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14.03.2016

15:43 Uhr

Flüchtlingsinsel Lesbos

„Stärker als so manche große EU-Nation“

Trotz des Nato-Einsatzes in der Ägäis erreichen weiterhin Tausende Flüchtlinge die Insel Lesbos. Dort herrscht längst bedrückende Routine. Egal, was im fernen Brüssel diskutiert wird: Den Menschen muss geholfen werden.

Flüchtlinge gehen begleitet von der Hafenpolizei in Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos zu der Fähre nach Piräus. dpa

Flüchtlinge auf der Insel Lesbos

Flüchtlinge gehen begleitet von der Hafenpolizei in Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos zu der Fähre nach Piräus.

Athen/LesbosDie schlimmste Zeit erlebte Lesbos im vergangenen Oktober. Damals säumten so viele orangefarbene Rettungswesten das Nordufer der Ägäisinsel, dass die Küste bereits beim Anflug auf die Inselhauptstadt Mytilini grell umrissen leuchtete. Zu Höchstzeiten setzten täglich mehrere tausend Flüchtlinge über.

Ungezählt sind jene, die in der nur wenige Kilometer schmalen Meerenge zur Türkei ihr Leben ließen. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile zurückgegangen; für die Flüchtlinge jedoch hat die Reise nichts von ihrem Schrecken eingebüßt.

Flüchtlingspolitik: Der EU-Türkei-Aktionsplan

Vereinbarungen für weniger Flüchtlinge

Die Türkei soll der EU dabei helfen, dass weniger Flüchtlinge nach Westeuropa kommen. Das Land ist nämlich für viele Migranten ein wichtiges Transitland. Bereits im November wurden dafür die folgenden Punkte vereinbart.

Grenzschutz

Um die illegale Einreise von Flüchtlingen in die EU zu stoppen, soll die Türkei ihre Seegrenzen zu Griechenland besser sichern. Zudem soll das Land stärker gegen Schleuser vorgehen, die die Flüchtlinge über die Ägäis bringen.

Leben in der Türkei

Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Türkei sollen verbessert werden, damit diese gar nicht erst nach Europa weiterreisen. Dabei geht es etwa um eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildungschancen für Kinder. In einem ersten Schritt hat die Türkei bereits ein Arbeitsverbot für Flüchtlinge gekippt. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) leben in der Türkei mittlerweile allein 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge.

Geld

Für die Versorgung der Flüchtlinge haben die EU-Staaten der Türkei drei Milliarden Euro zugesagt.

Politische Zugeständnisse

Die EU hat der Türkei zugesagt, die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und einen möglichen EU-Beitritt zu beschleunigen. (Quelle: dpa)

Zielstrebig stampft die „Minden“ am frühen Donnerstagmorgen durch Wind und Wellen. Die Besatzung des deutschen Seenotrettungskreuzers hat vor der Ostküste von Lesbos durch die Feldstecher ein Schlauchboot entdeckt. Kurze Zeit später werden 35 durchnässte Menschen an Bord geholt.

1000 Euro hätten sie pro Person für die Überfahrt gezahlt, berichten sie – ein günstiger Preis wegen des schlechten Wetters. Zuvor waren sie 21 Tage lang unterwegs, die Türkei haben sie zum Großteil zu Fuß durchquert, um Geld für die Schleuser zu sparen.

Immerhin kommen diese Menschen heil auf Lesbos an. Viele andere vor ihnen konnten nur tot aus dem Meer geborgen werden. Davon zeugt der überfüllte Friedhof von Mytilini, der mittlerweile für Fotografen geschlossen ist. „Unbekannt“, steht auf kleinen Tafeln, die dort aus frischen Erdhügeln ragen, oder auch „Baby, drei Monate alt“. Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern wurden so beerdigt, dass ihre Gräber Richtung Mekka zeigen.

Welche Länder in den Fokus rücken: Die neuen Routen der Flüchtlinge nach Europa

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Premium Die neuen Routen der Flüchtlinge nach Europa

Die Schließung der Grenzen lässt den Flüchtlingsstrom nicht versiegen. Stattdessen rücken alternative Wege nach Mitteleuropa in den Fokus der Menschen. Vor allem Italien macht sich bereit.

Die Zahl der Todesopfer in der östlichen Ägäis hat in den vergangenen Wochen abgenommen, weil immer mehr Hilfsorganisationen vor Ort sind. Neben der griechischen Küstenwache, der griechischen Marine und der „Minden“ kreuzen Boote der Organisationen Greenpeace und Ärzte ohne Grenzen entlang der griechisch-türkischen Grenze. Und manche Schlauchboote schaffen es ja auch alleine bis zur Insel.

Dann aber wollen die Menschen nur eines: Richtung Norden. „Nach Deutschland!“, sagen zwei Afghanen, die am Hafen von Mytilini auf die Fähre warten. Auf den Einwand, die Balkanroute sei geschlossen, antworten sie: „Inschallah (so Gott will), alles ist möglich.“

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