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11.01.2016

19:56 Uhr

Flüchtlingskrise

16.000 Menschen harren an Grenze zu Jordanien aus

Weil Jordanien die Einreisekontrollen verschärft hat, harren rund 16.000 Flüchtlinge an der syrisch-jordanischen Grenze aus. Nur 50 bis 100 Menschen dürfen pro Tag ins Land einreisen.

Jordanien hat seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen. Das entspricht einem Fünftel der jordanischen Bevölkerung. obs

Syrische Flüchtlinge in Jordanien

Jordanien hat seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen. Das entspricht einem Fünftel der jordanischen Bevölkerung.

AmmanWegen verschärfter Einreisekontrollen Jordaniens stauen sich immer mehr der Flüchtlinge an der syrischen Grenze. Mittlerweile warteten in der Wüstenregion bereits 16.000 Menschen darauf, nach Jordanien einreisen zu können, sagte Regierungssprecher Mohammed Momani am Montag. Vor einer Woche seien es noch 12.000 gewesen.

Jordanien hat seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien nach eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen. Das entspricht einem Fünftel der jordanischen Bevölkerung. Teilweise seien bis zu 5000 Flüchtlinge am Tag angekommen, sagte Momani. „Das ging vor allem auf Kosten Jordaniens.“

Mittlerweile würden nur noch 50 bis 100 pro Tag ins Land gelassen, vor allem Frauen, Kinder, Alte und Kranke. „Sicherheit ist die oberste Priorität“, sagte der Sprecher.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Einige der Syrer sind bereits seit Wochen oder gar Monaten in der Grenzregion. Hilfsorganisationen kritisieren, dass ihre Lage immer verzweifelter werde. Human Rights Watch hatte im Dezember erklärt, dort säßen mindestens 20.000 Menschen fest. Das UN-Flüchtlingshilfswerk rief Jordanien auf, sie ins Land zu lassen.

Momani sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die Flüchtlinge Zelte, Öfen, Essen und Medikamente erhalten hätten. Mit Hilfe internationaler Organisationen seien dort auch Kliniken eingerichtet worden.

Von

ap

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