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16.06.2015

10:47 Uhr

Flüchtlinge

Leben auf Probe

Hunderttausende Flüchtlinge leben in Deutschland in Ungewissheit. Während die Politik darüber diskutiert, wie mit ihnen umzugehen ist, wollen viele einfach nur arbeiten. Schicksale von Menschen zwischen Demut und Zorn.

Veaceslav aus Moldawien hat schon als Kind Deutsch gelernt - ein Job dürfte also nicht das Problem sein. Doch die Lage von Veaceslav ist so ungewiss wie bei vielen anderen. dpa

Flüchtlinge auf Arbeitssuche

Veaceslav aus Moldawien hat schon als Kind Deutsch gelernt - ein Job dürfte also nicht das Problem sein. Doch die Lage von Veaceslav ist so ungewiss wie bei vielen anderen.

BerlinAls die Kugeln die Fenster zertrümmerten und im Zimmer einschlugen, drückte ihn sein Vater auf den Boden. Da war er fünf Jahre alt. Vater und Sohn überlebten. Heute ist Veaceslav 27, doch das traumatische Erlebnis aus dem Moldawienkrieg Anfang der 90er Jahre wirkt nach. Die Bedingungen zur Verarbeitung sind ungünstig. Über seinen Vater daheim macht sich Veaceslav Sorgen. Er werde in Moldawien bedroht. Der Sohn ist 1500 Kilometer entfernt in Berlin und weiß nicht, ob und wie es für ihn in Deutschland weitergeht.

Veaceslav ist einer von Hunderttausenden Flüchtlingen, die eine reguläre Ausbildung oder Arbeit in Deutschland anstreben - aber riesige Hürden zu überwinden haben. Veaceslav hat seinen Schnupperkurs im Maler- und Lackiererhandwerk unterbrochen, um seine Geschichte zu erzählen. Er hat volle, weiche Gesichtszüge und spricht so leise, dass man nah an ihn heranrücken muss, um ihn zu verstehen. Er ist der einzige Osteuropäer in dem Kurs in einer mehr als 100 Jahre alten ehemaligen Fabrik für Rohrpostanlagen nahe der Stadtautobahn. Die anderen jungen Männer kommen etwa aus Nigeria, Mali oder dem Libanon. Jeder hier hat eine Übungswand zum Bemalen. Ein Meister in weißem Kittel gibt freundlich, aber bestimmt Anweisungen.

Mit feinen Strichen hat Veaceslav eckige Umrisse gezeichnet, sie stehen für einzelne Länder. Deutschland sieht aus wie ein dickes, einladendes Schiff. Als nächstes kommen Farben dazu. „Es soll biergelb werden“, sagt Veaceslav. Was hat der junge Mann für Pläne? Seine Zeit in Deutschland ist bisher ein Leben auf Probe. Sein Asylantrag wurde in erster Instanz abgelehnt - aber er hofft, doch noch Asyl zu bekommen oder auf anderer Grundlage bleiben zu dürfen.

Deutsch hat Veaceslav schon in der Schule gelernt. Das ist - anders als bei vielen anderen Flüchtlingen - nicht das Problem. Das von der Handwerkskammer mitbetriebene Projekt zum Kennenlernen verschiedener Berufe hat ihn beeindruckt, auch ein Kurs für Maschinenbau. Betriebe gäbe es genug, die junge Flüchtlinge mit Fähigkeiten ausbilden möchten. Und Veaceslav möchte gern arbeiten - auch wegen der dunklen Schatten der Vergangenheit und seiner Sorgen um die Familie. „Wenn ich arbeite, denke ich darüber nicht nach“, sagt er. „Wenn ich darüber nachdenke, werde ich verrückt.“

Die Lage von Veaceslav ist so ungewiss wie bei vielen anderen. Die Bundesagentur für Arbeit erwartet in diesem Jahr 350 000 Flüchtlinge auf Jobsuche. Insgesamt rechnen die Behörden mit 450 000 Asylanträgen. Die Politik hat das Arbeitsverbot zwar von neun auf drei Monate verkürzt. Die Wirtschaft verlangt aber mehr Klarheit.

„Das Damoklesschwert einer eventuellen Abschiebung führt dazu, dass Unternehmen meist davor zurückschrecken, Flüchtlinge auszubilden oder zu beschäftigen“, sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer. Asylbewerber mit Bleibeperspektive und Geduldete in Ausbildung sollten auf jeden Fall auch abschließen dürfen. Das solle auch für eine anschließende Beschäftigung gelten, verlangt er. Jobperspektiven für Flüchtlinge sind eines der Hauptthemen eines Spitzentreffens der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel an diesem Donnerstag.

Kommentare (4)

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Herr Billyjo Zanker

16.06.2015, 11:25 Uhr

Die meisten sind reine Wirtschaftsflüchtlinge, die wenigsten sind Verfolgte in ihren Herkunftsländern um den Status eines Asylanten zu erfüllen, die auf ein besseres Leben hoffen in Europa
Warum beschweren sich diese, ungefragt gekommenen, auch noch dreist etwas zu verlangen, (Versorgung mit Lebensmittel, medizinischen Leistungen, Unterkunft und natürlich "BARES" auf die Hand usw.) oder den Staat, damit die Bevölkerung, zu erpressen?

Frau Margrit Steer

16.06.2015, 11:57 Uhr

Veaceslav kann zurük nach Moldawien zu seiem Vater. Denn dort ist kein Krieg mehr.
Liebes HB, was soll diese weinerliche Geschichte?

Herr Hans Mayer

16.06.2015, 12:12 Uhr

Hier versucht das HB wieder einmal wie die anderen Medien eine "Moralische Erpressung" sollte die nicht greifen kommt eben die Nazikeule. Wie Weltfremd muss man sein um zornig zu werden wenn man ungefragt hierher kommt und nicht Willkommen ist. Natürlich wird das erheblichen Frust verursachen, vor allen bei den Wirtschaftsreisenden aus Afrika da diese sich vom Temperament her bereits deutlich von uns unterscheiden.
Der Großteil der Europäischen Nationen will keine ungefragt Einreisende Bereicherung. Gemüseverkäufer , Hütchenspieler und Drogendealer haben wir genug.Mittlerweile auch genug Zitronenschüttler und Ziegenhirten.

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