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11.01.2017

14:39 Uhr

Flüchtlinge

Winterkälte offenbart Elend in Griechenland

Tausende Menschen mussten auf den griechischen Inseln tagelang bei Minusgraden ohne Strom und Wasser ausharren. Nun drohen mit der Schneeschmelze weitere Probleme. Hilfsorganisationen schlagen Alarm.

Flüchtlingskrise im Winter

Brennende Bahnschwellen gegen den Kältetod

Flüchtlingskrise im Winter: Brennende Bahnschwellen gegen den Kältetod

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AthenKalte Zelte, die unter einem halben Meter Schnee zusammenzubrechen drohen, gefrorener Boden, der tagsüber zu Matsch wird – in den vergangenen Tagen haben Bilder aus den Flüchtlingslagern der griechischen Inseln einmal mehr das Elend der Menschen dort ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Nun steigen die Temperaturen schlagartig, mit Schmelzwasser und starkem Regen drohen neue Probleme. Und der Winter ist in Griechenland noch längst nicht vorbei.

„Wie man die Menschen hier leben lässt, ist in höchstem Grade unverantwortlich und unmenschlich“, bringt Sophie de Vries die Situation im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos auf den Punkt. Die Medizinerin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet dort seit sechs Monaten. Ihr Alltag ist ein Kampf gegen Windmühlen. „Rund 2000 Menschen, darunter Kleinkinder, Schwangere, Traumatisierte leben hier in dünnen Nylonzelten ohne Wasser, Heizung und Strom. Sie haben keine Matratzen, sie schlafen auf dem Boden – und das in manchen Fällen seit acht, neun Monaten.“

Die Hotspots in Griechenland

Flüchtlinge in Griechenland

In Griechenland halten sich aktuell etwas mehr als 60.000 Flüchtlinge und Migranten auf. Doch nur fünf der rund 40 bestehenden Auffanglager zählen zu den so genannten Hotspots. Die Situation auf den Inseln zum Stand 20. September 2016 im Folgenden. (Quelle: dpa)

Lesbos

Kapazität: 3500

Flüchtlinge und Migranten: 5708

Chios

Kapazität: 1100

Flüchtlinge und Migranten: 3726

Samos

Kapazität: 850

Flüchtlinge und Migranten: 1513

Leros

Kapazität: 1000

Flüchtlinge und Migranten: 731

Kos

Kapazität: 1000

Flüchtlinge und Migranten: 1714

Im Winter kommen die Helfer mit der Versorgung überhaupt nicht mehr nach: „Die Flüchtlinge sind ständig nass. Wir verteilen trockene Kleider, aber wenn es regnet, geht alles wieder von vorne los, mehrfach pro Tag. Das ganze Lager ist ein einziges matschiges Loch. Wenn es besonders stark regnet, werden ganze Zelte weggespült.“ Die Menschen seien geflohen und versuchten nun, im Lager zu überleben. Wer nicht sowieso schon krank sei, werde krank: „Die Zustände bergen enorme Gesundheitsrisiken.“

Auch die Mediziner der Hilfsorganisation Ärzte der Welt sehen, wie die Schutzsuchenden unter den Folgen des Winters leiden. „Wir haben immer mehr Kinder und ältere Menschen mit Atemwegsinfektionen“, sagt Nikolaos Marinos, Koordinator der Organisation für Griechenland. „Für manche ist das lebensbedrohlich, weil die Kälte Asthmaanfälle oder schwere Lungenentzündungen mit Komplikationen hervorrufen kann.“ Allein die Zahl der Lungenentzündungen habe sich in den vergangenen beiden Monaten verdoppelt.

Es dauerte bei Minusgraden und Schneestürmen mehrere Tage, bis die griechische Regierung handelte: Am Mittwoch wurde ein Schiff der Kriegsmarine nach Lesbos geschickt, um vorübergehend 500 Menschen aufzunehmen. An Bord: Heizlüfter, warme Decken und anderes Material. „Wieso haben sie nicht einfach eine Fähre geschickt?“, fragt ein griechischer Helfer. „Ist denen nicht klar, dass wir hier viele traumatisierte Menschen haben, die lieber erfrieren würden, als auf ein Kriegsschiff zu steigen? Nicht zuletzt, weil sie Angst haben, dass man sie damit zurück in die Türkei bringt?“

EU-Behörde: Zahl der Migranten auf Mittelmeer stark gesunken

EU-Behörde

Zahl der Migranten auf Mittelmeer stark gesunken

Auch 2016 sind hunderttausende Menschen über das Mittelmeer geflüchtet, aber trotzdem zwei Drittel weniger als noch 2015. Das liegt vor allem an der geschlossenen Balkanroute und dem EU-Abkommen mit der Türkei.

Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, macht den Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei für das Elend verantwortlich. „Wegen dieses Deals sitzen jetzt mehr als 15.000 Menschen in den doppelt überbelegten EU-Hotspots auf den griechischen Inseln in der Kälte fest.“ Seine Kollegin Sophie de Vries erlebt, wie sehr die Flüchtlinge und Migranten unter der monatelangen Warterei leiden, vor allem auch psychisch. „Die Bearbeitung der Anträge geht nur sehr langsam voran. Die Menschen verlieren die Hoffnung, Frust und Aggression steigen.“

Nicht nur auf den Inseln, auch in anderen Flüchtlingslagern des Landes sind die Zustände schlecht. Was bislang für diese Menschen getan wurde, sei bei weitem nicht genug, sagt François de Keersmaeker, Direktor von Ärzte der Welt in Deutschland. „Griechenland ist mitten in einer Wirtschaftskrise. Wir können von diesem Land nicht erwarten, allein mit dem Problem fertig zu werden, während andere europäische Länder keine Flüchtlinge aufnehmen.“ Ursprünglich war zwischen den EU-Staaten vereinbart worden, Griechenland im vergangenen Jahr 30.000 Flüchtlinge abzunehmen. Tatsächlich reisten nur 5500 ab.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Herr Paul Kersey

11.01.2017, 15:13 Uhr

Die Nachricht passt uns heute aber gar nicht liebes HB. Heute wird doch unsere Elbphilharmonie eingeweiht, die uns nur knapp 800 Mio. EUR gekostet hat. Da stört diese Nachricht über das Flüchtlingselend in Griechenland aber sehr. Wie soll man denn da gebührlich feiern?????

Herr Holger Narrog

11.01.2017, 15:27 Uhr

Wünschenswert und im Sinne der Menschlichkeit wäre es grossartig wenn man diesen Einwanderern bei der Heimreise helfen würde. Das widerspricht leider dem Willen der Kanzlerin und der im Artikel erwähnten Genossen.

Realistisch ist vielmehr dass man die Umvolkung mit Rücksicht auf die dieses Jahr anstehende Bundestagswahl und das wählende Pack gedrosselt hat. Somit können diese potentiellen Einwanderer mit etwas politischem Willen sich gedulden und erst im kommenden Winter in die Deutsche Sozialhilfe einreisen.

Herr Paul Kersey

11.01.2017, 15:39 Uhr

@Narrog
ich kann gut nachvollziehen, wie Sie sich nachts schlaflos im Bett wälzen und mit Ihrem Schicksal hadern und sich fragen warum die Welt so ungerecht zu Ihnen ist und Sie nicht von Putin, Orban, Erdogan oder Trump regiert werden dürfen. Aber so isses halt. Die Welt ist nun mal nicht gerecht!

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