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30.09.2015

15:38 Uhr

Flüchtlingskrise, die nächste

Afghanistan wird das neue Syrien

VonPierre Heumann

„Bad Kundus“ gibt es schon lange nicht mehr. Die Bundeswehr hat die afghanische Stadt längst verlassen – jetzt rücken die Terrororganisation IS und die Taliban vor. Nun droht die nächste Flüchtlingswelle.

Kundus ist gefallen. Doch vor den Toren der Stadt sind die afghanischen Soldaten und Polizisten auf alles vorbereitet. Reuters

Kundus

Kundus ist gefallen. Doch vor den Toren der Stadt sind die afghanischen Soldaten und Polizisten auf alles vorbereitet.

Tel AvivIn Afghanistan droht eine Wiederholung des irakischen und syrischen Dramas. Die Armee ist selbst mit Hilfe von Außen zu schwach, um die Islamisten zurückzudrängen. Mit der Ausdünnung westlicher Hilfe entsteht ein Vakuum, in das Islamisten vorstoßen. Der Erfolg der Taliban in der strategisch wichtigen Stadt Kundus ist ein Warnzeichen dafür, dass Afghanistan für den Kampf gegen den Taliban zu schwach ist.

Gleichzeitig wird in Kabul registriert, dass auch Ableger des Islamischen Staates auf der afghanischen Kampfbühne an Stärke zulegen. Bereits soll er laut einem Bericht der Uno in 25 der 34 Provinzen Afghanistans aktiv sein; zudem würden mehrere Dutzend IS-Berater Dschihadisten unterstützen, die sich von den Taliban getrennt haben.

Für Präsident Ashraf Ghani ist das Vorrücken des Taliban ein empfindlicher Rückschlag. dpa

Ashraf Ghani

Für Präsident Ashraf Ghani ist das Vorrücken des Taliban ein empfindlicher Rückschlag.

Die Konsequenzen für die Bürger sind verheerend: Es droht ein Drei-Fronten-Krieg. 80 Prozent des Landes werden von afghanischen Regierungskreisen derzeit als unsicher bezeichnet. Immer mehr Afghanen schließen sich dem Flüchtlingsstrom an. Derzeit sollen pro Monat 100.000 Afghanen ihre Heimat verlassen. In diesem Jahr seien bisher rund 70.000 Afghanen in Europa angekommen, sagte der Chef der Afghanistan-Mission der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Richard Danziger, der „Welt am Sonntag“.

Kundus ist zwar der bisher spektakulärste Erfolg des Taliban in Afghanistan. Doch das Vorrücken der Islamisten kann seit Monaten beobachtet werden. Die Taliban und andere Dschihadisten-Gruppen haben den Sommer hindurch teils mit spektakulären Angriffe auf größere Bevölkerungszentren und US-Stützpunkte gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Der jüngste Erfolg des Taliban verschiebt nicht nur das militärische, sondern auch das politische Gleichgewicht. Für Präsident Ashraf Ghani, der seit genau einem Jahr im Amt ist, ist das Vorrücken des Taliban ein empfindlicher Rückschlag. Sein kürzlich gewählter Widersacher, Taliban-Anführer Mullah Achtar Mansour, kann den Erfolg hingegen zur Festigung seiner Machtposition innerhalb des Taliban benützen. Die Ernennung Mansours, der erst im Juli zum Nachfolger von Mullah Omar ernannt worden ist, war umstritten. Omars Anhänger hatten sich für einen seiner Söhne stark gemacht.

Kommentare (68)

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Herr Josef Schmidt

30.09.2015, 15:44 Uhr

Her damit, wir schaffen das.

Die Bundeswehrsoldaten sind umsonst gestorben. Aber wen interessiert das in der Politik. Sagte unsere Kanzlerin nicht bereits weiter wie bisher ?

Herr Marc Otto

30.09.2015, 15:47 Uhr

80% der Deutschen mögen die Feuerteufel (USA, england, Frankreich)

0,000001 % der Syrer mögen Amiland (CIA-Agenten).
0,2% der Afghanen mögen Amiland (Drogenhändler, Waffenhändler).

Wenn jatzt 30 Mio Syrer, Iraker, Afghanen zu uns kommen, kann man sich einfach ausrechenen, wioe sehr Deutschland dann die amis noch mag.

Noch ne Frage, warum Erika die Flüchtlinge gerufen hat.

Herr Marc Otto

30.09.2015, 15:48 Uhr

Nein, sie sind für die Drogen-Versorgung gestorben

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