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17.01.2011

05:54 Uhr

Flächenbrand

„Arabische Führer, lernt die Lektion“

VonMartin Gehlen

Der Sturz des tunesischen Diktators hat in ganz Arabien die Opposition ermutigt. Am Wochenende flammten in zahlreichen arabischen Hauptstädten Proteste auf. Die Staatschefs dagegen verharrten zumeist in Schockstarre. In Tunesien zeichnet sich dagegen Besserung ab: Am heutigen Montag bereits soll eine neue Regierung stehen.

In vielen arabischen Staaten protestieren Menschen wie hier in Sanaa. Reuters

In vielen arabischen Staaten protestieren Menschen wie hier in Sanaa.

KAIRO. In Jemens Hauptstadt Sanaa gingen rund tausend Studenten auf die Straße und forderten „eine Revolution gegen unsere doppelzüngigen Herrscher“. Sie trugen Transparente gegen Präsident Ali Abdullah Saleh mit der Aufschrift „Hau ab, bevor wir dich stürzen“.

In Kairo versammelten sich mehrere Dutzend Demonstranten vor der tunesischen Botschaft und riefen: „Mubarak, auch dein Flugzeug wartet schon!“ In der jordanischen Hauptstadt Amman skandierten Demonstranten: „Tunesien hat uns eine Lektion erteilt“, und forderten den Rücktritt der Regierung. Im Gazastreifen demonstrierten Dutzende Hamas-Anhänger mit großen Porträts von Ben Ali, auf denen die Worte standen: „Arabische Führer, lernt die Lektion„. In Paris und Rom feierten Exil-Tunesier den Abgang Ben Alis.

Von den arabischen Staatschefs meldete sich einzig Libyens Muammar el Gaddafi per Fernsehansprache ans Volk. Er nannte die Entmachtung Ben Alis einen großen Verlust und forderte die Bevölkerung des Nachbarlandes auf, nicht „den Lügen im Internet und Fernsehen zu glauben“. Gaddafi regiert Libyen fast doppelt so lange, wie Ben Ali über Tunesien geherrscht hatte.

Ägyptens Außenministerium teilte mit, es respektiere „die Wahl des Volks im brüderlichen Tunesien und vertraue der Weisheit der tunesischen Brüder, die Situation zu stabilisieren und nicht ins Chaos abgleiten zu lassen“. Ähnliche Appelle veröffentlichten die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains, Katars und Kuwaits. Vertreter der Zivilgesellschaft in den ölreichen Golfstaaten übten hingegen scharfe Kritik an der Entscheidung Saudi-Arabiens, Ben Ali Asyl zu gewähren.

Kommentare (9)

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KamilJan

16.01.2011, 23:09 Uhr

Oh ... hoffentlich halten sich die Amis da raus...wir haben genug Krieg...

keeper

17.01.2011, 00:16 Uhr

Gilt dies nur für die "Staatsführung",
oder auch für die defacto "herrschende Klasse"?

Zitat:

der Machtwechsel zeige vor allen Dingen eines: „Dass eine Staatsführung, die sich abschottet, die sich die Taschen vollmacht auf Kosten der bürger, die Freiheitsrechte verweigert - dass sie auf Dauer gegen die junge Generation keine Chance hat“. Dies sei eine sehr gute Nachricht.


...

Zeitzeuge

17.01.2011, 00:26 Uhr

Wann jagen wir die Tyrannen fort, die unseren Wohlstand Jahr für Jahr mehr schmälern, ohne uns um Erlaubnis zu fragen? Die Zeit des Hasses wird auch bei uns anbrechen, hoffentlich bald!

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