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07.08.2015

13:44 Uhr

Flüchtlinge in Europa

So läuft es in den anderen Ländern

Tausende Flüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Sie treffen auf Schleuser und Grenzzäune, auf hilfsbereite Menschen, aber auch auf Ablehnung. Wie gehen die europäischen Länder mit ihnen um? Eine Übersicht.

Illegale Einreise

Flüchtlingswelle im Eurotunnel reißt nicht ab

Illegale Einreise: Flüchtlingswelle im Eurotunnel reißt nicht ab

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Auf dem Mittelmeer spielen sich Dramen ab: Diese Woche ist ein aus Libyen gestartetes Flüchtlingsboot binnen kurzer Zeit gesunken – nachdem sich Rettungsboote genähert hatten. Offenbar hatten sich die Flüchtlinge an Bord massenhaft auf eine Seite bewegten. Mehr als 370 Menschen konnten gerettet werden, allerdings wurden auch die Leichen von 25 Todesopfern geborgen. Die Opferzahl dürfte deutlich höher liegen – etwa 200 Flüchtlinge seit dem Unglück vermisst wurden.

Trotz aller Risiken machen sich täglich Tausende Menschen auf den Weg nach Europa. Seit Jahresbeginn sind nach Uno-Angaben bereits 224.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Allein 124.000 Migranten seien zwischen Anfang Januar und Ende Juli in Griechenland eingetroffen. Aus Afrika oder auch aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

Was tun? Die Flüchtlings-Debatte kocht nicht nur in Deutschland hoch. Notunterkünfte werden errichten, das Asylverfahren diskutiert. Im Handelsblatt wurden gleich 150 Leserfragen zu diesem Thema gestellt und mit Hilfe von Experten beantwortet. Ganz Europa sucht nach Antworten. Wie es in den anderen Ländern aussieht? Eine Übersicht.

So läuft es in Griechenland

In Griechenland herrschen wegen der schwierigen Finanzlage chaotische Zustände für die Migranten. Schätzungen nach kamen allein im ersten Halbjahr 40.000 Flüchtlinge an. Im Juli waren es nach offiziellen Angaben weitere 32.000. In ihrer Mehrheit stammen sie aus Syrien. Sie kommen aber auch aus Somalia, Afghanistan, Pakistan und allen Staaten des Nahen Ostens.

Die Route, der sie folgen, führt über Syrien in die Türkei bis auf die griechischen Ostägäisinseln. Dort (etwa auf Samos, Kos, Rhodos oder Lesbos) kommen nach Schätzungen eines Offiziers der Küstenwache auf der Insel Chios rund 2000 Menschen täglich an. Auf den Inseln ist die Lage dramatisch. Die lokalen Behörden sind überfordert. Hilfsorganisationen stehen vor Problemen, weil ihr bei griechischen Banken deponiertes Geld wegen der Kapitalverkehrskontrollen blockiert ist.  

Migration in Deutschland – die wichtigsten Fragen

Wie viele Zuwanderer leben in Deutschland?

Rund 10,9 Millionen Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylbewerber lebten 2014 in der Bundesrepublik. Das ist nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes der höchste Stand seit Beginn der Erhebungen 2005. Das Plus zum Vorjahr (2013) beträgt 3,7 Prozent und zu 2011 rund 10,6 Prozent. Zählt man noch die Nachfahren hinzu, dann leben in Deutschland rund 16,4 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln. Gut jeder Fünfte der rund 80,89 Millionen Einwohner hat somit einen Migrationshintergrund.

Was verstehen die Statistiker unter Zuwanderern?

Der Mikrozensus ist die Grundlage der Statistik. Bei dieser Stichprobenerhebung wird jedes Jahr rund ein Prozent der Bevölkerung befragt. Dabei werden auch Gemeinschaftsunterkünfte wie Asylbewerberheime berücksichtigt. Die Statistiker fragen aber nicht nach dem rechtlichen Aufenthaltstitel.

Wie steht es um ein Einwanderungsgesetz in Deutschland?

Die Grünen bezeichneten Deutschland schon vor etlichen Jahren als Einwanderungsland und forderten ein Einwanderungsgesetz. Die Union hat sich dem lange verschlossen. Inzwischen spricht zwar auch sie davon, dass Deutschland nach den USA das zweitgrößte Einwanderungsland der Welt sei. Um ein Gesetz wird in CDU und CSU aber noch heftig gerungen. Die CDU von Kanzlerin Angela Merkel könnte sich im Dezember auf einem Parteitag dafür aussprechen, die derzeit mehr als 90 Rechtsgrundlagen für die Erteilung eines Aufenthaltstitels für Zuwanderer in einem speziellen Gesetz zu vereinfachen und zu bündeln. Die CSU will kein Gesetz mitmachen, das ein Mehr an Zuwanderung bedeutet. Der Koalitionspartner SPD dringt auf ein Einwanderungsgesetz noch in dieser Wahlperiode.

Woher kommen die Zuwanderer?

Seit 2011 ziehen jedes Jahr mehr Menschen nach Deutschland. Besonders deutlich ist der Zuwachs aus der Europäischen Union. Mehr als vier Millionen Zuwanderer stammten 2014 aus diesen Ländern, das waren gut 18 Prozent mehr als 2011. Die meisten kamen aus Polen, Rumänien, Italien, Bulgarien und Ungarn. Aber auch die Zahl der Zuwanderer mit Wurzeln aus anderen Kontinenten nahm deutlich zu. China, Syrien und Indien nennen die Statistiker als Beispiele.

Weshalb kommen die Menschen nach Deutschland?

„Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 haben sich die Zuwanderungsmotive deutlich verschoben“, stellen die Statistiker fest. Für die seither Zugezogenen war ein Job der wichtigste Grund, nach Deutschland zu kommen (28 Prozent). Mehr als die Hälfte dieser Zuwanderer hatte bei der Einreise bereits eine Stelle. Die Arbeitsaufnahme habe das zuvor dominierende Ziel der Familienzusammenführung abgelöst, stellt Migrationsexperte Ludger Pries fest.

Wie gut sind die Zuwanderer ausgebildet?

„Am oberen Ende sind die Zuwanderer klar besser qualifiziert als die Deutschen“, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Das hilft dem Arbeitsmarkt.“ Hochschulabsolventen seien leichter zu integrieren. „Was uns ein bisschen fehlt, ist die Mitte, also die klassischen Facharbeiterqualifikationen.“ Allerdings gebe es auch mehr Zuwanderer ohne Berufsausbildung als Deutsche, die keinen Migrationshintergrund haben. Dies sei aber nicht per se negativ. „Sehr viele Zuwanderer arbeiten in Berufen wie der Gastronomie, der Landwirtschaft und der nicht-examinierten Pflege, wo man nicht unbedingt eine formelle Berufsbildung braucht.“ Dies seien aber auch anspruchsvolle Tätigkeiten mit einer hohen Nachfrage.

Wie gut sprechen die Zuwanderer Deutsch?

Mehr als die Hälfte der rund 16,4 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln (56,0 Prozent) hat einen deutschen Pass. Fast die Hälfte der seit 1960 Zugewanderten im Alter von 15 bis 64 Jahren schätzen ihre Deutschkenntnisse als fließend oder sogar muttersprachlich ein.

Wie wird sich die Zuwanderung entwickeln?

Bis 2014 kamen die Zuwanderer vor allem aus EU und hatten günstige Qualifikationen, wie Brücker sagt. „Dies sieht bei Asylbewerbern und Flüchtlingen anders aus.“ Dies sei jedoch nicht gravierend. „Das Gravierendere ist, dass wir diese Menschen viel schwieriger in den Arbeitsmarkt integrieren können, weil da auch rechtliche Hürden bestehen.“ Daher seien Änderung des Einwanderungsrechts notwendig. Der starke Zuzug aus der EU werde zudem mittelfristig abnehmen.

Die Migranten stellen meist keinen Asylantrag. Sie wollen nach Mitteleuropa weiterreisen. Es hat sich inzwischen eine neue Route gebildet: Fast täglich kommen mit den Linienfähren Hunderte von den Inseln in Piräus an. Sie bleiben ein paar Tage in Piräus und Athen, übernachten in billigen Hotels oder im Freien und machen sich danach auf den Weg in den Norden des Landes. Einige reisen mit dem Zug.

Eine Fahrt in einem Auto bis zur Grenze nach Mazedonien kostet etwa 500 Euro für drei Personen. Kurz vor der Grenze steigen die Migranten aus und queren sie illegal. Das griechische Fernsehen zeigt immer wieder regelrechte Flüchtlingstrecks, die sich entlang der Eisenbahnlinie Thessaloniki-Skopje bewegen. Die Polizei lässt sie weiterreisen. Strenge Kontrollen und Ausweisungen wie in den vergangenen Jahren sind kaum mehr auszumachen. 

Nach Informationen aus Polizeikreisen hat sich entlang der Flüchtlingsroute ein richtiger „Markt“ entwickelt. Billige Hotels in Athen verdienen daran, die Transporteure auch. Zudem soll es Bestechungen in großem Umfang geben, vor allem an den Häfen Westgriechenlands. Für ein paar Hundert Euro lässt der eine oder andere Kontrolleur einen mit Migranten voll beladenen Lastwagen unkontrolliert auf eine der Fähren, die nach Italien auslaufen.

Übergriffe der Bevölkerung hat es bislang nicht gegeben. Lediglich die rechtsradikale und ausländerfeindliche Partei Goldene Morgenröte macht Stimmung gegen die Migranten. Auf den Ägäisinseln – auch auf den kleinsten mit 100 bis 150 Einwohnern – versuchen die Menschen mit ihren wenigen Mitteln, den Ankömmlingen zu helfen. Die Stimmung könnte aber kippen, wenn noch mehr Flüchtlinge eintreffen.

Integrationsprogramm gibt es kaum. Dennoch werden Ausländer auch ohne Aufenthaltserlaubnis an Schulen aufgenommen. Arbeiten können sie praktisch nur schwarz, so wie auch viele Griechen wegen der Finanzkrise.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

07.08.2015, 14:21 Uhr

<< Die Flüchtlings-Debatte kocht nicht nur in Deutschland hoch. >>

So? Wo kocht sie denn? Ich sehe nichts davon.
Unsere Wohlfühlmedien halten alles schön unter dem Deckel. Eine öffentliche "Debatte" zu diesem Thema findet nur insofern statt, als dass Gegner der unkontrollierten Einwanderung diffamiert werden.

Und dann schon das Wort "Flüchtlinge"! Es gibt in den deutschen Medien eine komplette Übereinstimmung darüber, diesen vollkommen falschen Begriff unbeirrt zu gebrauchen, obwohl er zu diesem Thema für sich genommen schon eine gewaltige Lüge darstellt. In Wahrheit handelt es sich zu weit über 90% um illegale Einwanderer, um Sozialleistungsbetrüger, und somit um Kriminelle.

Herr Jordache Gehrli

07.08.2015, 14:57 Uhr

Also ist bei uns das Schlaraffenland. Soll sich jeder mal selbst fragen, ob das die "Gutmenschen" sind, die nach noch mehr Flüchtlingen rufen, ODER aber die "PROFITEURE" (Schleuser, Bootshersteller, Caterer, Containerbaufirmen, Vermieter, Getränke- und Essenslieferanten, korrupte Beamte....etc. pp).
Ob es schon einen Lobby-Verband gibt, in dem sich alle zusammengeschlossen haben??

Frau Margrit Steer

07.08.2015, 15:12 Uhr

Wer mit so viel Geld auf die Flucht geht, ist für mich kein Flüchtling.
Es wird Zeit, dass endlich das gemact wird, was Schily schon wolte. Flüchtlingslager auf dem afrikan. Kontinent. Wenn die erst mal wissen, dass sie ga nicht europ. Boden erreihen, hört das sofort au.
Abr Merkel tut ja ichts. Aber vielleicht muß sie ja auch erst Obama um Erluabnis fragen.
Wann hat diese Frau al was für Deutschland getan?

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