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20.05.2015

08:12 Uhr

Flüchtligsdrama im Mittelmeer

Renzi will Leichen von Hunderten Bootsflüchtlingen bergen lassen

Mehr als 700 Flüchtlinge kenterten im April vor der italienischen Küste. Bis zu 600 der Passagiere ertranken. Nun will Italiens Premier Matteo Renzi sie bergen lassen – und setzt damit ein drastisches Zeichen.

Will mit seiner Aktion ein deutliches Zeichen für eine Quote zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen setzen: Italiens Premier Matteo Renzi. AFP

Pro Flüchtlingsquote

Will mit seiner Aktion ein deutliches Zeichen für eine Quote zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen setzen: Italiens Premier Matteo Renzi.

RomAngesichts des Widerstands in der EU gegen eine Quote zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen hat Italiens Regierungschef Matteo Renzi eine drastische Maßnahme angekündigt: Italien werde die Leichen von hunderten Flüchtlingen bergen, die im April nach dem Kentern eines einzelnen Boots im Mittelmeer ums Leben gekommen waren, kündigte Renzi am Dienstag in einem Fernsehinterview an.

„Wir werden an den Meeresgrund gehen und dieses Boot bergen“, sagte er. „Dort unten sind 500 bis 600 Leichen. Die ganze Welt soll sehen, was geschehen ist“, fügte der Ministerpräsident hinzu. Damit wolle er bewirken, „dass diejenigen, die vorgeben, nichts gesehen zu haben, damit aufhören“. Renzi wandte sich damit gegen die vielen EU-Länder, die eine Quote zur Verteilung der vielen Flüchtlinge ablehnen.

Renzi führte aus, die Bergungsaktion werde voraussichtlich „zwischen 15 und 20 Millionen Euro“ kosten. „Ich hoffe, die Europäische Union bezahlt, wenn nicht, machen wir das“, fügte der italienische Regierungschef hinzu.

An Bord des Flüchtlingsboots waren mehr als 700 Menschen gewesen, darunter auch Kinder. Sein Untergang vor der libyschen Küste hatte den dringenden Handlungsbedarf angesichts der Flüchtlingskrise im Mittelmeer deutlich gemacht, die EU setzte einen Sondergipfel an.

Vorige Woche stellte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sein Vorhaben vor, die Flüchtlinge künftig mit einer Quote gerechter auf die EU-Mitgliedstaaten zu verteilen, um die Mittelmeer-Anrainer wie Italien und Griechenland zu entlasten. Etwa ein Dutzend Mitgliedstaaten, darunter Großbritannien, Frankreich, Spanien und Ungarn, lehnen das Vorhaben jedoch ab.

Von

afp

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