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26.08.2015

15:52 Uhr

Flüchtlinge

50 Tote bei Tragödie im Mittelmeer

Die italienische Küstenwache hat bei der Rettung eines Flüchtlingsbootes etwa 50 Menschen nur noch tot bergen können. Insgesamt waren mehr als 400 Menschen an Bord.

Jeden Tag versuchen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. dpa

Flüchtlinge im Mittelmeer

Jeden Tag versuchen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa zu kommen.

RomAuf einem Schiff vor der libyschen Küste wurden am Mittwoch die Leichen von etwa 50 Menschen entdeckt. Sie seien im Laderaum gefunden worden, bestätigte die italienische Küstenwache am Mittwoch. Von Bord wurden laut Nachrichtenagentur Ansa etwa 439 Menschen gerettet. Das Schiff sei in Richtung Italien unterwegs gewesen. Erst vor wenigen Tagen waren im Mittelmeer etwa 50 Leichen auf einem Schiff unter Deck entdeckt worden. Die Toten sind nur die neuesten in einer langen Reihe von Flüchtlingstragödien auf dem Mittelmeer. Laut der italienischen Küstenwache liefen mehrere Rettungseinsätze für insgesamt mehr als 2000 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.

Über das Bürgerkriegsland Libyen werden Schätzungen zufolge 80 Prozent des Menschenschmuggels über das Mittelmeer abgewickelt. Vor allem vom Osten des Landes aus brechen Flüchtlingsschiffe zu oft tödlich endenden Reisen Richtung Europa auf.

Fakten zur Flüchtlingsdebatte

Flüchtlingszahlen steigen

Stellten im Juni 2012 rund 4.900 Personen einen Asylantrag in Deutschland, waren es drei Jahre später mit 35.400 mehr als siebenmal so viele.

Herkunftsländer

Die wichtigsten Herkunftsländer waren im Juni 2015 Syrien mit 7.600 Personen, Albanien mit 5.900 und Serbien mit 2.200. Insgesamt entfiel auf die sechs Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien mit 12.600 rund ein Drittel der Asylanträge.

Kaum Chance auf Asyl

Diese Flüchtlinge haben allerdings kaum eine Chance auf Anerkennung in Deutschland: Nur 65 der 22.200 Entscheidungen über Asylverfahren von Westbalkanflüchtlingen waren im zweiten Quartal 2015 positiv.

„Sichere Herkunftsländer“

Tatsächlich wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien bereits zum 6. November 2014 in die Liste „sicherer Herkunftsstaaten“ aufgenommen. Das heißt: Asylanträge von Personen aus diesen Ländern können direkt abgelehnt werden, wenn der Bewerber nicht nachweisen kann, dass ihm im Herkunftsland tatsächlich politische Verfolgung droht.

Immer mehr Anträge

Eigentlich sollte diese Eingruppierung dazu führen, dass die Zahl der laufenden Asylverfahren deutlich zurückgeht. Jedoch ist die Zahl der am Monatsende anhängigen Verfahren von Personen aus den drei genannten Ländern weiter angestiegen und lag mit 41.000 im April 2015 deutlich über dem April 2014 (24.700 Verfahren). Insgesamt waren Ende April 2015 knapp 275.000 Asylverfahren anhängig, wovon mehr als 87.000 auf Westbalkan-Flüchtlinge entfielen.

Kosovo

Im Kosovo hat man damit begonnen, die Menschen darüber zu informieren, unter welchen Voraussetzungen sie in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt werden – die Antragszahlen von Personen aus dem Kosovo hatten im März 2015 mit 11.700 einen historischen Höchststand erreicht, bis Juni sind sie nun auf 1.600 zurückgegangen.

Erst am Dienstag hatte die EU-Grenzschutzagentur Frontex berichtet, dass in der vergangenen nach eigenen Angaben 3.400 Flüchtlinge vor der Küste Libyens aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Die meisten der größtenteils aus Afrika stammenden Menschen seien von Freitag bis Sonntag von Schiffen aufgenommen und nach Europa gebracht worden, teilte Frontex mit. Die Flüchtlinge seien vor allem in Gummi- und Holzbooten vom nordafrikanischen Festland unterwegs gewesen und hätten kurz nach dem Ablegen Notrufe an italienische Behörden abgesetzt. In den ersten sieben Monaten des Jahres sind nach Frontex-Angaben insgesamt 95 000 Menschen aus diesem Korridor des Mittelmeeres gerettet worden.

Kommentare (7)

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Frau Margrit Steer

26.08.2015, 16:22 Uhr

Es wird höchste Zeit, dass in dieser Sache ordentlich g ehandelt wird.
Seit die Schlepper wissen, dass die Bundeswehr und andere Küpstenwachen die Flüchtlinge aufgreifen, kommen noch mehr.
Man will Europa in die Knie zwingen.
Den Schleppern muß jetzt endlich das Handerk gelegt werden. Dies geht nur, unter völliger Absperrung der Küse. Es darf kein einziges Boot mehr ablegen können

Account gelöscht!

26.08.2015, 16:54 Uhr

Im Verhältnis zu den tatsächlich über Meer nach Europa Reisenden, ist das ein verschwindend geringer Anteil. In der wertschöpfenden Industrie wird so etwas als Ausschuss geführt...

Herr Alexander Knoll

26.08.2015, 19:21 Uhr

Wenn Ihren Angehörigen ein tödlicher Autounfall passiert, reden Sie dann auch von Ausschuss? Soviel Kaltschnäuzigkeit ist sogar für die hier üblicherweise zu diesem Thema anfallenden Kommentaren unterirdisch.

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