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14.08.2015

19:24 Uhr

Flüchtlingsdrama auf Kos

Nur weg

VonGerd Höhler

Die griechische Ferieninsel Kos gleicht einem Flüchtlingslager. Wer hier ankommt, ist erst mal sicher; doch bleiben will niemand. Auch Burhan aus Syrien hat ein anders Ziel. Ein Besuch auf der Insel.

Vor dem Stadion in Kos warten die Flüchtlinge darauf, registriert und an ihren Zielort weitergeleitet zu werden. Gerd Höhler

Lange Schlange

Vor dem Stadion in Kos warten die Flüchtlinge darauf, registriert und an ihren Zielort weitergeleitet zu werden.

KosBurhan wartet seit dem Morgengrauen. Er wollte einer der ersten sein. „Aber viele andere waren vor mir da“, sagt Burhan enttäuscht, „sie haben die ganze Nacht hier verbracht.“ Inzwischen ist es halb elf, und die Menge der Wartenden vor dem Eingang des Stadions in Kos, der Hauptstadt der gleichnamigen griechischen Ägäisinsel, wird immer größer. Burhan kommt aus Aleppo in Syrien. Vor drei Monaten starb sein Bruder im Bürgerkrieg. „Das war der Wendepunkt für mich“, sagt der junge Mann. Er floh in die Türkei, schlug sich nach Istanbul durch, von dort nach Bodrum an der Ägäisküste. Mit sechs weiteren syrischen Flüchtlingen kaufte er von einem Schleuser für 15.000 Dollar ein altes Schlauchboot mit einem kleinen Außenbordmotor. In einer windstillen Nacht fuhren sie von der türkischen Küste zur vier Kilometer entfernten griechischen Insel Kos.

Jetzt ist er hier – einer von Tausenden. Die Sonne brennt. Am Straßenrand wäscht ein Vater seinen kleinen Sohn mit einem Gartenschlauch. Dann hält der Junge dem Vater den Schlauch über den Kopf. „Ich habe mich seit zwei Wochen nicht richtig waschen können“, sagt Burhan. Niemand weiß, wann sich das rostige Eisentor zum Stadion für die Wartenden öffnen wird. Aber Millionen Menschen wissen inzwischen, wie es dahinter aussieht. Die Aufnahmen gingen um die Welt. Es sind Bilder der Schande: Rund 2.000 Flüchtlinge, eingepfercht auf einem staubigen Fußballplatz. Sie warten darauf, von der Fremdenpolizei registriert zu werden. Erst dann bekommen sie das begehrte Stück Papier, das es ihnen ermöglicht an Bord der Fähre zu gehen, die allabendlich von Kos ablegt und nach Piräus fährt.

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Manche warten seit drei Wochen auf diesen Zettel. Aber die Polizei in Kos hat nur zwei elektronische Geräte zur Abnahme von Fingerabdrücken. Entsprechend schleppend läuft die Registrierung. Die meisten Flüchtlinge sind am Ende ihrer Kräfte. Sie hungern, sind dehydriert, haben keine frische Kleidung. Viele sind krank. Diese Woche entluden sich die Spannungen. Um gegen die schleppende Registrierung zu protestieren und ihre Weiterreise durchzusetzen, blockierten am Dienstag mehr als 4.000 Flüchtlinge, die seit Tagen vor der Polizeistation der Inselhauptstadt im Freien campieren, die Küstenpromenade. „We want to leave“, wir wollen weg, stand auf den mit Filzstift beschrifteten Pappdeckeln, die sie in die Höhe hielten.

Nach den Protesten sperrte die Polizei etwa 2.000 Menschen in das Stadion. Dort gibt es keinen Schatten, keine Sitzgelegenheiten, kein Trinkwasser, nichts zu essen. Immer wieder fielen Menschen in der Gluthitze in Ohnmacht. Die Polizei sah tatenlos zu, wie andere Flüchtlinge die Hitzeopfer aus dem Stadion trugen. Wer konnte, kletterte über den Zaun des Sportplatzes, um außerhalb auf die Suche nach Nahrungsmitteln und Trinkwasser zu gehen. Es kam zu Schlägereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten. Auch Polizisten wurden angegriffen. Sie trieben die Flüchtlinge mit Schlagstöcken und Feuerlöschern auseinander.

Kommentare (5)

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Frau Annette Bollmohr

14.08.2015, 19:47 Uhr

Uns geht's ganz gut, Leute. (Hier in der EU, meine ich).

Oder, besser gesagt: Es könnte uns gut gehen.

Man muss sich das nur klar machen.

Leider kommen viel zu viele gar nicht darauf.

Weil sie die falschen Prioritäten setzen.

Und deshalb, statt ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, sich mehr oder weniger zur Geisel der Erwartungen (oder gar Forderungen) "anderer" machen (lassen).

UND weil sie sich von denen zu viel dummes Zeug erzählen lassen.

Herr Holger Narrog

14.08.2015, 19:53 Uhr

Nun für einen Syrer würde sich, sofern es die freigiebigen Politiker in D nicht gäbe, anbieten in den Libanon, oder nach Ägypten zu gehen. Die Kultur ist sehr ähnlich, eine Integration einfach, allerdings sind die Einkommen in Ägypten nicht sehr attraktiv.

Eine Flucht nach Kos (Gr) ist angesichts des recht bescheidenen Sozialsystems in Gr auch nicht gerade attraktiv. Es werden vermutlich kaum die Kosten der "Flucht" gedeckt.

So freuen sich die Menschen in vielen Ländern mit politischen Problemen und niedrigen Einkommen auf die linken, destruktiven Politiker und Schlechtmenschen in Mitteleuropa die sich zum Ziel gesetzt haben möglichst viele Menschen aus fremden Kulturen in die hiesige Sozialhilfe zu integrieren.

Leider habe ich noch nirgends eine Begründung gelesen warum man alle Mitmenschen aus fremden Kulturen in die hiesige Sozialhilfe integrieren möchte. Vielleicht könnte einer der HB Journalisten diesbezüglich dienlich sein.

Account gelöscht!

14.08.2015, 20:00 Uhr

Leute ... kommt nach D! 359€ Handgeld pro Monat. Essen u. Trinken soviel ihr wollt. Ein Dach über dem Kopf. D ist ein Paradies ... sagt das euren Leuten in der Heimat. Die 12 Millionen deutschen Hartzer u. Niedriglöhner nicht erwähnen. Die 3.800 Tafeln dto..

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