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03.06.2016

14:07 Uhr

Flüchtlingskrise

Bootsunglücke fordern mehr als 100 Menschenleben

Erneut geraten Flüchtlinge im Mittelmeer in Seenot: Vor der griechischen Insel Kreta kentert ein überfülltes Flüchtlingsboot mit 700 Migranten. Auch vor der libyschen Küste gibt es ein Schiffsunglück – mit vielen Toten.

Schon wieder ist ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert. (Foto: Archiv) dpa

Flüchtlinge im Mittelmeer

Schon wieder ist ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert. (Foto: Archiv)

AthenVor der griechischen Insel Kreta ist ein Flüchtlingsboot in Seenot geraten. Mehrere hundert Menschen hätten am Freitagmorgen bisher gerettet werden können, teilte die griechische Küstenwache mit. Es wird vermutet, dass es viele Toten geben wird. Auf dem Flüchtlingsboot waren offenbar mindestens 700 Menschen. Das Schiff wurde am Freitag etwa 75 Seemeilen südlich von Kreta in internationalen Gewässern geortet.

Vier Schiffe, die sich in der Nähe befanden, halfen bei der Rettungsaktion. Zudem waren den Angaben zufolge zwei Boote der griechischen Küstenwache und zwei Helikopter auf dem Weg zum Unglücksort. Weitere Angaben gab es zunächst nicht.

Bei einem weitern Schiffsunglück im Mittelmeer sind mehr als 100 Flüchtlinge ums Leben gekommen. 104 Leichen seien vor der libyschen Küste nahe der Stadt Swara geborgen worden, sagte ein Sprecher der libyschen Marine am Freitag. Das leere Schiff sei am Donnerstag gefunden worden und könnte möglicherweise bereits am Mittwoch gesunken sein.

Sichere Herkunftsstaaten – Fragen und Antworten

Was sind sichere Herkunfsstaaten?

Migranten haben in Deutschland kein Recht auf Asyl, wenn sie aus einem sogenannten sicheren Herkunftsstaat kommen. Nach Artikel 16a des Grundgesetzes sind das Länder, bei denen „gewährleistet erscheint, dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet“.

Nachweis

Kann ein Flüchtling nicht begründen, dass ihm „abweichend von der allgemeinen Lage im Herkunftsstaat politische Verfolgung droht“, ist sein Antrag laut Asylverfahrensgesetz Paragraf 29a „als offensichtlich unbegründet abzulehnen“.

Kriterien

Kann ein Flüchtling nicht begründen, dass ihm „abweichend von der allgemeinen Lage im Herkunftsstaat politische Verfolgung droht“, ist sein Antrag laut Asylverfahrensgesetz Paragraf 29a „als offensichtlich unbegründet abzulehnen“.

Regelung in Deutschland

In Deutschland gelten als sichere Herkunftsländer derzeit neben den EU-Mitgliedsstaaten auch Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, das Kosovo, Mazedonien, Montenegro, der Senegal und Serbien. Die nordafrikanischen Länder Marokko, Algerien und Tunesien sollen nach dem Willen der Bundesregierung nun hinzukommen.

Vor Kreta gehen Offiziere der Küstenwache gingen davon aus, dass das Flüchtlingsboot aus Ägypten unterwegs nach Italien war. Die kurze, aber gefährliche Überfahrt von der türkischen Küste Richtung griechischer Inseln in der Ostägäis war die bisher bevorzugte Route für Flüchtlinge und Migranten, um weiter nach Westeuropa zu gelangen. Seit Schließung der Balkanroute im März versuchen Menschen nun wieder verstärkt, von der nordafrikanischen Küste Richtung Europa überzusetzen.

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr hunderte Menschen ums Leben.

Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute versuchten zuletzt aber weniger Flüchtlinge, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen.

Syrien – Land im Bürgerkrieg

Name

Arabische Republik Syrien

Hauptstadt

Damaskus

Bevölkerung bis zum Krieg

ca. 22 Millionen (2011)

Flüchtlinge

Über 11 Millionen Syrer sind im Land und außerhalb des Landes auf der Flucht (Uno-Angaben)

Kriegstote

bis zu 400.000 (Uno-Angaben 2016)

Armut

13,5 Millionen Syrer brauchen nach Uno-Schätzungen humanitäre Hilfe

Sprache

Arabisch

Staatsoberhaupt

seit 2000 Präsident Baschar al-Assad; davor sein Vater Hafis al-Assad (von 1971 bis 2000)

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmaßliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten. Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei in See gestochen.

Die Küstenwache äußerte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen.

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