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15.03.2016

15:24 Uhr

Flüchtlinge in Idomeni

Blüm hatte nichts mit Flugblatt zu tun

Hunderte Flüchtlinge strömten am Montag illegal über die mazedonische Grenze. Auslöser soll ein Flugblatt des „Kommando Norbert Blüm“ gewesen sein. Der CDU-Politiker bestreitet jetzt, Teil der Aktion gewesen zu sein.

Der ehemalige Sozialminister Norbert Blüm besucht das Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. dpa

Unschuldig

Der ehemalige Sozialminister Norbert Blüm besucht das Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien.

BerlinNach dem Versuch hunderter Flüchtlinge, aus dem griechischen Grenzlager Idomeni durch einen reißenden Fluss nach Mazedonien zu gelangen, hat Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras den mutmaßlichen Organisatoren ein "kriminelles Vorgehen" vorgeworfen. Unbekannte, die sich wohl als Helfer ausgegeben hätten, hätten die Flüchtlinge ermutigt, sich in Lebensgefahr zu begeben, sagte er am Dienstag.

Schuld an der Massenwanderung soll ein Flugblatt in arabischer Sprache gewesen sein. Verteilt wurde es nach Angaben der griechischen Polizei vor dem Exodus in Idomeni. Der Text verspricht den Menschen fälschlicherweise, dass sie Mazedonien bei einem Grenzsturm mit tausenden Menschen nicht mehr zurückschicken könne.

Genau heißt es darin:

Das Flugblatt für die Migranten in Idomeni

Hintergrund

Der Exodus Hunderter Migranten aus Griechenland nach Mazedonien ist nach Ansicht der Regierung in Athen durch ein Flugblatt in arabischer Sprache ausgelöst worden. Darin sei den Migranten, die seit Wochen im Camp von Idomeni ausharren, gezeigt worden, wie sie den mazedonischen Zaun umgehen können.

Falsche Informationen?

Zudem wurden mit diesen Flyern falsche Informationen über die Absichten Athens verbreitet, hieß es vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise in Athen. Wer dahinter steckt, sagte Athen nicht. Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen.

Hinweise auf dem Flugblatt - Teil 1

1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist zu und wird zu bleiben.

2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.

3. Es ist sehr gut möglich, dass derjenige, der in Griechenland bleibt, am Ende in die Türkei abgeschoben wird.

Hinweise auf dem Flugblatt 2

4. Wer es schafft, illegal in einen anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.

5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.

Die Lösung - Teil 1

1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen. Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).

2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.

Die Lösung - Teil 2

3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.

Lasst uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie für den Weg zum Treffpunkt auf die Karte. 

Signiert ist das Flugblatt mit „Kommando Norbert Blüm“. Der deutsche Ex-Politiker hatte am Wochenende aus Solidarität mit Flüchtlingen eine Nacht im Zelt in Idomeni verbracht. Über die Urheberschaft gab es zunächst keine gesicherten Erkenntnisse. Am Dienstag bestritt der frühere CDU-Bundesminister aber, damit etwas zu tun zu haben. "Ich habe erst im Nachhinein von diesem Flugblatt erfahren", sagte Blüm der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. Der Sprecher des UN-Hilfswerks UNHCR in Idomeni, Babar Baloch, hält es indes für möglich, dass der Flyer das Werk von kriminellen Schmuggler-Netzwerken war. 

An der Grenze von Griechenland und Mazedonien campieren derzeit tausende Flüchtlinge. Sie wollen über Mazedonien weiter nach Mitteleuropa reisen, viele von ihnen nach Deutschland. Am Montag hatten sich dann hunderte Flüchtlinge auf den Weg durch einen Grenzfluss gemacht, sie wurden aber von mazedonischen Sicherheitskräften gestoppt.

Von

afp

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