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27.02.2013

08:51 Uhr

Fischereireform

Beifänge dürfen nicht mehr zurück ins Meer

Die EU setzt ein Zeichen im Kampf gegen Überfischung: Nur noch ein kleiner Teil der Fische, die versehentlich ins Netz gehen, dürfen wieder ins Wasser geworfen werden. Bis das Verbot kommt, vergehen aber noch Jahre.

Ein Fischereikutter an der ostfriesischen Küste. dpa

Ein Fischereikutter an der ostfriesischen Küste.

BrüsselIn nächtlichen Verhandlungen haben sich die EU-Staaten auf eine Kehrtwende in der Fischereipolitik geeinigt. Das teilte der Verhandlungsleiter, der irische Fischereiminister Simon Coveney, am Mittwochmorgen in Brüssel mit. Beim Kampf gegen die Überfischung soll künftig ein Verbot helfen, versehentlich gefangenen Fisch wieder zurück ins Wasser zu werfen. Beifänge in Höhe von sieben Prozent bleiben aber erlaubt, zudem wird dieses Rückwurfverbot erst nach und nach bis 2019 eingeführt. Nun beginnen Verhandlungen mit dem Europaparlament – die Volksvertreter müssen am Ende zustimmen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner atmete nach dem Ende der zähen 14-Stunden-Verhandlungen auf. „Es ist bis zum Schluss auf Messers Schneide gestanden, ob es überhaupt eine Einigung gegeben hat“, sagte Aigner. „Und dass es jetzt doch ein so eindeutiges Votum gegeben hat, freut mich sehr.“ Noch um vier Uhr war ein Kompromissvorschlag an den verhärteten Fronten gescheitert. Aigner hätte sich aber noch striktere Regeln zur Begrenzung des Beifangs gewünscht.

EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki sprach von „einer ganz neuen Realität“. Im April wollte sie über Möglichkeiten beraten, den Fischern mit EU-Geldern bei den nötigen Investitionen zu helfen. Dabei kann es zum Beispiel um neue Netze für gezielteren Fischfang gehen.

Der erste Vorschlag der EU-Kommission sah bereits vor, dass langfristige Managementpläne nach wissenschaftlichen Kriterien festlegen sollten, wie viel Fisch gefangen werden darf. Bislang schacherten die Agrarminister diese Fangmengen jedes Jahr aufs neue untereinander aus – und überschritten regelmäßig die Höchstmengen, die Meeresforscher für gerade noch vertretbar hielten. Die Folge: Fast drei Viertel aller Bestände in Europa sind überfischt, weltweit sind es nur 25 Prozent.

Zudem werfen Fischer derzeit Schätzungen zufolge fast ein Viertel ihres Fangs wieder zurück ins Meer, um Quoten einzuhalten oder weil die Fische keinen Handelswert haben. Die meisten Tiere sind dann allerdings schon tot. Diese Ressourcenverschwendung wollen die EU-Länder durch das Anlandegebot verhindern.

Von

dpa

Kommentare (4)

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bunterhund

27.02.2013, 08:26 Uhr

was heißt hier versehentlich gefangener fisch, das wird doch bei der heutigen fangart billigend in kauf genommen. die industrielle befischung der meere sollte umgehend eingestellt werden .

Michael

27.02.2013, 08:48 Uhr

"zudem wird dieses Rückwurfverbot erst nach und nach bis 2019 eingeführt"

Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn.

Account gelöscht!

27.02.2013, 09:23 Uhr

Bislang schacherten die Agrarminister diese Fangmengen jedes Jahr aufs neue untereinander aus – und überschritten regelmäßig die Höchstmengen, die Meeresforscher für gerade noch vertretbar hielten. Die Folge: Fast drei Viertel aller Bestände in Europa sind überfischt, weltweit sind es nur 25 Prozent

Wenn es um wichtige Fischbestände geht braucht die EU mit Nachtsitzungen bis 2019 zur Umsetzung. Beim ESM geht sowas in 3 Stunden.
Die EU sollte sich was schämen und ein Beispiel an Norwegen nehmen.

Schönen tag noch.

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