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19.10.2015

18:16 Uhr

Flüchtlingskrise

Saudis lassen Steinmeier abblitzen

Gescheiterte Nahost-Mission: Der Außenminister versucht vergeblich, Saudi-Arabien und Iran zu an einen Verhandlungstisch zu bringen, um die Syrien-Frage zu klären. Nicht das einzige Anliegen, das die Saudis ignorieren.

Steinmeier (r.) mit dem saudischen Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir  (2. v. l.): „Es ist notwendig, auch mit schwierigen Partner zu sprechen“ dpa

Der Außenminister in Riad

Steinmeier (r.) mit dem saudischen Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir (2. v. l.): „Es ist notwendig, auch mit schwierigen Partner zu sprechen“

Riad Man fliegt nicht lange von Teheran nach Riad. Kaum mehr als zwei Stunden vergehen zwischen Start und Landung. Bloß ist auf dieser Strecke kaum jemand unterwegs. Pilgerflüge Richtung Mekka gibt es viele, aber keinen einzigen direkten Linienflug zwischen den Hauptstädten. Denn der Iran und Saudi-Arabien sind unter den Golf-Staaten derzeit die ärgsten Feinde.

Eine ziemliche Seltenheit war darum auch die deutsche Regierungsmaschine, mit der Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus Teheran zu Gesprächen am Montag nach Riad kam. So außergewöhnlich die Route, so wichtig ist die Reise: Iraner wie Saudis werden dringend gebraucht, um im Syrien-Konflikt und in der Flüchtlingskrise endlich irgendwie voranzukommen. Gleiches gilt für die Türkei.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Deshalb sind die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Steinmeier in diesen Tagen in allen drei Staaten auf diplomatischer Tour - auch wenn man mit vielem, was dort passiert, überhaupt nicht einverstanden ist. Der Türkei stellte Merkel am Wochenende mehr Geld und Visa-Erleichterungen in Aussicht. Parallel dazu war Steinmeier damit beschäftigt, die beiden anderen Regionalgrößen zu einer Mindestform von Zusammenarbeit zu bewegen – eine besonders heikle Mission.

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