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04.08.2015

14:35 Uhr

Flüchtlinge in Dover

Endstation Abschiebehaft

Ein leben in Großbritannien, für Flüchtlinge die über den Ärmelkanal kommen ist es ein Traum. Und in der Regel bleibt es für sie auch ein solcher: In Dover werden die Menschen in aller Regel erstmal eingesperrt.

Die britische Abschiebehaftanstalt in Dover ist für hunderte Flüchtlinge die Endstation ihrer Reise. AFP

Hoffnungslos überbelegt

Die britische Abschiebehaftanstalt in Dover ist für hunderte Flüchtlinge die Endstation ihrer Reise.

DoverFür hunderte Flüchtlinge, die es über den Ärmelkanal bis nach Großbritannien schaffen, ist eine einstige Festung in Dover oft das bittere Ende ihrer gefährlichen Reise: Die Abschiebehaftanstalt über dem Hafen der englischen Stadt ist durch einen Graben, hohe Zäune, Stacheldraht und Überwachungskameras gesichert.

In dem gefängnisartigen Gebäude sind derzeit 316 erwachsene Männer untergebracht, die Asylanträge stellten oder deren Anträge schon abgelehnt wurden. Seit der Eskalation der Flüchtlingskrise am Eurotunnel kommen aber auch immer mehr unbegleitete Jugendliche. Die örtlichen Behörden sind überfordert.

„Wir haben keine Kapazitäten mehr, um noch viele mehr in den nächsten Wochen aufzunehmen, wenn die Zahl weiter so ansteigt wie zuletzt“, klagt Paul Carter, der Vorsitzende des Kreisrats von Kent. Von der britischen Regierung fordert er mehr Unterstützung.

Ein mit den Vorgängen Vertrauter berichtet, dass in der vergangenen Woche „mehr als hundert“ Einwanderer an einem einzigen Tag festgenommen worden seien, nachdem sie per Frachtzug durch den Eurotunnel nach England kamen. Bevor die Krise eskalierte, lag die Zahl demnach bei „null oder einer Handvoll“.

Besondere Sorgen bereiten den Behörden die unbegleiteten Jugendlichen. Die Zahl der Asylbewerber unter 18 Jahren im Verwaltungsbezirk Kent verdoppelte sich in den vergangenen drei Monaten nahezu auf 605 Menschen, was dem Kreis ein Defizit von umgerechnet 7,9 Millionen Euro bescherte.

Die Organisation Compass Fostering, die sich um Unterkünfte für jugendliche Flüchtlinge kümmert, spricht sogar von einer fünffach höheren Zahl minderjähriger Asylbewerber. Im vergangenen Jahr habe der Kreis 34 Jugendliche pro Monat an sie überwiesen – jetzt 140. Die meisten sind demnach Jungen, manche erst zwölf Jahre alt.

Den Hafen von Dover an der äußersten Südostküste Großbritanniens oder den Endbahnhof im benachbarten Folkestone zu erreichen, ist das Ziel für die Flüchtlinge, die auf der anderen Seite des Ärmelkanals im französischen Calais zu Tausenden campieren. Gerade in den vergangenen Tagen versuchten jede Nacht bis zu 2300 Einwanderer, in den Tunnel zwischen Frankreich und England zu kommen - beide Seiten verschärften die Sicherheitsmaßnahmen drastisch.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete am vergangenen Freitag zwei Flüchtlinge, die sich auf dem Dach eines Lastwagens festklammerten, der aus dem Eurotunnel-Endbahnhof kam. Sie waren auf dem Frachtzug aus Calais gekommen.

Kommentare (1)

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Frau Margrit Steer

04.08.2015, 17:41 Uhr

Dann wird es wohl nicht lange dauern und Til Schweiger meldet sich zu Wort, zusammen mit der SPD.
Dann sind eben auch die Engländer Rassisten und Nazis

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