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15.04.2016

20:43 Uhr

Flüchtlingskrise

Fünf Stunden mit dem Heiligen Vater

Mit dem EU-Türkei-Flüchtlingspakt ist Lesbos erneut in den Fokus gerückt. Nun will Papst Franziskus den Menschen auf der Insel mit einem Kurzbesuch Hoffnung machen. Und ein Zeichen setzen.

Sorgt für Aufmerksamkeit: Papst Franziskus reist nach Lesbos. dpa

Papst Franziskus

Sorgt für Aufmerksamkeit: Papst Franziskus reist nach Lesbos.

Rom/AthenNur etwa fünf Stunden wird der Papst-Besuch auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos an diesem Samstag dauern – doch er wird für Aufmerksamkeit sorgen. Mit seiner Kurzvisite will Papst Franziskus den Flüchtlingen Mut machen und in der humanitären Krise ein Zeichen setzen. „Der Besuch ist aus der Sorge des Papstes über die Situation der Flüchtlinge entstanden“, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi über die Visite, bei der Franziskus vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Erzbischof Hieronymus II. begleitet wird. „Mit dieser Reise will der Papst erneut in einem Moment der humanitären Krise einschreiten.“

Seit knapp vier Wochen ist das umstrittene Abkommen zwischen der EU und der Türkei in Kraft, seitdem können Flüchtlinge, die auf die griechischen Ägäis-Inseln übersetzen, direkt in die Türkei zurückgeschickt werden. Die Planungen für den Besuch des Papstes wurden anschließend im Rekordtempo vorangetrieben - selbst Lombardi bezeichnete die Reise als „Überraschung“. Der katholische Pfarrer von Lesbos, Leo Kiskinis, sagte Radio Vatikan, die Reise des Pontifex zu diesem Zeitpunkt könne „kein Zufall“ sein.

Die besten Zitate des Papstes

Zur Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Zum Amt

„Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst.“

Zur Meinungsfreiheit

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Zur Kurie

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Über Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Über Homosexuelle

„Wenn jemand schwul ist, und er den Herren sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen.“

Über das moderne Leben

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Dennoch will der Vatikan die Visite nicht als politische Einmischung oder gar Kritik an dem EU-Türkei-Pakt verstanden wissen. „Der Besuch ist ganz klar ein humanitärer und ein ökumenischer“, sagte Lombardi. Doch allein durch seine Anwesenheit setzt Franziskus Zeichen.

Papst Franziskus wäscht Flüchtlingen die Füße

Video: Papst Franziskus wäscht Flüchtlingen die Füße

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Gemeinsam mit dem Patriarchen und dem Erzbischof besucht er den sogenannten Hotspot Moria, das staatliche Auffanglager auf Lesbos, in dem etwa 3000 Schutzsuchende leben. Dort werden die Flüchtlinge seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts hinter hohen, mit Stacheldraht bewehrten Zäunen de facto inhaftiert. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bezeichnet solche „Hotspots“ als Gefängnisse, Amnesty International kritisiert, die dort festgehaltenen Menschen hätten keinen Zugang zu Rechtshilfe und würden nur unzureichend versorgt.

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