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26.07.2016

23:56 Uhr

First Dude

Welche Rolle hätte Bill Clinton im Weißen Haus?

Es ist noch längst nicht so weit. Aber Historiker und Gelehrte grübeln schon. Wird Hillary Clinton Präsidentin, wäre Bill - ja was? Einige Ideen kursieren schon, und nicht alle sind ganz ernst gemeint.

Wenn die frühere First Lady als erste Präsidentin der USA in das Weiße Haus einziehen wird - welche Rolle übernimmt dann ihr Ehemann, der selbst schon im Oval Office saß? dpa

Hillary und Bill Clinton

Wenn die frühere First Lady als erste Präsidentin der USA in das Weiße Haus einziehen wird - welche Rolle übernimmt dann ihr Ehemann, der selbst schon im Oval Office saß?

WashingtonEs ist jetzt schon etwas kompliziert. Amerika hat mehr als einen Präsidenten. Nicht nur der Noch-Amtsinhaber Barack Obama wird mit Mr. President angesprochen, sondern auch alle noch lebenden einstige Bewohner des Weißen Hauses: Jimmy Carter, die beiden Bushes George und George W. und Bill Clinton. Und nun wird es vielleicht noch komplizierter.

Gewinnt die Demokratin Hillary Clinton im November den voraussichtlichen Zweikampf mit dem Republikaner Donald Trump, hätten die USA nicht nur erstmals eine Frau im Oval Office. Sie hätten auch eine Madame President und einen Mr. President auf einen Schlag.

Hillary Clinton ist Präsidentschaftskandidatin: Yes, she can!

Hillary Clinton ist Präsidentschaftskandidatin

Yes, she can!

Hillary Clinton schreibt Geschichte: Die Demokraten ernannten sie zur ersten weiblichen Präsidentschaftskandidatin der USA ernannt. Aber auch zwei Männer trumpften auf dem Parteitag auf: Ex-Rivale Sanders und Ehemann Bill.

Was schon jetzt, bei der schieren Vorstellung, bei manchen ungute Erinnerungen wachruft. 1992 hatte Bill in seinem Wahlkampf verkündet, dass er und Hillary im Zweierpack kämen: „Kaufe einen, kriegst du den zweiten gratis dazu.“

Überhaupt machen sich Historiker und Gelehrte schon längst Gedanken darüber, wie man denn Bills Position im Weißen Haus korrekt bezeichnen könnte. Amerikaner lieben Titel, und schließlich würde ja auch der bald 70-jährige Bill im Fall eines Wahlsieges seiner Frau (68) eine Glasdecke durchbrechen.

Er würde der Erste - ja was? First Husband, Erster Ehemann? Wahrscheinlicher, so meinen Medien, ist wohl First Gentleman, das würde eher dem Titel der First Lady entsprechen und auch gut zu einer Madame President passen.

Aber da gibt es einen Haken, wie einige Medien bereits anmerkten: Der Titel First Gentleman würde Late-Night-Satiriker geradezu zum Blödeln einladen. Schließlich, so heißt es, sei Bills Verhalten in der Lewinsky-Affäre nun gar nicht gentlemanlike gewesen.

Die Skandale der Clintons

Berühmtes Paar, viele Vorwürfe

Hillary und Bill Clinton sind eines der berühmtesten Politikerpaare der Welt. Ihre lange Karriere wird von zahlreichen Skandalen und Vorwürfen begleitet, die 2016 im Wahlkampf wieder aufgekocht werden. Ein Überblick.

Bill Clintons Sexskandale (Auswahl)

Juanita Broaddrick bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 als 35-Jährige vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas.

Paula Jones warf Clinton sexuelle Belästigung vor. Sie erhielt im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung, die kein Schuldeingeständnis einschließt, 850.000 Dollar. Der Skandal wurde Troopergate genannt, weil junge State Trooper angaben, sie hätten Frauen (darunter Jones) an Clinton vermittelt.

Kathleen Willey erklärte, der Präsident habe sie im privaten Studierzimmer des Oval Office unsittlich berührt. Gennifer Flowers gab an, sie habe eine jahrelange Affäre mit Clinton gehabt.

Monica Lewinsky wurde 1998 wegen einer Affäre mit Clinton zur berühmtesten Praktikantin der Welt, ein beflecktes blaues Kleid wurde ebenfalls berühmt. Die Affäre hatte ein Amtsenthebungsverfahren zur Folge und hätte Clinton fast die Präsidentschaft gekostet.

Travelgate

Bestand im Kern darin, dass die Clintons das White House Travel Office durch ein Reisebüro aus Arkansas ausgetauscht haben. Hillary wurden in einem unabhängigen Bericht faktische Falschaussagen vorgehalten.

Whitewater

Name eines Stück Landes am White River in Arkansas, in das die Clintons Ende der 70er Jahre investiert hatten. Synonym für einen der langwierigsten Skandale eines US-Präsidenten. Im Kern stehen Spekulationsvorwürfe. Zahlreiche Menschen wurden verurteilt, den Clintons wurde nie etwas nachgewiesen. Untersuchungen begannen erst nach dem damals ominösen Tod des Weißen-Haus-Mitarbeiters Vince Foster. In seinem Büro wurden Whitewater-Papiere gefunden.

Pardongate

Bestand in umstrittenen Begnadigungen Bill Clintons an seinem letzten Tag im Amt. Im Fokus stand das Pardon für Mark Rich, einen flüchtigen Milliardär. Der Vorwurf: Er sei im Ausgleich dafür begnadigt worden, dass er mit seiner Frau den Clintons sehr viel Geld zukommen ließ.

Der wahre Skandal der Clinton-Ära?

DER WAHRE SKANDAL DER CLINTON-ÄRA?

Das Verhalten der Medien, sagt Joe Klein („Time Magazine“ und Autor von „Primary Colors“). „Der eigentliche Skandal war der Presseskandal. Die Menge an Zeit und Platz, die wir Dingen eingeräumt haben, die nicht wichtig waren oder gar nicht existiert haben.“ Für viele ist die Trivialisierung amerikanischer Medien Erbe der mangelhaften Berichterstattung über die damaligen Skandale.

Benghazi

Im September 2012 wurde das US-Konsulat im libyschen Benghazi von Islamisten attackiert. Vier Amerikaner starben, darunter der Botschafter Chris Stevens. Vorwurf eins an die damalige Außenministerin Clinton: Sie habe das Konsulat völlig unzureichend schützen lassen. Vorwurf zwei: Anders als von ihr behauptet, seien die Angriffe nicht spontan gewesen, sondern geplant und damit absehbar und zu verhindern.

Hillarys E-Mail-Affäre

Steht im Fokus mehrerer Untersuchungen und bleibt für die voraussichtliche Kandidatin brandgefährlich. Der Vorwurf: Clinton hat in ihrer Zeit als US-Außenministerin ihren E-Mail-Verkehr nicht über das State Department abgewickelt, sondern entgegen aller Vorschriften über einen privaten Server. Am gefährlichsten ist die Untersuchung des FBI, danach könnte sie angeklagt werden.

Die Reden

Beide Clintons haben nach dem Jahr 2001 Millionen Dollar für das Halten von Reden erhalten. Vor allem Hillary Clinton werden hoch dotierte Auftritte bei der Investmentbank Goldman Sachs vorgeworfen. Die Veröffentlichung der Redetexte verweigert sie strikt.

Die Clinton-Stiftung

Vorwurf: massive Interessenkonflikte, Vermischung politischer und privater Interessen, fehlerhafte Steuererklärungen. Ist auch verwoben mit der E-Mail-Affäre.

Quelle: dpa

Aber auch wenn man Vergangenes vergangen sein lässt, gibt es noch ein weiteres Titelproblem. Der Präsident wird im Fachjargon Potus (kurz für President of the United States) genannt, die bessere Hälfte Flotus (First Lady of the United States). Das ginge für Bill nun überhaupt nicht. Aber was ist die Alternative? Fgotus für den Gentleman, Fhotus für den Husband?

Bill Clinton selber hat früher einmal augenzwinkernd die Bezeichnung „First Laddie“ aus dem Schottischen ins Spiel gebracht, „das käme der First Lady am nächsten“, sagte er 2007 der TV-Talk-Diva Oprah Winfrey. Komödiant Darrell Hammond hatte eine andere Idee. Als Bill ulkte er in der Show „Saturday Night Live“, dass Hillary eine großartige Präsidentin abgeben würde. Er selber aber noch einen besseren „First Dude“.

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