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12.07.2013

22:02 Uhr

Fitch

Frankreich verliert letztes Spitzen-Rating

Hiobsbotschaft für Frankreich: Die Ratingagentur Fitch hat dem Land die Topnote entzogen - als eine der letzten großen Agenturen. Auch für Italien gab es am Freitag weitere schlechte Nachrichten.

Frankreich muss sich vom Tripple-A Status erst einmal verabschieden. AFP

Frankreich muss sich vom Tripple-A Status erst einmal verabschieden.

London/FrankfurtNackenschlag für das unter Reformdruck stehende Frankreich: Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft im Euroraum hat auch bei der Ratingagentur Fitch ihre Topnote verloren. Wie Fitch am Freitagabend mitteilte, sinkt das Rating um eine Note von „AAA“ auf „AA+“. Der Ausblick für das Land wurde auf stabil gesetzt, weswegen in absehbarer Zeit zunächst keine weitere Abstufung droht.

Fitch war die letzte der drei großen Ratingagenturen, die Frankreichs Kreditwürdigkeit noch mit Triple-A bewertet hatte. Bei Standard & Poor's und Moody's war die Topnote schon lange zuvor gefallen. Die Finanzmärkte nahmen die Entscheidung daher mit Gelassenheit auf, größere Bewegungen beim Euro gab es nicht.

Fitch begründet seine Entscheidung in erster Linie mit dem hohen Schuldenstand Frankreichs, der auch auf längere Sicht nur langsam sinken dürfte. 2014 dürfte die Schuldenquote - also das Verhältnis des Schuldenbergs zur jährlichen Wirtschaftsleistung - ihren Höhepunkt bei 94 Prozent erreichen, erwarten die Bonitätswächter. Bis 2017 dürfte die Quote nur leicht auf 92 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken. Dies überschreitet die Grenze, die Fitch mit der Bestnote für vereinbar hält. Auch liege die Verschuldung Frankreichs höher als bei den meisten anderen mit Trippe-A bewerteten Staaten.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Zusätzlich belastet werde die Kassenlage Frankreichs durch den ungewissen Wachstumsausblick, argumentiert Fitch. Konjunkturlage und -ausblick hätten sich zuletzt substanziell eingetrübt. Die Agentur verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit, die schwache Nachfrage aus dem Ausland sowie die geringere Wettbewerbsfähigkeit. Die unter der sozialistischen Regierung angestoßenen Strukturreformen werden zwar gelobt, fraglich seien aber deren Wirkung und vollständige Umsetzung.

Auch für Italien gab es am Freitag schlechte Nachrichten von Ratingagenturen: Standard & Poor’s stufte nach der Kreditwürdigkeit Italiens am Dienstag nun auch die italienischer Finanzhäuser herunter. So senkte die US-Ratingagentur am Freitag die Einstufung für die Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo um jeweils eine Stufe von „BBB+“ auf „BBB“.

Die Bewertung für den Versicherer Generali fiel von „A“ auf „A-“. In allen drei Fällen sei der Ausblick negativ, hieß es. Das heißt, es ist mit weiteren Herabstufungen zu rechnen.

Von

dpa

Kommentare (25)

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Rainer_J

12.07.2013, 20:20 Uhr

Die Frösche kochen so langsam in eigenen Saft.

Die_Hoffnung_stirbt_zuletzt

12.07.2013, 20:36 Uhr

Mir wäre 1000x lieber, wenn endlich mal jemand Deutschland abwerten würde ... oder zumindest androhen.

Dann käme endlich mal ein wenig Druck auf den Kessel.

Vielleicht - wenn auch sehr unwahrscheinlich - würden manche Entscheidungsträger hier mal endlich ihre Gehirnzellen anschalten.

Rechner

12.07.2013, 20:57 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Hiobsbotschaft für Frankreich: Die Ratingagentur Fitch hat dem Land die Topnote entzogen.
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Hiobsbotschaft? Daß ich nicht lache!

Der fanzösische Bondfuture ist heute gestiegen - nicht gefallen.

2,15% muß Hollande für 10-jährige Anleihen zahlen - eine Realrendite nahe NULL.

...

Für die Verlautbarungen der Betrügeragenturen interessiert sich niemand mehr.

...

Auf einem anderen Blatt steht, daß die Maßnahmen der französischen Regierung zum Schuldenabbau und zur Wirtschaftsreform bisher unzureichend sind.

Weshalb mir die Marktbewertung der französoschen Anleihen als zu hoch erscheint.

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