Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.07.2017

18:13 Uhr

Flüchtlingskrise

EU sagt Italien mehr Unterstützung zu

Deutschland und Frankreich wollen Libyen dabei unterstützen, seine Küste und Südgrenze zu schützen, um Flüchtlinge von der Weiterreise abzuhalten. Die Zahl der Migranten dürfte steigen. Auch Italien bekommt mehr Geld.

Migranten in Salerno, Italien. bereits in diesem Jahr hat das Land 82.000 Menschen aufgenommen. dpa

Flüchtlingsströme nach Europa

Migranten in Salerno, Italien. bereits in diesem Jahr hat das Land 82.000 Menschen aufgenommen.

ParisDeutschland, Frankreich und die EU-Kommission haben Italien mehr Hilfe bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms zugesagt. Zudem soll die libysche Küstenwache mehr Geld erhalten, wie das französische Innenministerium am Montag bekanntgab. Das Flüchtlingshilfswerk der UN teilte unterdessen mit, dass der Flüchtlingszustrom nach Europa zunehmen könnte

Der für Flüchtlinge zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos sowie die Innenminister aus Berlin, Paris und Rom - Thomas de Maizière, Gérard Collomb und Marco Minniti - versprachen zusätzliches Training für die libysche Küstenwache und Anstrengungen zur Verstärkung der weitgehend gesetzlosen südlichen Grenze des Landes, die Menschenschmuggler ausnutzen. Ferner soll ein Verhaltenskodex für Hilfsorganisationen ausgearbeitet werden, die im Mittelmeer Flüchtlinge retten.

Die Minister und der Kommissar waren am Sonntagabend in Paris zu einem Krisentreffen zusammengekommen, nachdem Italien um mehr europäische Hilfe gebeten hatte. Allein in den vergangenen Tagen waren rund 10.000 Migranten aus Afrika kommend aus dem Meer gerettet worden.

Mehr als 2.000 Menschen hätten dieses Jahr bei der Überfahrt von Libyen nach Italien ihr Leben verloren, sagte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi.

Diese Zahl könnte noch zunehmen, da das wärmere Wetter in der Mittelmeerregion die Überfahrt weniger abschreckend wirken lässt.

Weltflüchtlingstag

„Flucht ist kein Verbrechen!"

Weltflüchtlingstag: „Flucht ist kein Verbrechen!"

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

„Der Sommer hat gerade erst begonnen und ohne rasches gemeinsames Handeln können wir nur noch mehr Tragödien auf See erwarten,“ sagte Grandi. Sein UNHCR erklärte am Montag, der Menschenschmuggel und die Migrantenströme in Libyen nähmen zu. In diesem Jahr hätten bislang 84.830 Migranten und Flüchtlinge von Libyen kommend Italien erreicht, eine 19-prozentige Zunahme gegenüber dem Vorjahr. 70 Prozent von ihnen seien Wirtschaftsmigranten, der Rest schutzbedürftige Flüchtlinge und Asylbewerber, erklärte die UN-Flüchtlingsbehörde am Montag.

In dem neuen Bericht des UNHCR zu Migrationstrends in Libyen hieß es, das Land mit weitgehend fehlenden staatlichen Strukturen sei zu einer wichtigen Durchgangsroute für Migranten geworden. Die Bewegungsmuster hätten sich aber geändert. Der „Menschenschmuggel zur sexuellen Ausbeutung“ scheine zuzunehmen. Er betreffe insbesondere Frauen aus Nigeria und Kamerun. Die Ringe des organisierten Verbrechens würden zunehmend internationaler, hieß es weiter.

Etwa die Hälfte der Menschen, die nach Libyen gehen, täten dies, weil sie glaubten, dort Arbeit finden zu können. Doch sie flöhen weiter nach Europa, um der lebensbedrohlichen Unsicherheit, Instabilität, den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen sowie Ausbeutung und Missbrauch in ihren Heimatländern zu entkommen, hieß es in dem Bericht.

Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte am Montag in Rom, wenn andere EU-Staaten nicht einen Teil der Last übernähmen, könnte die riesige Zahl der Migranten in der italienischen Gesellschaft Feindseligkeit schüren. Italien unternehme viel, um sich der Migranten anzunehmen. Doch Europa müsse helfen, wenn es seinen eigenen Prinzipien, seiner Geschichte und seiner Zivilisation treu bleiben wolle, sagte Gentiloni..

Von

ap

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

03.07.2017, 15:29 Uhr

Italien hatte gedroht keine "Flüchtlingsschiffe" mehr anlegen zu lassen wenn es keine Hilfe seitens der EU gibt. Meines Erachtens wäre dies eine sinnvolle, effektive Lösung gewesen. Fr. Merkel hat dies verhindert und Italien zu einem Zustupf aus der EU Kasse verholfen.

Sinnvoll wäre es wenn man den lybischen Küstenschutz erlauben würde die Menschen zu retten bevor ihnen diese die NGO Schiffe wegschnappen, bzw. die Eigner der NGO Schiffe wegen Menschenhandels anklagen würde. Dann können die Lybier die Menschen aus den Schlauchboote retten und nach Lybien zurückbringen.

Herr Michael Müller

03.07.2017, 15:50 Uhr

Einfache Problemlösung:

In Seenot geratene Schiffe bis zum nächsten Hafen schleppen. Schiffsbrüchige ebenfalls nur bis zum nächsten Hafen mitnehmen.

Wenn Flüchtlinge wissen, dass sie Schiffe wenige Kilometer vor der Küste "empfangen", nehmen sie wirklich jedes Risiko auf sich. Da könnte man gleich die Flüchtlinge aus den Häfen direkt aufnehmen und nach Deutschland fahren - da wollen die nämlich alle hin! Und dank Internet und Telefon wissen die in Afrika "Daheimgebliebenen" von der "Vorhut" in Deutschland, was sie angeben müssen um in Deutschland einen entsprechenden "Status" und Geld zu bekommen.

Warten wir mal ab, wieviel Millionen Wirtschaftsflüchtlinge wir in den nächsten Jahren noch aufnehmen müssen .... Die Welle kommt erst noch!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×