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29.02.2016

14:00 Uhr

Flüchtlinge in Griechenland

Urlauber reisen seltener nach Lesbos, Samos und Kos

VonChristoph Schlautmann

Die griechischen Urlauberinseln in der Ägais fürchten den nächsten Sommer: Wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms sind die Buchungen für die anstehende Saison dramatisch eingebrochen. Die wirtschaftliche Not nimmt zu.

Der Strom der Boote reist nicht ab. Täglich kommen Flüchtlinge am Strand von Lesbos an. AP

Am Strand von Lesbos

Der Strom der Boote reist nicht ab. Täglich kommen Flüchtlinge am Strand von Lesbos an.

AthenWegen der Flüchtlingskrise verzeichnet die griechische Tourismusbranche einen starken Rückgang der Buchungen sowie einen Anstieg der Stornierungen bereits gebuchter Reisen. Das berichtet die Athener Tageszeitung „Kathimerini“.

Vor allem die Inseln in der östlichen Ägäis, zu denen die Flüchtlinge von der Türkei aus übersetzen, seien betroffen, heißt es. So seien die Buchungen auf Lesbos im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent eingebrochen; auf Samos betrage der Rückgang 40 Prozent. Wie Anbieter dem Handelsblatt bestätigen, reisen auch immer weniger Touristen auf die Insel Kos.

Daher hätten Fluggesellschaften bereits erste Flugverbindungen gestrichen und Kreuzfahrtschiffe ihre Routen geändert. Nach Handelsblatt-Informationen trägt der Tourismus in Griechenland rund 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Sein Rückgang könnte das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land noch weiter schwächen.

Auch in Deutschland leiden Touristikkonzerne unter dem schweren Buchungseinbruch für Lesbos und Samos. Das bestätigt ein Sprecher des Reiseveranstalters Alltours, hierzulande einer der größten Anbieter von Griechenland-Urlauben.

Deutsche mögen Kreuzfahrten

Kreuzfahrtpassagiere in Deutschland

Kreuzfahrten werden in Deutschland immer beliebter: Nach Großbritannien und Irland (werden zusammen geführt) belegt Deutschland im europäischen Passagierranking den zweiten Platz. Etwa 2,4 Prozent der Deutschen sind Kreuzfahrtpassagiere – das macht sich auch beim Umsatz auf diesem Markt bemerkbar: 2014 wurde mit einem Erlös von knapp 3,1 Milliarden Euro der Rekord aus dem Jahr 2012 eingestellt. Zum Vergleich: 1993 waren es noch 537 Millionen Euro, 2001 ziemlich genau eine Milliarde.
Quelle: Statista

Hochseekreuzfahrten sind gefragter

Hochseekreuzfahrten sind dabei deutlich beliebter als Flusskreuzfahrten. 2,7 der knapp 3,1 Milliarden Euro Umsatz entfielen 2014 auf Reisen über die Weltmeere. Dabei lohnt sich die Fahrerei sogar aus Konsumentensicht: Der durchschnittliche Reisepreis ist in den vergangenen Jahren nämlich kontinuierlich gesunken. 2007 kostete eine Hochseekreuzfahrt im Durchschnitt noch 1885 Euro, 2014 durchschnittlich nur noch 1530 Euro.

Flusskreuzfahrten lange mäßig beliebt

Flusskreuzfahrten sind deutlich günstiger – 2014 betrug der durchschnittliche Preis 952 Euro. Die Anbieter beobachteten in der Vergangenheit schwankende Passagierzahlen, in den vergangenen Jahren waren sie rückläufig: Fast 416.000 Menschen machten 2014 eine Flusskreuzfahrt. Im Jahr 2011 waren es noch 462.000. Immerhin kehrte sich der Trend im vergangenen Jahr um.

Die stärksten deutschen Kreuzfahrtunternehmen

Aida-Kreuzfahrten haben in der Branche einen guten Ruf. Das spiegelt sich in den zuletzt rasant steigenden Umsatzzahlen wieder. 2014 setzte Aida Cruises 1,3 Milliarden Euro um – fast vier Mal so viel wie noch neun Jahre zuvor. Im Gesamtranking der führenden Reiseveranstalter ist Aida Cruises Sechster. Ebenfalls steigenden Umsatz verbuchte die Tui AG mit ihren Kreuzfahrten (2008: 186,5 Millionen Euro – 2014: 281 Millionen Euro). Umsatzeinbußen gab es hingegen bei Phoenix Reisen (2008: 296,4 Millionen Euro – 2014: 280,5 Millionen Euro).

Die wichtigsten Häfen in Nordeuropa

Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen Deutschlands – und einer der wichtigsten Nordeuropas. Mit einem Passagieraufkommen von 552.000 Menschen im Jahr 2013 belegt Hamburg hinter Lissabon (558.000) und Kopenhagen (800.000) den vierten Platz. Einsamer Spitzenreiter ist allerdings der Port of Southampton mit einem Passagieraufkommen von fast 1,7 Millionen Menschen.

Für die griechische Insel Kos, die unmittelbar vor der türkischen Küste liegt und täglich von mehreren Hundert Flüchtlingen per Schlauchboot erreicht wird, notiert das Düsseldorfer Unternehmen eine deutlich eingebrochene Nachfrage. Dabei waren die Buchungen Anfang des vergangenen Jahre noch um zweistellige Prozentraten gewachsen.

Alltours-Chef Willi Verhuven hatte betroffenen Hoteliers schon im vergangenen Herbst Hilfen zugesagt, um das Geschäft halbwegs stabilisieren zu können.

Die Situation der Reiseveranstalter in Griechenland ist deutlich zweigeteilt. Während die Inseln unmittelbar vor der türkischen Küste schwer unter dem Strom der Flüchtlinge leiden, erlebt der Rest des Landes einen erneuten Boom.

Viele Urlauber, die der Türkei nach den jüngsten Terroranschlägen den Rücken gekehrt haben, suchen sich derzeit Ziele in Hellas. „Auf Rhodos, Kreta oder dem griechischen Festland laufen die Buchungen derzeit ausgesprochen gut“, sagte ein Alltours-Sprecher.

Mit Material von dpa

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