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12.08.2015

09:37 Uhr

Flüchtlingsboot in Seenot

Etwa 50 Vermisste vor libyscher Küste

Ein Schlauchboot mit etwa 100 Flüchtlingen an Bord ist vor der libyschen Küste in Seenot geraten. Die italienische Marine konnte etwa 50 Personen retten und nach Lampedusa bringen, die andere Hälfte wird noch vermisst.

Vor der Küste Libyens

Flüchtlinge in Seenot: Schlauchboot hat Luft verloren

Vor der Küste Libyens: Flüchtlinge in Seenot: Schlauchboot hat Luft verloren

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RomVor der libyschen Küste ist ein Boot mit etwa 100 Flüchtlingen in Seenot geraten. Medien berichteten am Mittwoch, etwa die Hälfte der Menschen sei von der italienischen Marine in Sicherheit gebracht worden. Der Rest werde noch vermisst.

Die Marine machte keine Angaben zur Zahl der Flüchtlinge an Bord. Sie teilte lediglich mit, es habe sich um ein Schlauchboot gehandelt, aus dem die Luft entwichen sei. Eine Sprecherin der Küstenwache erklärte, die Geretteten seien auf die italienische Insel Lampedusa gebracht worden.

Missionen im Mittelmeer

Mare Nostrum

Nachdem Ende 2013 vor der italienischen Insel Lampedusa mehr als 400 Flüchtlinge ertrunken waren, startete Italiens Marine die Seenotrettungsmission „Mare Nostrum“. Innerhalb eines Jahres wurden 170.000 Menschen gerettet und 351 Schleuser verhaftet – dennoch ertranken in dieser Zeit mindestens 3330 Flüchtlinge. „Mare Nostrum“ kostete den italienischen Staat pro Monat neun Millionen Euro. Der Einsatz wurde im Oktober 2014 aus Kostengründen gestoppt. Aus EU-Ländern gab es auch Kritik, Flüchtlinge würden dadurch zur Überfahrt ermutigt.

EU-Mission Triton

Die europäische Grenzagentur Frontex begann mit „Triton“ im November 2014 einen Einsatz, der „Mare Nostrum“ ablöste. Sie ist mit drei Millionen Euro monatlich ausgestattet. Die EU-Staaten stellen Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber ab. Der Fokus der Operation liegt jedoch auf der Sicherung der EU-Außengrenzen und nicht primär auf der Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen. Die Frontex-Schiffe patrouillieren deswegen nur bis 30 Seemeilen (55,6 Kilometer) vor der italienischen Küste – und nicht vor Libyen, wo die meisten Flüchtlinge ertrinken.

EU-Mission Poseidon Sea

Im östlichen Mittelmeer vor Griechenland übernimmt schon seit mehreren Jahren eine ähnliche Aufgabe die Frontex-Mission „Poseidon Sea“. Ziel ist es, „illegale Einwanderungsströme in Richtung der Mitgliedstaaten der EU zu kontrollieren und grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen“. Seit 2012 überwacht die Mission nicht mehr nur insbesondere die Seegrenze zur Türkei, sondern auch die Westküste Griechenlands, von wo aus Flüchtlinge in Schleuserbooten versuchen, nach Italien zu gelangen.

Operation Moas

Die maltesische Hilfsorganisation Moas (The Migrant Offshore Aid Station) wird von einem wohlhabenden US-italienischem Ehepaar finanziert, sie rettete allein vergangenen Sommer 3000 Flüchtlinge. Ausgestattet ist sie mit einem Schiff, zwei Drohnen und einer Besatzung von 18 Leuten, darunter Rettungskräfte, ein Arzt und Krankenpfleger. Ende 2014 ging Moas das Geld aus und die Organisation startete einen Spendenaufruf. Gemeinsam mit den Ärzten ohne Grenzen verkündete Moas Anfang des Monats, das Schiff werde nun mit 20 Besatzungsmitgliedern wieder auslaufen.

Seawatch

Die private Initiative Seawatch aus Brandenburg will mit einem früheren Fischkutter im Mittelmeer patrouillieren. Das am Sonntag gestartete Schiff will zunächst für drei Monate die von vielen Flüchtlingsbooten befahrenen internationalen Gewässer zwischen Libyen und Lampedusa abfahren. Der Kutter soll den Organisatoren zufolge nicht selbst Menschen an Bord nehmen, sondern per Satellitentelefon oder Funk Hilfe herbeiholen. Zudem ist er mit Rettungswesten, Lebensmitteln und Rettungsinseln ausgestattet, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Zu Beginn des Monats sind etwa 200 Flüchtlinge vor der libyschen Küste ertrunken, als ihr Boot kenterte. Mehr als 400 Menschen wurden gerettet. Allein in diesem Jahr sind bislang mehr als 2000 Flüchtlinge bei dem Versuch ertrunken, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Teito Klein

12.08.2015, 16:02 Uhr

Italienische Marine kapert vor Libyen Schlauchboot
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und entführt 50 "Touristen" nach Lampedusa.
Warum haben sie sie nicht nach Libyen zurückgebracht? Das wäre humaner gewesen.
Aber nicht nur die italienische Marine ist daran beteiligt, auch die deutsche Marine.

Herr Hans Mayer

12.08.2015, 16:26 Uhr

Ich verstehe immer noch nicht wieso keine Fährschiffe dorthin fahren, die Marine kommt doch nur wenn es bereits zu spät ist.
Ein "Holdienst" wäre angesagt, es sind immerhin Facharbeiter die unsere Wirtschaft und Asylindustrie dringend braucht.
Was unsere Gutmenschen sich da leisten ist ja Menschenverachtend, nur wer es schafft rüberzukommen hat alle Rechte als Flüchtling. Wer stirbt hat eben Pech gehabt, so ne Art Überlebensshow machen die Rot-Grün/innen und LInken daraus.
Laßt alle herkommen, 1,2 Milliarden gibt's in Afrika, alles Verfolgte und dann der ganze Balkan, alle her, dann ist in 4 Wochen Feierabend.

Herr Rene Weiß

12.08.2015, 16:36 Uhr

"Vor der libyschen Küste"
Der Weg zurück nach Libyen ist kürzer als der nach Italien. Wieso rettet man die Flüchtlinge nicht an die libysche Küste? Dann wäre man auch schneller beim nächsten Schlepper-Boot.

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