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17.12.2015

17:35 Uhr

Flüchtlinge

Heftige Krawalle wegen Asylzentrum in Niederlanden

Die niederländische Kleinstadt Geldermalsen will ein Asyl-Zentrum einrichten. Doch die Proteste sind groß und eskalieren. Randalierer greifen das Rathaus an. Die Polizei gibt Warnschüsse ab.

80 Demonstranten haben eine Anhörung im Rathaus von Geldermalsen verhindert. dpa

Gewalttätige Asylgegner

80 Demonstranten haben eine Anhörung im Rathaus von Geldermalsen verhindert.

AmsterdamProteste gegen ein geplantes Asylsucherzentrum im niederländischen Geldermalsen sind in heftigen Krawallen ausgeartet. Rund 80 gewalttätige Randalierer hätten das Rathaus gezielt mit Steinen, Feuerwerk und Flaschen angegriffen, sagte der Polizeichef der Region, Lute Nieuwerth auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Eine Anhörung zu dem Asyl-Zentrum am Mittwochabend war abgebrochen und das Rathaus evakuiert worden. Die niederländische Regierung verurteilte die Gewalt.

„Es war ein geplanter Angriff“, sagte Polizeichef Nieuwerth. Beamte waren nach Angaben des Polizeichefs so bedrängt worden, dass sie Warnschüsse in die Luft abgegeben hatten. Die mobilen Einsatzkräfte der Polizei waren eingeschritten. Zwei Beamte und einige Demonstranten wurden leicht verletzt. Eine Frau soll schwer verletzt worden sein, teilte deren Anwältin im niederländischen Radio mit. Sie war demnach nicht an den Krawallen beteiligt. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. Der Vorfall werde noch untersucht. Bisher wurden nach Angaben der Polizei 14 Personen festgenommen.

Auf einem Industriegelände der rund 11.000 Einwohner zählenden Kleinstadt – die Großgemeinde selbst zählt 27.000 Einwohner – im Süden von Utrecht soll eine Unterkunft für rund 1500 Flüchtlinge entstehen. Dagegen hatte zahlreiche Bürger Einwände geäußert. Sie wenden sich vor allem gegen die große Zahl von Flüchtlingen.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland

Hintergrund

Zwischen dem 1. Januar und dem 30. November 2015 wurden in Deutschland 222 fremdenfeindliche Angriffe registriert, bei denen Menschen zu Schaden kamen oder zu Schaden hätten kommen können. Nur in zwölf Fällen kam es zur Anklage einer oder mehrerer Täter – also in bloß fünf Prozent der Fälle.

(Quelle: „Zeit Online“; Stand 3. Dezember 2015)

Art der Anschläge

Bei den Angriffen handelte es sich in 93 Fällen um einen Brandanschlag, in ebenfalls 93 Fällen um Sachbeschädigungen und in acht Fällen um Wasserschäden. Hinzu kamen 28 tätliche Angriffe.

Betroffene Regionen

Angriffe auf Unterkünfte gibt es im gesamten Bundesgebiet. Auch gelingt die Aufklärung im Westen nicht häufiger als im Osten. Dennoch: In manchen Regionen kommen die Attacken gehäuft vor. Im Folgenden die Bundesländer mit den meisten Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte.

Sachsen

Das Bundesland Sachsen ist trauriger Spitzenreiter des Negativ-Rankings: In den ersten elf Monaten des Jahres wurden hier 64 Angriffe begangen, darunter 18 Brandanschläge.

Nordrhein-Westfalen

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden im gleichen Zeitraum 21 Fälle registriert. 14 davon waren Brandstiftungen.

Berlin

Auch die Hauptstadt findet sich unter den fünf Bundesländern. Hier wurden von Januar bis Ende November insgesamt 20 Anschläge begangen, darunter 4 Brandanschläge.

Baden-Württemberg

Aufgeklärt wurde hier bisher noch kein Angriff auf eine Unterkunft, begangen dafür mehrere: Seit Januar kam es in Baden-Württemberg zu 17 Angriffen auf Asylbewerberheime. Sieben davon waren Brandanschläge.

Mecklenburg-Vorpommern

An der Ostsee wurden in den vergangenen elf Monaten fünf Brandanschläge begangen. Insgesamt kommt Mecklenburg-Vorpommern damit auf 16 Angriffe.

Sachsen-Anhalt

Ebenfalls in der traurigen „Top Ten“-Liste landet Sachsen-Anhalt. Hier wurden 15 Anschläge begangen, sieben davon waren Brandstiftungen.

Bayern und Brandenburg

Hier wurden in den ersten elf Monaten von 2015 jeweils sieben Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte begangen.

Zunächst hatten am Mittwochabend einige hundert Menschen vor dem Rathaus friedlich protestiert. Doch dann sei „völlig überraschend“ eine Gruppe von rund 80 Personen zum Angriff übergegangen, sagte der Polizeichef. „Darauf waren wir nicht vorbereitet.“

Bürgermeisterin Miranda de Vries verurteilte die Gewalt. „In unserer Demokratie führen wir die Debatte mit Worten“, sagte sie. Die Kleinstadt will im Januar über das Asyl-Zentrum entscheiden.

Die niederländische Regierung reagierte entsetzt. Sitzungen der Gemeindeverwaltung müssten in einem demokratischen Rechtsstaat stattfinden können, betonte Innenminister Ronald Plasterk in Den Haag. „Dies ist eine abscheuliche Situation“, sagte er im niederländischen Radio.

In den Niederlanden haben sich in diesem Jahr bisher rund 57.000 Asylsuchende gemeldet. Die meisten von ihnen sind Syrer. Die Regierung hatte gemeinsam mit den Kommunen vereinbart, zusätzlich zu bestehenden Heimen Unterkünfte für rund 25.000 Menschen bereit zu stellen.

Von

dpa

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