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20.05.2015

08:22 Uhr

Flüchtlingsdrama in Südostasien

Myanmar lenkt offenbar ein

Kein Essen, kein Ziel, keine Hoffnung: In Südostasien müssen Flüchtlinge auf hoher See ausharren, weil sie niemand aufnehmen will. Nun haben Fischer Hunderte von ihnen gerettet. Behörden zeigen erste Initiative.

Zum Teil seit mehreren Wochen treiben die Flüchtlinge auf dem Meer, weil kein Land ihnen Zuflucht gewährt. dpa

Monatelange Irrfahrt

Zum Teil seit mehreren Wochen treiben die Flüchtlinge auf dem Meer, weil kein Land ihnen Zuflucht gewährt.

Rangun, Simpang TigaNach internationalem Druck angesichts der Flüchtlingskrise in Südostasien lenkt Myanmar offenbar ein: Das Land, aus dem tausende Bootsflüchtlinge kommen, erklärte sich am Mittwoch erstmals zu humanitärer Hilfe für die in Not geratenen Menschen bereit, wie aus einer von Staatsmedien verbreiteten Erklärung des Außenministeriums hervorging. Derweil wurden vor Indonesiens Küste mehr als 400 Flüchtlinge gerettet, die aus Myanmar stammen sollen.

Myanmars Außenministerium erklärte den Medienberichten zufolge, die Regierung teile die Sorgen der internationalen Gemeinschaft über die Flüchtlingskrise. Sie sei „bereit zu humanitärer Hilfe für jeden, der auf hoher See leidet“.

Bislang hatte sich das arme südostasiatische Land in der Krise für nicht zuständig erklärt. Viele der Bootsflüchtlinge vor Südostasiens Küsten gehören der Minderheit der Rohingya an und sind aus Myanmar geflohen. Als muslimische Minderheit sind sie in dem mehrheitlich buddhistischen Land systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Die Regierung bezeichnet die Rohingya aber als illegale Migranten aus dem benachbarten Bangladesch und lehnte bislang jede Verantwortung für die Volksgruppe ab. Auch aus Bangladesch selbst fliehen immer mehr Menschen vor bitterer Armut.

Südostasien: Tausende Flüchtlinge treiben hilflos im Meer

Südostasien

Tausende Flüchtlinge treiben hilflos im Meer

Rund 8000 Menschen treiben offenbar in teils nicht seetüchtigen Booten in Südostasien auf dem offenen Meer. Die Flüchtlinge sehen aus „wie Skelette“, berichtet eine Hilfsorganisation. Eine Rettung ist nicht in Sicht.

Vor der Küste der indonesischen Provinz Aceh wurden am Mittwochmorgen nach monatelanger Irrfahrt insgesamt 426 Flüchtlinge gerettet, wie örtliche Behördenvertreter mitteilten. Die Menschen sollen demnach aus Myanmar stammen. Die Geretteten seien sehr geschwächt. „Viele sind krank, sie haben mir gesagt, dass viele ihrer Freunde verhungert sind“, sagte der indonesische Fischer Teuku Nyak Idrus, der sich an der Rettungsaktion beteiligt hatte.

Es blieb zunächst offen, ob alle Geretteten auf einem Boot unterwegs gewesen waren oder auf mehreren. In einem ersten Schwung kamen 102 Menschen im Dorf Simpang Tiga an Land, darunter 26 Frauen und 31 Kinder. Die Menschen seien dehydriert, schwach und hungrig gewesen, sagte Sulaiman. Die übrigen geretten Flüchtlinge wurden dann am Mittwoch morgen an Land gebracht.

Einer von ihnen, Ubaydul Haque, sagte, der Motor ihres Schiffs sei ausgefallen und der Kapitän geflüchtet. „Uns gingen die Lebensmittel aus, wir wollten dann nach Malaysia, doch wir wurden nicht reingelassen.“ Vier Monate hätten sie auf See getrieben, ehe Fischer aus Indonesien sie gefunden und ans Ufer gebracht hätten, sagte Haque weiter.

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