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26.10.2013

14:02 Uhr

Flirt mit Russland

Ägypten entzieht sich dem Einfluss des Westens

Seit Ägyptens Militär die Islamisten entmachtet hat, ist das Verhältnis zu den USA angespannt. Russland steht dagegen hoch im Kurs - so wie einst unter Präsident Abdel Nasser. Die Vorbereitungen für ein Treffen laufen.

Der Tahrir-Platz in Kairo. In Washington beobachtet man die starke Einflussnahme des Militärs auf die Politik mit Sorge. dpa

Der Tahrir-Platz in Kairo. In Washington beobachtet man die starke Einflussnahme des Militärs auf die Politik mit Sorge.

Kairo/Luxor„Danke Putin, Willkommen in Ägypten“, steht auf einem Plakat, das Aktivisten auf eine Lehmmauer in Luxor geklebt haben. Daneben hängen zwei Poster, die Militärchef Abdelfattah al-Sisi und den früheren ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser zeigen.

In einem Land, das bislang nach Israel der zweitgrößte Empfänger von US-Militärhilfe war, mag das erstaunlich wirken. Überraschend kommt diese Rückbesinnung auf die Zeiten der sowjetisch-ägyptischen Zusammenarbeit nicht. Sie ist das Ergebnis der kritischen Haltung, die Washington nach dem jüngsten Machtwechsel am Nil eingenommen hat.

Was ist geschehen? Al-Sisi und der Militärrat hatten Massenproteste gegen die regierenden Muslimbrüder Anfang Juli zum Anlass genommen, um Präsident Mohammed Mursi, Ägyptens ersten zivilen und demokratisch gewählten Staatschef, abzusetzen. Die Generäle benannten mit Adli Mansur einen uncharismatischen Richter ohne politische Ambitionen zum Übergangspräsidenten. Kurz darauf wurde in Medienberichten erstmals die Idee lanciert, Al-Sisi könne 2014 für das Präsidentenamt kandidieren.

In Washington beobachtet man die starke Einflussnahme des Militärs auf die Politik mit Sorge. Die USA haben deshalb einen Teil ihrer Militärhilfe in Höhe von bisher jährlich 1,3 Milliarden US-Dollar (731 Mio. Euro) auf Eis gelegt - und zwar so lange bis es in Ägypten wieder eine „demokratisch gewählte zivile Regierung“ gibt.

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Der ägyptische Regierungschef Hasem al-Beblawi kritisierte diese Entscheidung, betonte aber gleichzeitig, man könne notfalls auch ohne Washingtons Unterstützung auskommen. Außenminister Nabil Fahmi antwortete vergangene Woche in einem TV-Interview auf die Frage, ob sich Ägypten dann vielleicht an Russland wenden könnte: „Wenn unsere Bedürfnisse in Sachen nationale Sicherheit nicht erfüllt werden, dann werden wir andere Quellen finden.“

Im Moment laufen zwischen Moskau und Kairo die Vorbereitungen für ein Treffen. Wahrscheinlich werden im November die Außenminister beider Staaten zusammenkommen.

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