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23.05.2016

13:33 Uhr

Flüchtlingskrise

Humanitärer Weltgipfel in Istanbul

Uno-Generalsekretär Ban fordert mehr Hilfe für Notleidende. Noch nie hätten so viele Menschen Hilfe zum Überleben gebraucht, beklagt er auf einem Uno-Gipfel in Istanbul. Welche Vorschläge die Bundeskanzlerin macht.

Zu Besuch bei Erdogan

Merkel in heikler Mission: „Eigentlich ist es eine Katastrophe, dass wir darüber sprechen müssen“

Zu Besuch bei Erdogan : Merkel in heikler Mission: „Eigentlich ist es eine Katastrophe, dass wir darüber sprechen müssen“

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BerlinAngesichts der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Weltgemeinschaft zu mehr Einsatz für notleidende Menschen aufgerufen. Es gebe heute eine Rekordzahl an Menschen, die Hilfe zum Überleben bräuchten, sagte Ban am Montag zum Auftakt des zweitägigen ersten Uno-Weltnothilfegipfels in Istanbul. „Alle hier haben die Macht, die nötigen Veränderungen zu erreichen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte eine strikte Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Es sei eigentlich eine Katastrophe, dass darüber gesprochen werden müsse, beklagte sie auf dem Gipfeltreffen. Vor allem kritisierte sie, dass im Bürgerkriegsland Syrien und anderswo systematisch Klinken bombardiert und Ärzte getötet werden.

Merkel forderte einen globalen Konsens für eine bessere Verzahnung der Nothilfe in Krisengebieten. „Wir dürfen nicht von Katastrophe zu Katastrophe arbeiten“, sagte sie. Nötig sei ein globales System reibungsloser und ineinander greifender internationaler Hilfe.

Die wichtigsten humanitären Krisen der Welt

Syrien

Das Bürgerkriegsland erlebt eine der schlimmsten humanitären Katastrophen unserer Zeit. Mittlerweile sind 4,8 Millionen Syrer in die Nachbarstaaten geflohen. Vor allem im Libanon und in Jordanien leben viele Flüchtlinge unter elendigen Bedingungen. Hinzu kommen 6,6 Millionen Vertriebene im eigenen Land. 13,5 Millionen Syrer brauchen demnach dringend humanitäre Hilfe. Vor allem das Regime hat zahlreiche Regionen von der Außenwelt abgeschnitten.

Irak

Die Lage im Irak ist in vielen Gebieten des Landes ähnlich dramatisch wie in Syrien. Vor allem der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor rund zwei Jahren hat das Land in ein Chaos gestürzt. Die Uno berichten von 3,4 Millionen Flüchtlingen im eigenen Land und zehn Millionen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Zwar hat die Armee mittlerweile einige Gebiete vom IS zurückerobert, etwa die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi. Diese ist aber so zerstört, dass die Flüchtlinge kaum zurück können.

Jemen

Der Jemen gehört ohnehin zu den ärmsten Ländern der arabischen Welt. Seitdem schiitische Huthi-Rebellen vor fast zwar Jahren große Teile des Landes überrannt haben, herrscht ein Bürgerkrieg. Mittlerweile sind im Land den Uno zufolge mehr als 2,7 Menschen vertrieben. Mehr als 21 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe – das sind mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. Es fehlt an Lebensmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.

Somalia

Das Land am Horn von Afrika gilt als der „gescheiterte Staat“ schlechthin. Seit dem Sturz der Regierung von Siad Barre 1991 verfiel es in einen blutigen Bürgerkrieg. Rebellen kontrollieren weite Teile Somalias. Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab will dort seit Jahren einen sogenannten Gottesstaat errichten. Mehr als 4,6 Millionen Menschen brauchen laut Uno humanitäre Hilfe.

Südsudan

Das Land erlangte im Juli 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan. Kurz darauf entbrannte ein blutiger Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und dem von ihm entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar. Zehntausende Menschen fielen dem Bürgerkrieg zum Opfer, über 2,3 Millionen Menschen befinden sich laut Uno auf der Flucht, mehr als fünf Millionen sind auf Hilfe angewiesen.

Äthiopien

Laut Welternährungsprogramm (WFP) benötigen mehr als zehn Millionen Menschen in Äthiopien dringend Lebensmittelhilfe. Uno-Zahlen zufolge müssen in dem ostafrikanischen Land wegen der anhaltenden Dürre rund 435.000 Kinder wegen akuter Mangelernährung ärztlich behandelt werden. Das Ausmaß der Hungerkrise werde in den kommenden Monaten wegen des ausbleibenden Regenfalls weiter zunehmen. Gleichzeitig flohen mehr als 650.000 Menschen aus benachbarten Krisenländern nach Äthiopien

Afghanistan

Fast 15 Jahre nach Beginn der internationalen Intervention herrscht wieder Krieg in Afghanistan. Mehr als 1,2 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht vor Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und den radikalislamischen Taliban. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres kamen laut Uno 118.000 Binnenflüchtlinge hinzu. Zugleich verringert sich wegen der schlechten Sicherheitslage der Zugang zu den Notleidenden.

Myanmar

645.000 Menschen leben in der einstigen Militärdiktatur in Lagern, Camps und Slums, weil sie aus ihren Dörfern fliehen mussten. Die Regierung hat 2012 allein rund 140.000 bei Unruhen aus ihren Dörfern geflohene Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya in Internierungslager gezwungen. Das bitterarme mehrheitlich buddhistische Land will die teils seit Generationen im Land lebenden Muslime als illegale Einwanderer vertreiben.

Bei dem humanitären Weltgipfel geht es darum, die oft unzureichende Versorgung notleidender Menschen in Krisengebieten zu verbessern. Mit dem Treffen reagieren die Uno auf die weltweit stark gestiegene Zahl von Krisen und und Menschen in Not. Insgesamt nehmen rund 6000 Vertreter von Staaten und internationalen Organisationen teil, darunter mehr als 60 Staats- und Regierungschefs.

Die Welt erlebt derzeit nach Uno-Angaben die schlimmsten humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Demnach brauchen weltweit 125 Millionen Menschen Hilfe, 60 Millionen sind auf der Flucht - die größte Zahl seit rund 70 Jahren.

Oft reicht das Geld nicht aus, um Notleidende mit dem Nötigsten zu versorgen. Die UN rechnen in diesem Jahr mit einem Finanzbedarf von 20 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro).

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