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17.11.2016

16:32 Uhr

Flüchtlings-Drama

340 Menschen sterben im Mittelmeer

Wieder lassen Hunderte Menschen ihr Leben bei der gefährlichen Überfahrt von Afrika nach Europa. Die Schlepper nehmen nach Behördenangaben auch auf das schlechte Wetter keine Rücksicht und zwingen die Menschen an Bord.

Mit Schlauchbooten wie diesem versuchen Flüchtlinge immer wieder das Mittelmeer zu überqueren. Dieses Bild ist eine undatierte Aufnahme. dpa

Flüchtlinge auf einem sinkenden Schlauchboot

Mit Schlauchbooten wie diesem versuchen Flüchtlinge immer wieder das Mittelmeer zu überqueren. Dieses Bild ist eine undatierte Aufnahme.

RomDie Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. Bei vier Bootsunglücken binnen zwei Tagen kamen nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen im Mittelmeer ums Leben. „Die Schlepper nehmen keine Rücksicht auf die schlechten Wetterbedingungen“, sagte der Sprecher der internationalen Migrationsbehörde IOM, Flavio Di Giacomo, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. „Überlebende haben uns berichtet, dass sie gezwungen wurden, in die Boote zu steigen, obwohl sie wegen des Wetters nicht wollten.“

Allein etwa 100 Menschen starben laut IOM und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bei einem Schiffsunglück in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Ärzte ohne Grenzen rettete 27 Menschen, insgesamt waren auf dem Boot 130 Menschen von Libyen aus nach Italien unterwegs. „Diese Tragödie ist einfach unerträglich“, schrieb die Organisation auf Twitter.

Am Mittwoch seien 15 Menschen nach Catania auf Sizilien gebracht worden, deren Boot am Dienstag verunglückt war, berichtete Di Giacomo. Insgesamt seien 150 Menschen an Bord gewesen, die übrigen 135 starben vermutlich. Ein weiteres Boot ging in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch unter. Eine private Hilfsorganisation habe 23 Menschen gerettet, 99 gelten als vermisst. Bei einem vierten Unglück wurden 114 Menschen gerettet, eine Leiche wurde geborgen, fünf Menschen werden vermisst.

Flüchtlingskrise: „Tödlichstes Jahr im Mittelmeer“

Flüchtlingskrise

„Tödlichstes Jahr im Mittelmeer“

Seit Jahresbeginn sind mehr als 300.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Dabei starben bislang 3211 der Geflüchteten. Laut Uno droht 2016 somit das tödlichste Jahr im Mittelmeer zu werden.

Die Bilanz im Vergleich zu 2015 ist dramatisch. Laut IOM bezahlten 2016 rund 1000 Menschen mehr als im Vorjahr die Flucht über das Mittelmeer mit ihrem Leben. Von insgesamt rund 4500 starben alleine 4000 auf der zentralen Route von Libyen oder Ägypten nach Italien, wie Di Giacomo berichtete.

Italien ist eines der Hauptankunftsländer für Flüchtlinge. Allein im Oktober erreichten 27 500 Menschen, so viele wie nie zuvor in einem Monat, die Küsten, wie die EU-Grenzschutzbehörde Frontex am Mittwoch mitgeteilt hatte. Im September waren es gerade mal halb so viele. Als Grund dafür nannte Frontex das bessere Wetter im Oktober, was Schlepper dazu bewegt habe, noch mehr Menschen auf die teils schrottreifen Boote zu treiben. Insgesamt kamen 2016 bislang 160 000 Migranten in Italien an, 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dabei scheint das Schicksal der Flüchtlinge den Menschen in Ländern wie Libyen zunehmend egal zu sein. „Die Menschen kümmert das Thema Migration nicht mehr so wie vorher, sie haben keine Lust mehr, sich mit dieser Krise auseinanderzusetzen“, sagte der Sprecher des libyschen Halbmondes Fausi Abdel Aal der Deutschen Presse-Agentur in Misrata. „Die Schlepper machen weiter und schicken Menschen raus aufs Meer.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Alessandro Grande

17.11.2016, 17:50 Uhr

Merke: Solange NATO-Boote quasi jeden bis dorthin noch nicht Ertrunkenen aufnehmen und ans erwünschte Ziel (italienisches Festland) bringen, wird es nicht nur weiter so gehen, sondern tendenziell schlimmer werden. Prinzipiell macht sich die NATO damit sogar zum (nicht bezahlten) Schlepper!
Richtig wäre, Boote per Satelit zu überwachen und sofort nach Start in Nordafrika zur RÜCKKEHR zu ZWINGEN. Oder eben - jedoch ethisch bedenklich - sich gar nicht um das Kentern von Booten zu kümmern, denn schließlich wissen die darauf befindlichen Erwachsenen um die Gefahr, zu ertrinken und sind letztendlich für ihr wertes Leben alleinig verantwortlich, nicht die Europäer!
Merkelreisen nach Afrika oder Milliardenhilfen der EU warden jedenfalls nicht im Geringsten helfen und Europa kann auch nicht 2 Milliarden Afrikaner aufnehmen, weil es hier gemütlicher ist und geregelter abgeht als daheim im Busch!

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