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15.03.2016

11:20 Uhr

Flüchtlinge an mazedonischer Grenze

Durch ein Spalier aus Polizei und Hunden

Die Lage der Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze spitzt sich zu. Mazedonien hat bereits Hunderte zurück nach Griechenland gebracht. Die Flüchtlinge berichten Reportern von einer „bedrohlichen“ Lage.

Griechisch-mazedonische Grenze

Gefährliche Flucht –„Wir haben nichts zu verlieren“

Griechisch-mazedonische Grenze: Gefährliche Flucht –„Wir haben nichts zu verlieren“

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Chamilo, AthenNach dem Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien hat das Balkanland damit begonnen, Flüchtlinge zurück nach Griechenland zu schicken. 600 Migranten, die am Montag die griechisch-mazedonische Grenze überquert hatten, seien zurückgeschickt worden, sagte ein Polizeisprecher laut der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Die meisten von ihnen seien schon am Montag oder in der Nacht auf Lastwagen zurückgebracht worden.

Die Migranten kehrten zunächst in kleinen Gruppen über die grüne Grenze zurück, später kamen sie zu Hunderten wieder in Griechenland an. Einige der Betroffenen berichteten, sie seien von mazedonischen Sicherheitskräften mit Schlagstöcken traktiert worden.

Die Flüchtlinge hatten nach eigenen Angaben eine Nacht auf mazedonischem Gebiet verbracht. Sie beschrieben die Situation dort als „bedrohlich“. Vor ihnen habe sich ein Spalier aus Soldaten und Polizisten mit Hunden formiert. Die Sicherheitskräfte hätten schließlich die kleinen Zelte der Flüchtlinge zerstört und die Migranten harsch aufgefordert, nach Griechenland zurückzukehren. Das berichten Betroffene einem Reporter der Deutschen Presse-Agentur auf griechischer Seite.

Das Flugblatt für die Migranten in Idomeni

Hintergrund

Der Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien ist nach Ansicht der Regierung in Athen durch ein Flugblatt in arabischer Sprache ausgelöst worden. Darin sei den Migranten, die seit Wochen im Camp von Idomeni ausharren, gezeigt worden, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

Falsche Informationen?

Zudem wurden mit diesen Flyern falsche Informationen über die Absichten Athens verbreitet, hieß es vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise in Athen. Wer dahinter steckt, sagte Athen nicht. Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen.

Hinweise auf dem Flugblatt - Teil 1

1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben.

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass derjenige, der in Griechenland bleibt, am Ende in die Türkei abgeschoben wird.

Hinweise auf dem Flugblatt 2

4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung - Teil 1

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen. Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.

Die Lösung - Teil 2

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie für den Weg zum Treffpunkt auf die Karte. 

Am Vortag war es nach Schätzungen mazedonischer Medien bis zu 2000 Migranten aus Idomeni gelungen, den mazedonischen Grenzzaun über Umwege zu umgehen und illegal in das Nachbarland einzureisen.

Athen will über eine Rücknahme der Flüchtlinge nachdenken. Noch hätten die mazedonischen Behörden keinen entsprechenden Antrag gestellt. „Wenn sie ihn stellen, werden wir es uns überlegen und entscheiden“, sagte der Sprecher des griechischen Flüchtlings-Krisenstabes, Giorgos Kyritsis, am Dienstag im Nachrichtensender Skai in Athen.

Am Vortag war es nach Schätzungen mazedonischer Medien bis zu 2000 Migranten aus dem griechischen Elendslager Idomeni gelungen, den mazedonischen Grenzzaun über Umwege zu umgehen und illegal in das Nachbarland einzureisen. Die meisten Flüchtlinge wurden nach Medienberichten in Mazedonien festgenommen.

Ausgelöst worden ist der Exodus Hunderter Migranten nach Ansicht der Regierung in Athen durch die Verteilung eines Flugblatts in arabischer Sprache. Darin wurde den Migranten, die seit Wochen im Camp von Idomeni ausharren, gezeigt, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

Zudem wurden mit diesen Flyern falsche Informationen über die Absichten Athens verbreitet, hieß es vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise am frühen Dienstagmorgen in Athen. Wer dahinter steckt, sagte Athen nicht. Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen:

Angesichts der dramatischen Lage hatten sich immer mehr Menschen lebensgefährliche Schleichwege nach Mazedonien begeben. Vom Flüchtlingslager Idomeni aus brachen am Montag Hunderte auf und durchquerten einen reißenden Fluss, während auf der anderen Seite schon die griechische Bereitschaftspolizei aufzog. Alle Flüchtlinge, die unerlaubt nach Mazedonien kamen, wurden anschließend von der Armee gestoppt.

Drei afghanische Flüchtlinge gelangten andernorts zwar illegal nach Mazedonien, ertranken dort aber in einem Hochwasser führenden Fluss. Über die Ägäis strömen derweil weiter verzweifelte Menschen nach, weitere Todesopfer sind zu befürchten.

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