aufgelöst.

Der Rechtsberater der Trump Organization, Alan Garten, hat aber erklärt, dass keine der Maßnahmen etwas mit Trumps Wahl zum Präsidenten zu tun habe. Er bezeichnete sie als „normale Hausreinigung“.

Bisher ist die Trump Organization immer noch dabei, ihre globale Reichweite auszudehnen: Im nächsten Monat soll der internationale Trump Golf Club in Dubai eröffnet werden. Trump selbst hat gesagt, es werde während seiner Amtszeit keine neuen Deals geben. Aber sein Sohn Eric, einer der Vizepräsidenten der Trump Organization, sagte kürzlich einer Zeitung in Argentinien, dass das Unternehmen durchaus an einem neuen Projekt im Land interessiert sei. Eric Trump schloss hingegen eine Expansion in Russland aus; zumindest in der näheren Zukunft.

GESCHÄFTE DAHEIM

Trumps Hotel im Old Post Office – dem historischen alten Postamt – in Washington ist ein besonders augenfälliges Beispiel für den potenziellen Interessenkonflikt. Die US-Regierung ist der Verpächter des Gebäudes, das der Multimilliardär in ein – kürzlich eröffnetes – Luxushotel verwandelt hat. Der Pachtvertrag enthält eine Klausel, die gewählten Beamten finanzielle Beteiligungen an dem Anwesen untersagt. Bisher hat Trump nicht zu erkennen gegeben, wie er das Problem lösen will.

Trump ist auch weiterhin als ein Produzent der TV Reality Show „Celebrity Apprentice“ aufgeführt. Er hat angekündigt, dass er keine Zeit und Arbeit darin investieren werde. Aus Unterlagen, die er im Wahlkampf offenlegte, geht hervor, dass sein Unternehmen Trump Productions 2015 etwa 5,9 Millionen Dollar durch die Shows verdiente.

Er hat aber auch beachtliche Geschäftsschulden, was Gläubigern – zumeist Banken – in die Lage versetzen könnte, Einfluss auszuüben. Er selbst bezifferte den Betrag im vergangenen Mai auf mindestens 315 Millionen Dollar.

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