Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2012

16:41 Uhr

Flucht vor Wehrdienst

Junge Syrier verweigern sich Assads Armee

Immer mehr Syrier verweigern den Wehrdienst. Grund ist die Gewalt, von der tagtäglich berichtet wird. Vor die Wahl gestellt, Menschen zu töten oder nicht, entscheiden sich viele für die Flucht ins Ausland.

Ein zerstörter Panzer der syrischen Armee. AFP

Ein zerstörter Panzer der syrischen Armee.

Tripoli/LibanonKurz vor seinem 18. Geburtstag hatte sich der syrische Seemann Hamsa damit abgefunden, anderthalb Jahre Militärdienst leisten zu müssen. Aber dann begann die Protestbewegung gegen Präsident Baschar Assad, und die Berichte über das brutale Vorgehen der Regierungstruppen schreckten ihn ab.

"Ich konnte nicht gehen, weil die Armee das Volk schützen soll, aber diese Armee nur Assad schützt", sagt Hamsa, der seinen Nachnamen zum Schutz seiner Familie in Syrien nicht genannt wissen will. Er floh nach Libanon, wo er sich mittlerweile 19 Jahre alt in Tripoli mit sechs anderen Kriegsdienstflüchtlingen eine Wohnung teilt.

Internationale Kritik: Hundert Tote bei „Massaker“ in Syrien

Internationale Kritik

Hundert Tote bei „Massaker“ in Syrien

Unter den Toten in Zentralsyrien sind auch rund 40 Frauen und Kinder.

Mehr als 9.000 Menschen sind nach Zählung der UN in dem Konflikt bisher getötet worden. Regierungstruppen haben Städte mit Panzern und Artillerie beschossen, am Donnerstag schreckten Berichte über ein erneutes Massaker nahe der Protesthochburg Hama die internationale Gemeinschaft auf - knapp zwei Wochen, nachdem mehr als 100 Menschen in Hula umgebracht wurden.

Drei Szenarien zur künftigen US-Strategie in Syrien

Szenario 1: Präsident Assad lenkt ein

Das wird Washington als sehr unwahrscheinlich angesehen. Denn der syrische Staatschef geht seit über einem Jahr mit brutaler Gewalt gegen die Opposition vor, trotz Sanktionen und diplomatischen Drucks. Gegen einen freiwilligen Rückzug von Assad und seinen Gefolgsleuten spricht auch, dass diese sich wegen ihrer Verbrechen dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag stellen müssten. Außerdem hält Russland nach wie vor die Hand über Damaskus.

Einziger, wenn auch vager Hoffnungsschimmer: Die „jemenitische Variante“. Obama will nach Informationen der „New York Times“ in Syrien einen politischen Übergang wie im Jemen erreichen. Der Plan sehe vor, dass zumindest zeitweise „Überreste“ des Assad-Regimes an der Macht bleiben könnten. Obama wolle den Plan demnächst mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereden.

Szenario 2: Der Druck des Sicherheitsrates führt zu einer Lösung

Auch dies wird in Washington als eher unwahrscheinlich eingeschätzt. Bisher hatten Sanktionen keine durchschlagende Wirkung. Russland und China sperren sich weiterhin gegen schärfere Maßnahmen.

Szenario 3: Die Gewalt breitet sich weiter aus

Diese Möglichkeit ist die schlimmste und leider momentan auch die wahrscheinlichste. Wenn die Gewalt weiter zunimmt und sich über die ganze Region erstreckt, werde laut der US-Botschafterin Susan Rice den Mitgliedern des Sicherheitsrates und der internationalen Gemeinschaft nichts anderes übrigbleiben, als zu überlegen, ob sie bereit sind, Maßnahmen zu ergreifen, außerhalb des Uno-Friedensplans von Kofi Annan und ohne die Führung des Rates. Ein militärisches Eingreifen lehnt US-Präsident Barack Obama bisher strikt ab.

Der Militärdienst ist schon lange bei jungen Syrern nicht besonders beliebt. Viele haben versucht, sich ihm mit einer Auslandsreise, ärztlichen Attesten oder dem Einsatz von Beziehungen und Bestechung zu entziehen. Die Behörden haben eingeräumt, dass die Zahl der Wehrdienstverweigerer in den vergangenen 15 Monaten gestiegen sei.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Thomas-Melber-Stuttgart

07.06.2012, 17:15 Uhr

Die USA fordern Schutz vor Deserteuren? Und weshalb verfolgt man noch heute amerikanische Staatsbürger, die sich dem Vietnam-Krieg verweigert hatten?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×