Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2012

15:10 Uhr

Fitch wertet Ungarn ab

Nationalismus hat seinen Preis

VonStefan Menzel

Für die Alleingänge seines Ministerpräsidenten Orban muss Ungarn büßen: Investoren verlassen das Land, die Währung geht auf Talfahrt, die Bonität erodiert. Jetzt schlägt die nächste Ratingagentur zu.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban steht unter Druck. dapd

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban steht unter Druck.

WienImmerhin hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban den Ernst der Lage erkannt. Am Freitagmorgen rief er seine engsten Vertrauten zusammen mit Notenbank-Chef Andras Simor zur Krisensitzung in der Budapester Staatskanzlei zusammen. Ungarns politische Führung hat eine harte Woche hinter sich: Ausländische Investoren sind scharenweise dabei, ihre Koffer in Ungarn zu packen.

Mit ihrer zweifelhaften Wirtschaftspolitik verschreckt die Führung in Budapest Investoren aus dem Ausland von Tag zu Tag mehr. Die Flucht aus ungarischen Vermögenswerten hat eingesetzt, die Landeswährung Forint verlor diese Woche zum Euro täglich etwa ein Prozent an Wert. Ungarische Staatsanleihen konnten nur noch mit extrem hohen Zinsaufschlägen verkauft werden, knapp zehn Prozent wurden am Donnerstag für einjährige ungarische Anleihen verlangt.

Auslöser der jüngsten Krise war das mögliche Scheitern der Verhandlungen mit IWF und EU über ein neues milliardenschweres Hilfspaket. Als letzte der drei großen Ratingagenturen setzte nun auch Fitch ungarische Staatsanleihen am Freitag auf Ramsch-Niveau („Junk“).

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung in Budapest internationale Anleger und die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Seit bald zwei Jahren regiert Ministerpräsident Viktor Orban, und selten vergeht ein Monat, an dem nicht wieder etwas Neues und Unvorhergesehenes passiert. Er selbst spricht von „unorthodoxen Maßnahmen“, die sich die Regierung in Budapest in regelmäßigen Abständen einfallen lässt.

Außerhalb Ungarns werden die Lage des Landes und die Wirtschaftspolitik der Regierung ganz anders gesehen. „Ungarn hat es nie geschafft, aus der Krise herauszukommen“, sagt Raiffeisen-Vorstandschef Herbert Stepic im Handelsblatt-Interview. Das Land sei inzwischen gut mit den Problemländern innerhalb der Euro-Zone vergleichbar.

Was auch bedeutet, dass sich Ungarn in Richtung Zahlungsunfähigkeit bewegt. Und der Bankmanager aus Wien weiß ziemlich genau, wovon er spricht. Denn die österreichische Raiffeisen-Gruppe gehört zu den großen Spielern in Osteuropa und ist auch in Ungarn stark vertreten.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.01.2012, 15:35 Uhr

Wir können uns nicht in die inneren Angelegenheiten Ungarns einmischen, müssen aber eine Staatspleite verhindern. Die EU ist gefordert ohne Gegenleistung zu helfen und die schweren Einschnitte für das ungarische Volk zu verhindern. Ungarn ist Mitglied in der EU und wir sind zur selbstlosen Hilfe im Namen eines geeinten Europas verpflichtet.

Radiputz

06.01.2012, 16:05 Uhr

Tja, naja. So so, Aha? Na denn!

Account gelöscht!

06.01.2012, 16:06 Uhr

Ich weiss nicht, welch Kräfte in Ungarn am Walten sind.
Wollten oder haben die nicht schon ein Zensurgesetz (Beschneidung von Freiheiten) verabschiedet?

Für mich stellt sich eher diese Frage:
Soll man ignorante oder gar böswillige Menschen unterstützen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×