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12.10.2014

11:44 Uhr

Flüchtlinge aus Syrien

„Die größte humanitäre Krise unserer Epoche“

Neue Angriffe im Irak, Sturm auf Kobane: Scheinbar unbeeindruckt von internationalen Luftangriffen setzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren Vormarsch fort. Die USA richten sich auf einen langen Kampf ein.

Über die Grenze: Viele Kurden flüchten aus Syrien in die Türkei und versuchen, dem Terror der IS zu entkommen. dpa

Über die Grenze: Viele Kurden flüchten aus Syrien in die Türkei und versuchen, dem Terror der IS zu entkommen.

SantiagoUS-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat die Lage in der von der IS-Terrormiliz belagerten Kurdenstadt Kobane als „gefährlich“ bezeichnet. Die USA würden weiterhin „alles tun, was mit Luftangriffen möglich ist“, um die Dschihadisten aus der nordsyrischen Grenzstadt zur Türkei zurückzudrängen. „Tatsächlich gibt es da einige Fortschritte“, sagte er am Samstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Die IS-Kämpfer seien zurückgedrängt worden. Der Kampf zur Zerstörung der Terrormiliz werde aber lang und schwer. Außerdem müsse man dabei viele Faktoren bedenken.

Die USA arbeiteten derzeit an einer Strategie mit ihren Partnern. Die Stadt Kobane, die dicht an der Grenze zur Türkei liegt, wird von den Extremisten von drei Seiten aus belagert.

Die Europäische Union stellt 3,9 Millionen Euro für die aus der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane vertriebenen Flüchtlinge zur Verfügung. Das Geld soll an humanitäre Organisationen fließen, die Bedürftige nach deren Flucht ins Nachbarland Türkei unterstützen, wie die EU-Kommission am Sonntag mitteilte. Mithilfe der Finanzspritze sollen Notunterkünfte errichtet sowie Trinkwasser, Lebensmittelrationen und Medikamente verteilt werden.

Das Geld stammt aus einem 150 Millionen Euro schweren Hilfstopf für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs. Da inzwischen 180.000 Syrer wegen der Schlacht um Kobane in die Türkei geflohen seien, verschärfe dies nochmals „die größte humanitäre Krise unserer Epoche“ durch den Bürgerkrieg in Syrien, erklärte EU-Nothilfekommissarin Kristalina Georgiewa.

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Im Irak starteten die sunnitischen Extremisten einen neuen Versuch, in Richtung Bagdad vorzurücken. Wie das Nachrichtenportal „Sumaria News“ berichtete, zielte die Offensive auf eine Übernahme der strategisch wichtigen Stadt Amirijat al-Falludscha ab. Irakische Streitkräfte und Stammeskrieger hätten die Terrormiliz jedoch zurückschlagen können. In der irakischen Hauptstadt selbst starben bei zwei Anschlägen mindestens 23 Menschen. Dutzende seien verletzt worden, meldete die Nachrichtenagentur INA unter Berufung auf Armeeangaben. Die Attentate zielten auf Viertel ab, die von Schiiten bewohnt werden.

Ismat Hassan vom Verteidigungsrat in Kobane sagte der kurdischen Nachrichtenagentur Welati, seine Kämpfer hätten in der Nacht auf Samstag mindestens zwei Selbstmordanschläge von IS-Angreifern in der Nähe des Zentrums vereitelt. Im Laufe des Samstags wehrten kurdische Kämpfer nach Informationen der syrischen Menschenrechtsbeobachter erneut zwei Selbstmordattentäter ab. Der Aktivist Farhad al-Schami sagte der dpa am Telefon, es gebe heftige Gefechte im Süden, Westen und vor allem im Osten der Stadt. Die militärisch besser ausgerüsteten Dschihadisten versuchen zudem seit Freitag die Versorgungsroute der Kurden zur türkischen Grenze zu erobern.

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