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04.04.2016

19:48 Uhr

Flüchtlingskrise

Kein Leben in Europa

Die ersten Flüchtlinge müssen sich von einem Leben in Europa verabschieden. Sie werden in die Türkei zurückgeführt. Der symbolische Akt soll den Flüchtlingen zeigen, dass die Tore der EU für sie verschlossen sind.

Die ersten Flüchtlinge müssen Griechenland verlassen. Für sie geht es zurück in die Türkei. AFP; Files; Francois Guillot

Rückführung beginnt

Die ersten Flüchtlinge müssen Griechenland verlassen. Für sie geht es zurück in die Türkei.

Lesbos/DikiliAls das türkische Passagierboot „Lesvos“ die Leinen löst, ertönen Sprechchöre im Hafen von Lesbos. „Shame on you, EU!“, „Schande über dich, Europa!“, rufen ein paar Dutzend Aktivisten, die am Montagmorgen vor Ort die erste Rückführungsaktion von Flüchtlingen und Migranten in die Türkei verfolgen. Doch schnell verstummen auch sie, und bald ist außer den Schiffsmotoren nichts mehr zu hören.

202 Menschen, vornehmlich Migranten aus Pakistan und aus nordafrikanischen Ländern, wurden mit drei kleinen Passagierschiffen von den griechischen Inseln Lesbos und Chios in die gegenüberliegende türkische Küstenstadt Dikili gebracht. Die erste Rückführungsaktion im Rahmen des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei verlief reibungslos – dafür sorgte auf Lesbos und Chios ein großes Aufgebot griechischer Polizisten und Mitarbeiter der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

Nach Angaben der griechischen Polizei gab es auch zuvor im „Hotspot“ von Lesbos kein Problem, als die Flüchtlinge zu den Bussen geleitet wurden, die sie zum Hafen brachten. Überprüfen ließ sich das allerdings nicht – die Polizei patrouilliert mittlerweile vor dem Auffanglager und um den „Hotspot“ herum. Fotografieren – selbst von außen – ist dort neuerdings ebenso verboten wie das Gespräch mit den Lagerbewohnern durch den meterhohen Maschendrahtzaun hindurch.

Flüchtlingspolitik: Der EU-Türkei-Aktionsplan

Vereinbarungen für weniger Flüchtlinge

Die Türkei soll der EU dabei helfen, dass weniger Flüchtlinge nach Westeuropa kommen. Das Land ist nämlich für viele Migranten ein wichtiges Transitland. Bereits im November wurden dafür die folgenden Punkte vereinbart.

Grenzschutz

Um die illegale Einreise von Flüchtlingen in die EU zu stoppen, soll die Türkei ihre Seegrenzen zu Griechenland besser sichern. Zudem soll das Land stärker gegen Schleuser vorgehen, die die Flüchtlinge über die Ägäis bringen.

Leben in der Türkei

Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in der Türkei sollen verbessert werden, damit diese gar nicht erst nach Europa weiterreisen. Dabei geht es etwa um eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildungschancen für Kinder. In einem ersten Schritt hat die Türkei bereits ein Arbeitsverbot für Flüchtlinge gekippt. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) leben in der Türkei mittlerweile allein 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge.

Geld

Für die Versorgung der Flüchtlinge haben die EU-Staaten der Türkei drei Milliarden Euro zugesagt.

Politische Zugeständnisse

Die EU hat der Türkei zugesagt, die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und einen möglichen EU-Beitritt zu beschleunigen. (Quelle: dpa)

Dafür spricht die Körpersprache der Menschen Bände, die am Hafen umringt von Sicherheitsleute die Boote besteigen. Die Schultern gebeugt, das wenige Hab und Gut in kleinen Rucksäcken, werfen sie keinen einzigen Blick zurück. Lediglich zwei Syrer sollen unter ihnen sein – sie hätten sich wegen familiärer Umstände in der syrischen Heimat freiwillig zur Rückreise gemeldet, heißt es. Alle anderen hatten laut Katarina Kittidi, UNHCR-Mitarbeiterin auf Chios, als Staatsbürger „sicherer“ Herkunftsländer ohnehin keinen Anspruch auf Asyl oder haben keinen Asylantrag gestellt.

Das Passagierschiff „Nazli Jale“ ist das erste der drei Boote, das kurze Zeit später im 25 Kilometer östlich gelegenen Dikili ankommt. Türkische Beamte gehen an Bord und schütteln den Vertretern von Frontex die Hände. Dann verlassen die Migranten einer nach dem anderen das Schiff. Sie werden zur Registrierung in drei Zelte gebracht, die am Hafen aufgeschlagen wurden; anschließend steigen sie in Busse, mit denen es zu türkischen Auffanglagern gehen soll.

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