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13.04.2015

19:39 Uhr

Flüchtlinge im Mittelmeer

Ärzte ohne Grenzen startet Rettungsaktion

Immer mehr Flüchtlinge aus Krisengebieten versuchen, in oft untauglichen Booten über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Die Rettungsmaßnahmen der EU reichten nicht aus, kritisieren Hilfsorganisationen - und lancieren Aktionen auf eigene Faust.

Ein kaum seetaugliches Boot ist überladen mit Flüchtlingen. dpa

Flüchtlinge im Mittelmeer

Ein kaum seetaugliches Boot ist überladen mit Flüchtlingen.

Brüssel Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen will angesichts der wachsenden Flüchtlingsströme im Mittelmeer ein eigenes Such- und Rettungsschiff einsetzen. Die Maßnahmen der Europäischen Union seien nicht ausreichend, begründete Hernan del Valle, der für humanitäre Angelegenheiten zuständig ist, am Montag diese Pläne. Allein in den vergangenen drei Tagen wurden knapp 5630 Flüchtlinge aus dem südlichen Mittelmeer aus Seenot gerettet, wie die italienische Küstenwache mitteilte.

Das Schiff von Ärzte ohne Grenzen soll mit Medizinern an Bord im Mai zwischen Malta und Libyen liegen und bis November in Seenot geratene Migranten retten. Die 40 Meter lange „MY Phoenix“ wird mit aufblasbaren Rettungsbooten und Überwachungsdrohnen ausgestattet sein, wie die Organisation mitteilte, die noch nie zuvor eine solche Initiative startete.

„Wir sind uns äußerst bewusst, dass wir nur ein Schiff haben“, sagte Del Valle. Es sei eine „Tragödie“, dass Europa diesem Problem „den Rücken kehrt“, kritisierte er. „Man braucht Patrouillen in den Gewässern mit dem höchsten Risiko“, sagte zudem Aurélie Ponthieu, eine Beraterin der Organisation.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Imme mehr Flüchtlingsschiffe starten von der libyschen Küste aus Richtung Europa, denn immer mehr Syrer und Nordafrikaner fliehen vor den Konflikten in ihrer Heimat. Oftmals werden die Flüchtlinge von Schlepperbanden in nahezu untauglichen Schiffen verfrachtet und geraten in Seenot.

„Während wir hier sprechen, laufen mindestens 14 weitere Rettungsaktionen“, sagte der Kommandant der italienischen Küstenwache, Filippo Marini, am Montag der Nachrichtenagentur AP. Alle Notrufe seien über Satellit in der Zentrale der Küstenwache in Rom eingegangen. Die Menschenschmuggler setzen sich während der Reise oftmals ab und überlassen die Flüchtlinge ihrem Schicksal.

Viele der Rettungsarbeiten spielten sich außerhalb der Gewässer ab, in denen EU-Staaten unter dem Programm „Operation Triton“ patrouillierten, sagte Marini weiter. Die italienische Marine hatte Ende 2014 ihre Rettungsmission namens „Mare Nostrum“ zurückgezogen. Das deutlich kleiner dimensionierte EU-Programm nahm seine Arbeit auf, es hat aber kein Mandat für Suche und Rettung Schiffbrüchiger.

144 Migranten konnten den Angaben zufolge am Montag vor der libyschen Küste von einem gekenterten Boot geborgen werden. Auch Handelsschiffe, die in der Nähe fuhren, halfen bei der Bergung. Rettungskräfte entdeckten dort neun Leichen und setzten die Suche nach weiteren Opfern fort. Wegen des guten Wetters hätten besonders viele Flüchtlingsschiffe am Wochenende die Fahrt von der libyschen Küste Richtung Europa gewagt, hieß es.

Mindestens neun Tote: Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert

Mindestens neun Tote

Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert

Tausende Flüchtlinge versuchen derzeit die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Auch jetzt sterben wieder Menschen vor der Küste Italiens. Die Konflikte in Nahost und Nordafrika tragen dazu erheblich bei.

Die italienische Regierung hat die EU gedrängt, sich stärker bei der Patrouille und den Rettungsaktionen im südlichen Mittelmeer einzusetzen, zumal die meisten Migranten und Asylsuchenden Italien nur als Durchgangsstation ansähen und in andere EU-Länder reisen wollten.

Mehr als 280.000 Migranten gelangten 2014 illegal nach Europa, knapp 3300 verloren nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration ihr Leben. In Barcelona berieten rund 30 Außenminister und Regierungsvertreter aus Europa und Nordafrika am Montag während eines Treffens in Barcelona auch über dieses Problem.

Von

ap

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

13.04.2015, 20:47 Uhr

Das ist natürlich sehr zynisch seitens der linken Organisation. Dadurch das sie die "Flüchtlinge" nach Europa bringen werden weitere Menschen in Afrika motiviert auf diese Weise den Weg zu den unbegrenzten Sozialhilfe- und H4 Töpfen Deutschlands und anderer Länder zu suchen.

Im Grunde ist diese linke "Ärzteorganisation" mit verantwortlich am Schicksal vieler.

Sinnvoller wäre es die Menschen zurück nach Afrika zu bringen. Dann würden diese gefährlichen Touren schnell ein Ende finden.

Herr Billyjo Zanker

14.04.2015, 10:30 Uhr

......kritisieren Hilfsorganisationen - und lancieren Aktionen auf eigene Faust......

"Ach was sind wir heute wieder GUT....."

Dann sollen diese linken "Hilfsorganisatoren" auch für die weitere Betreuung, Unterkunft, Verpflegung, Medizin usw. aufkommen und evtl. bei Verstößen haftbar gemacht werden bis zur Anmeldung ihrer Privatinsolvenz und anschließender Zwangsarbeit für die Wiedergutmachung.
Aber alles ohne Gelder aus Steuermitteln der Staatskassen oder steuerlichen Abschreibungen.
Wenn diesen "Flüchtlingen" nicht bereits bei der versuchten Einreise klare "Grenzen" gesetzt werden und zwar nur durch sofortigen Rücktransport, ist wenn es nicht schon zu spät ist ein Desaster nicht mehr abzuwenden.
Dieses Problem mit den "Flüchtlingen" beschleunigt sich von Jahr zu Jahr und es ist unmöglich, selbst für die gesamte EU bei gerechter Verteilung nicht mehr beherrschbar. Darum muß die EU konsequent, unnachsichtig und umgehend handeln im Sinne und zum Vorteil der EU Steuerzahler Handeln.
Sollte es zu Unruhen kommen, was bei den Verhältnissen und inzwischen Massen der Probleme, werden sich die "Betroffenen" schnell zusammen rotten und dann Gnade uns allen, auch den Gutmenschen Gott, (auch wenn es den Märchenkasper nicht gibt, denn dann hätte er das Elend verhindert) denn die Anderen haben nichts zu verlieren.

Herr Teito Klein

15.04.2015, 07:23 Uhr

Auf dem Weg ins gelobte Land
-----------------
Diese linke Organisation hat ein neues Betätigungsfeld gefunden.
Sie betätigen sich jetzt als Schlepper und bringen "Flüchtlinge" nach Europa.
Sie holen sie direkt an der Küste Libyens ab.
Auf dem Weg ins "gelobte Land" verteilen sie vorgedruckte Asylanträge.
Dann findet die "feierliche Passverbrennung" statt.

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