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21.04.2015

09:45 Uhr

Flüchtlinge aus Eritrea

Massenflucht aus dem „Nordkorea Afrikas“

Zehntausende Menschen aus Eritrea wagen jedes Jahr die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer nach Europa. In ihrer Heimat herrschen Armut, Unterdrückung und Gewalt. Die Regierung Eritreas reagiert zynisch.

Zehntausende Flüchtlinge aus Eritrea wollen jährlich über das Mittelmeer nach Europa. Immer öfter kommt es dabei zu tödlichen Bootskatastrophen. Reuters

Fluchten übers Mittelmeer enden oft tödlich

Zehntausende Flüchtlinge aus Eritrea wollen jährlich über das Mittelmeer nach Europa. Immer öfter kommt es dabei zu tödlichen Bootskatastrophen.

AsmaraZehntausende Menschen aus Eritrea versuchen jedes Jahr, mit einer gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer ein neues Leben in Europa zu beginnen. Die Überfahrt endet für viele tödlich – und doch scheint das hohe Risiko den Flüchtlingen die bessere Alternative zu sein, als weiter in dem bettelarmen und diktatorisch regierten Staat am Horn von Afrika eingesperrt zu bleiben.

Eritreer sind dem UN-Flüchtlingshilfswerk zufolge die zweitgrößte Gruppe der Bootsflüchtlinge, nur aus dem Bürgerkriegsland Syrien kommen noch mehr Menschen. Unter Asylbewerbern in Deutschland waren Eritreer im vergangen Jahr die drittgrößte Gruppe.

„Der Hauptgrund für die Flucht ist die unglaubliche Unterdrückung aller Freiheitsrechte durch die Regierung“, sagt Leslie Lefkow, die stellvertretende Afrika-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Eine Opposition gibt es in dem Land so wenig wie unabhängige Medien oder zivilgesellschaftliche Gruppen.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Tausende Dissidenten sitzen seit Jahren unter schrecklichen Bedingungen im Gefängnis. Das US-Außenministerium etwa wirft Eritrea auch Entführungen, Folter und die gezielte Ermordung von Oppositionellen vor.

Präsident Isaias Afwerki regiert das Land seit der Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 mit eiserner Faust, Wahlen gibt es nicht. Eritrea wird daher auch bisweilen als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet – in Anlehnung an die Diktatur von Kim Jong Un.

Eritrea ist ebenfalls nahezu vollständig abgeriegelt: Unabhängige Stimmen im Land gibt es nicht, internationale Medien können dort keine Mitarbeiter haben und Visa sind kaum zu bekommen. Selbst die Sondergesandte der Vereinten Nationen zur Menschenrechtslage in Eritrea, Sheila B. Keetharuth, darf das Land nicht betreten.

Kommentare (5)

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Herr Niccolo Machiavelli

21.04.2015, 10:51 Uhr

Wir brauchen wieder dringend, so dringend wie nie, einen Bundesgrenzschutz.

Bis zum vollständigen Aufbau kann die Bundeswehr die Funktion übernehmen. Dann ist sie auch endlich einmal beschäftigt.

Wir sollten auch darüber nachdenken, einen allgemeinen 12-monatigen verpflichtenden Bundesgrenzschutzdienst für junge Männer und Frauen analog dem früheren Wehrdienst einzuführen.

Herr Marcos Amanuel

21.04.2015, 13:11 Uhr

Trotz der richtigen Absicht die Diktatur für den Exodus verantwortlich zu machen lässt es der Text leider an Objektivität bzw. einer guten Recherche missen.

Die Diktatur wird hier als ein gewissenloses Monster dargestellt, was zwar wohl berechtigt sein mag, aber dennoch nicht mit Nordkorea oder andere afrikanische Diktaturen verglichen werden kann.

1. Der eigentliche Militärdienst dauert nur um die 2-3 Jahre, was Problem was dann folgt ist der Einzug in dem dienstlich unter dem Militär stehenden "National Service", eine Art Reichsarbeitdienst um die Infrastruktur des Landes aufzubauen. Da man aber meist, wenn man sich nicht durch exellente Talente in einem Bereich hervortut, keinen Einfluss auf die Arbeitswahl- und dauer hat kann man das als Sklaverei bezeichnen. Es geht hier also nicht um einen blutrünstigen Militärdienst sondern um unterschiedlichste Arbeiten in Altenheimen, auf den Feldern, in den Minen usw.

2. Der Hinweis auf die Bildungs- und Gesundheitspolitik im Zusammenhang mit der Flucht ist leider deplaziert. Das sind mit der Umweltschutzpolitik die einzigen Bereiche die in dem Land überhaupt funktionieren.
Bildung und Gesundheit sind kostenlos, die Alphabetisierung ist auf über 80% gestiegen, Malaria fast ausgerottet, die Aidsrate ( 0,93 % ) niedriger als in grossen Teilen der Welt - von Afrika ganz zu schweigen, Geburtstode sind drastisch verringert worden usw.
Man kann sich das leicht ergooglen oder hier der direkte Link zur UN Homepage

http://www.undp.org/content/undp/en/home/search.html?q=eritrea

3. Auch sonst ist es sehr friedlich was das Zusammenleben der Bevölkerung angeht, trotz 9 Ethnien undder gleichen Anzahl von Christen und Moslems.
Der wahre Grund für die Flucht liegt also im freiheitraubenden "National Service", der jahrelang dauert und somit keine selbstgewählte Zukunft ermöglicht, vgl. die DDR.
Übrigens die Drohrhetorik und aktuelle (!) Besetzung von Äthiopien machen es der Diktatur leicht in Teilen der Bev. Rückhalt zu finden.

Herr Klaus Hofer

21.04.2015, 17:21 Uhr

Europa kann nicht die Probleme Afrikas, auch nicht die Eriträas lösen. Es wäre ein falsch verstandener Humanismus, wenn Europa all diejenigen aufnehmen wollte, die den eigenen Kontinent mangels Perspektiven verlassen möchten, da die Probleme in den jeweiligen Ländern selbst gelöst werden müssen. Das ist weder kaltherzig noch zynisch, sondern entspricht vielmehr der Realität. Wer etwas anderes behauptet, sollte sich auch zu den Konsequenzen eines nicht mehr beherrschbaren Flüchtlingsstroms nach Europa bekennen. Gerade was Afrika betrifft, wird neben den politischen und wirtschaftlichen Aspekten, welche für die Migrationsströme verantwortlich gemacht werden, ein Aspekt verkannt, nämlich das überproportionale Bevölkerungswachstum. Gerade hier muß angesetzt werden, um eine weitere Verelendung des schwarzen Kontinents zu verhindern.

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