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05.03.2016

17:43 Uhr

Flüchtlingschaos in Idomeni

Griechenland hofft auf die EU – und die Türkei

Notstand in Griechenland: Täglich setzen 2000 Bootsflüchtlinge von der Türkei in die EU über. Das Land ächzt unter dem Stau, der sich vor der mazedonischen Grenze bildet. Hilfe kommt nun ausgerechnet von der Türkei.

Öffnet Mazedonien bald die Grenze? AFP; Files; Francois Guillot

Warten in Idomeni

Öffnet Mazedonien bald die Grenze?

Brüssel/AthenKälte, Hunger, Ungewissheit: Mehr als 10.000 Menschen stecken derzeit in der griechischen Grenzstadt Idomeni fest. Sie leben in Zelten, im Schlamm, von Helfern notdürftig mit Decken versorgt. Die meisten von ihnen hoffen darauf, dass das Nachbarland Mazedonien bald seine Grenze öffnet – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn ihr Ziel liegt nicht in Griechenland oder Mazedonien, sondern in Nord- und Westeuropa. Bis man sie dorthin weiterziehen lässt, harren sie aus – zumeist unter katastrophalen Bedingungen.

Der zuständige Gouverneur von Zentralmazedonien, einer Region in Griechenland, erklärte gegenüber dem Nachrichtensender Skai am Samstagmorgen schon, er wolle den Notstand ausrufen. Seine begründete Befürchtung: Der Nachschub könnte nicht abreißen.

Täglich landen neue Boote an den griechischen Inseln, im Schnitt mit 2000 Neuankömmlingen pro Tag. Der für die Migration zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos rechnet damit, dass bis Ende März mehr als 100.000 Migranten in Griechenland hängen bleiben könnten. Denn dass sich Europas Grenzen bald wieder öffnen, ist derzeit nicht abzusehen.

Avramopoulos kritisierte die Entscheidung einiger Staaten, im Alleingang ihre Grenzen zu schließen und damit die Balkanroute Richtung Mitteleuropa dicht zu machen. Dies fördere Fremdenfeindlichkeit und Populismus. „Wenn die Grenzen schließen, schließen meistens auch die Hirne“, sagte er am Samstag in Athen.

Flüchtlingspolitik: Der EU-Türkei-Aktionsplan

Vereinbarungen für weniger Flüchtlinge

Die Türkei soll der EU dabei helfen, dass weniger Flüchtlinge nach Westeuropa kommen. Das Land ist nämlich für viele Migranten ein wichtiges Transitland. Bereits im November wurden dafür die folgenden Punkte vereinbart.

Grenzschutz

Um die illegale Einreise von Flüchtlingen in die EU zu stoppen, soll die Türkei ihre Seegrenzen zu Griechenland besser sichern. Zudem soll das Land stärker gegen Schleuser vorgehen, die die Flüchtlinge über die Ägäis bringen.

Leben in der Türkei

Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Türkei sollen verbessert werden, damit diese gar nicht erst nach Europa weiterreisen. Dabei geht es etwa um eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildungschancen für Kinder. In einem ersten Schritt hat die Türkei bereits ein Arbeitsverbot für Flüchtlinge gekippt. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) leben in der Türkei mittlerweile allein 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge.

Geld

Für die Versorgung der Flüchtlinge haben die EU-Staaten der Türkei drei Milliarden Euro zugesagt.

Politische Zugeständnisse

Die EU hat der Türkei zugesagt, die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und einen möglichen EU-Beitritt zu beschleunigen. (Quelle: dpa)

Unterdessen wird die griechische Regierung an der Grenze zu Mazedonien aktiv, wo Tausende in einem improvisierten Zeltlager ausharren. Wie der griechische Krisenstab am Samstag mitteilte, werden ab sofort Ärzte und Sanitäter im Lager von Idomeni eingesetzt. Die mehrheitlich in kleinen Kuppelzelten lebenden Migranten müssen nach starken Regenfällen im Schlamm ausharren. Doch die Menschen in Idomeni bilden nur die Spitze des Eisbergs: Nach Angaben von griechischen Behörden befinden sich schon jetzt rund 33.000 Migranten im Land.

Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kommt jeder zweite von ihnen aus Syrien. Aus Afghanistan seien es 26 Prozent, aus dem Irak 17 Prozent, erklärte Vincent Cochetel, Europa-Direktor des UNHCR, am Freitag in Brüssel.

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