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09.04.2015

13:44 Uhr

Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer

Reeder und Verbände fordern bessere Flüchtlingshilfe

Die Flüchtlingswelle aus Afrika ist eine der größten Herausforderungen für die EU. Viele Menschen in Not werden auf dem Mittelmeer von Handelsschiffen aufgenommen. Die Unternehmen wollen die Aufgabe nicht mehr schultern.

Sie versuchen unter teilweise unmenschlichen Bedingungen nach Europa zu kommen und müssen nicht selten von Marine- oder Handelsschiffen aufgenommen werden: Afrikanische Flüchtlinge. dpa

Rettungsaktion des ausgelaufenen Programms Mare Nostrum im Mittelmeer

Sie versuchen unter teilweise unmenschlichen Bedingungen nach Europa zu kommen und müssen nicht selten von Marine- oder Handelsschiffen aufgenommen werden: Afrikanische Flüchtlinge.

BrüsselReeder und Seemannsgewerkschaften haben an die Mitgliedsländer der EU appelliert, die humanitäre Krise der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zu lösen. Ohne zusätzliche Mittel für Rettungsaktionen sei der Verlust von tausenden Leben zu befürchten, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben der europäischen und der Weltverbände von Reedern und Gewerkschaften an die 28 EU-Regierungen. Die Staaten müssten die finanzielle Last teilen.

Im vergangenen Jahr hätten Handelsschiffe im Mittelmeer rund 40.000 Menschen gerettet, zum Teil 500 bei einer einzigen Aktion, heißt es in einer Mitteilung, die am Donnerstag in Brüssel und London verbreitet wurde. „Die Schifffahrtsindustrie akzeptiert ihre gesetzliche Verpflichtung, jeden aus Seenot zu retten“, heißt es darin.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

„Aber es ist nicht akzeptabel, dass sich die internationale Gemeinschaft zunehmend darauf verlässt, dass Handelsschiffe mehr und mehr Rettungsaktionen von großem Umfang unternehmen.“ Wenn ein einziges Schiff 500 Flüchtlinge aufnehme, dann entstünden daraus ernsthafte Risiken für Gesundheit und Sicherheit der Seeleute, die auf solche Situationen nicht vorbereitet seien.

Die Marinen und Küstenwachen der EU-Mittelmeeranrainer hätten eindrucksvolle Anstrengungen unternommen, um auf die Situation zu reagieren. Dennoch drohe die Lage außer Kontrolle zu geraten, wenn die EU-Staaten nicht zusätzliche Mittel für Rettungsaktionen bereitstellten. Das Thema gehöre dringend auf die Tagesordnung des Europäischen Rates und der EU-Minister. Im vergangenen Jahr starben rund 3500 Menschen bei dem Versuch, mit nicht seetüchtigen Schiffen Europa zu erreichen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

09.04.2015, 16:00 Uhr

„Die Schifffahrtsindustrie akzeptiert ihre gesetzliche Verpflichtung, jeden aus Seenot zu retten“Mal ein sinnvolles Gesetz. So weit, so gut.„Aber es ist nicht akzeptabel, dass sich die internationale Gemeinschaft zunehmend darauf verlässt, dass Handelsschiffe mehr und mehr Rettungsaktionen von großem Umfang unternehmen.“

Manchmal frag‘ ich mich wirklich, wozu wir das Gros unserer Politiker samt des ganzen sklerotischen Politikbetriebs überhaupt brauchen.
Läuft doch überall meist TROTZ denen, nicht WEGEN.

Wenn ein Großteil der Politikerkaste schon die meiste Zeit mit Streiten und Sich-gegenseitig-Papier-zuschieben totschlägt - und ganz nebenbei auch noch zynisch die unterschiedlichsten Menschen gegeneinander ausspielt, um sie als Manövriermasse für eigene Zwecke instrumentalisieren zu können (um bei „ihrer“ Wählerschaft zu punkten, sprich: Macht und Pfründe zu „sichern“) - sollen sie die Anstrengungen anderer bitteschön nicht auch noch behindern.

Oder am besten gleich ganz verschwinden, und die Bevölkerung in Ruhe selber machen lassen.

Frau Annette Bollmohr

10.04.2015, 14:26 Uhr

„Die Schifffahrtsindustrie akzeptiert ihre gesetzliche Verpflichtung, jeden aus Seenot zu retten“

Mal ein sinnvolles Gesetz. So weit, so gut.

„Aber es ist nicht akzeptabel, dass sich die internationale Gemeinschaft zunehmend darauf verlässt, dass Handelsschiffe mehr und mehr Rettungsaktionen von großem Umfang unternehmen.“

Manchmal frag‘ ich mich wirklich, wozu wir das Gros unserer Politiker samt des ganzen sklerotischen Politikbetriebs überhaupt brauchen.
Läuft doch überall meist TROTZ denen, nicht WEGEN.

Wenn ein Großteil der Politikerkaste schon die meiste Zeit mit Streiten und Sich-gegenseitig-Papier-zuschieben totschlägt - und ganz nebenbei auch noch zynisch die unterschiedlichsten Menschen gegeneinander ausspielt, um sie als Manövriermasse für eigene Zwecke instrumentalisieren zu können (um bei „ihrer“ Wählerschaft zu punkten, sprich: Macht und Pfründe zu „sichern“) - sollen sie die Anstrengungen anderer bitteschön nicht auch noch behindern.

Oder am besten gleich ganz verschwinden, und die Bevölkerung in Ruhe selber machen lassen.

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