Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2015

14:12 Uhr

Flüchtlingsdrama in Griechenland

Deutsches Rotes Kreuz hilft Flüchtlingen auf Lesbos

Griechenland ist durch die steigende Flüchtlingszahlen überfordert, die Situation auf vielen Inseln wird als „katastrophal“ beschrieben. Jetzt hilft das Deutsche Rote Kreuz und kündigt „umfangreiche Hilfe“ an.

Dieser Flüchtling lebt in einem improvisierten Zelt auf dem Dach eines verlassenen Hotels auf der griechischen Insel Kos. dpa

Flüchtling auf Kos

Dieser Flüchtling lebt in einem improvisierten Zelt auf dem Dach eines verlassenen Hotels auf der griechischen Insel Kos.

Genf/Athen/BerlinDas schwer unter der Schuldenkrise leidende Griechenland ist nach UN-Einschätzung durch immer weiter steigende Flüchtlingszahlen überfordert und braucht dringend Unterstützung. Seit Jahresbeginn seien rund 160 000 Migranten nach Griechenland gekommen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mit.

Das Deutsche Rote Kreuz reagierte auf die Notlage und kündigte umfangreiche Hilfe zur Versorgung von Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos an.

Allein im Juli seien es rund 50 000 Menschen gewesen – etwa 7000 mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Wie sehr sich die Lage zuspitzt, macht laut UNHCR die jüngste Zahl zum Flüchtlingsdrama in Griechenland deutlich: An den sieben Tagen vom 8. bis 14. August erreichten 20 843 Flüchtlinge das Land – so viele wie 2014 in sechs Monaten.

„Wir warnen seit Monaten, dass die Flüchtlingskrise in Griechenland immer schlimmer wird“, sagte UNHCR-Sprecher William Spindler. „Die Infrastruktur für Aufnahme, Betreuung und Registrierung auf den griechischen Inseln und auf dem Festland muss dringend gestärkt werden.“

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Die UN-Organisation rät der Regierung in Athen, ein Sondergremium zu schaffen, das alle Aktivitäten zur Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge koordiniert. „Europäische Staaten sollten Griechenland dabei unterstützen“, fordert das UNHCR. Die meisten der in den vergangenen Wochen nach Griechenland geflohenen Menschen kamen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Fast alle erreichten Griechenland auf dem gefährlichen Seeweg über das Mittelmeer.

Auch am Dienstag riss der Zustrom nicht ab. Hunderte Migranten seien vor und auf den Inseln Kos, Lesbos, Samos, Leros, Kalymnos und Chios aufgegriffen worden, teilte die griechische Küstenwache mit. Die Menschen stammten überwiegend aus Syrien. Die meisten wollten nach Deutschland weiterreisen, wie sie Reportern auf den Inseln sagten. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×