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21.02.2017

10:37 Uhr

Flüchtlingskrise und Hunger

Südsudan in höchster Not

Auf die größte Flüchtlingskrise Afrikas folgt eine Hungersnot. Gezeichnet von einem Bürgerkrieg schlittert der Südsudan immer tiefer in eine humanitäre Katastrophe. Hoffnung gibt es kaum.

Rund 100.000 Menschen seien akut vom Hungertod bedroht, weitere Millionen stünden dicht vor einer Hungersnot, teilten Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit. AP

Hungersnot im Südsudan

Rund 100.000 Menschen seien akut vom Hungertod bedroht, weitere Millionen stünden dicht vor einer Hungersnot, teilten Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit.

Juba/NairobiAbgefüllt in Cola-Flaschen gibt es 20 bis 50 Milliliter Speiseöl zu kaufen. Mehr können sich die meisten Menschen nicht leisten. Auch Obst ist teure Mangelware auf dem Markt in Bentiu im Bundesstaat Unity State. Nach Jahren blutigen Bürgerkriegs und wirtschaftlichem Verfall wurde dort und in weiteren Teilen Südsudans zu Wochenbeginn eine Hungersnot ausgerufen.

„Die Lage ist düster, egal von welcher Seite man sie betrachtet.“ James Elder, Sprecher des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) für Ostafrika, gibt sich angesichts der Lage wenig zuversichtlich. Vergangene Woche reiste er in den ostafrikanischen Krisenstaat. Seine Beobachtungen vom Markt in Bentiu ließen das Ausmaß der humanitären Krise nur erahnen, sagt er.

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In Uganda werden Flüchtlinge fair behandelt. Sie bekommen Arbeit und Land von der Regierung. Das führte zu einem harmonischen Zusammenleben. Doch die offene Flüchtlingspolitik gerät nun unter Druck.

Rund 100.000 Menschen seien akut vom Hungertod bedroht, weitere Millionen stünden dicht vor einer Hungersnot, teilten Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Montag mit. Über eine Million Kinder leide an Mangelernährung, fügte Jeremy Hopkins, Unicef-Leiter im Südsudan, hinzu. „Wenn wir sie nicht rechtzeitig erreichen, werden viele von ihnen sterben.“

Für die Helfer ist es schwierig, die leidende Bevölkerung überhaupt zu erreichen. Häufig seien Lieferungen auf dem Landweg aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und der prekären Sicherheitslage nicht möglich, erzählt Elder. In abgelegenen Gebieten setzten WFP und Unicef daher Helikopter ein. Ziel seien oftmals kleine Dörfer mitten im Nirgendwo. „Wenn wir ein paar Tage dort sind, kommen Tausende Menschen aus dem Busch“, erzählt Elder. Die Nachricht, dass es Hilfe gebe, verbreite sich wie ein Lauffeuer.

Seit Ende 2013 traumatisiert ein blutiger Konflikt die südsudanesische Bevölkerung. Ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Stellvertreter Riek Machar eskalierte und wurde zu einem Bürgerkrieg, dem seither Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Der Konflikt zieht sich entlang ethnischer Linien: Kiir vertritt die Dinka-Volksgruppe, Machar die der Nuer.

Südsudan: Bürgerkrieg und wirtschaftlicher Verfall

Konflikt führt zu Hungersnot

Erstmals seit sechs Jahren haben die Vereinten Nationen eine Hungersnot ausgerufen. Im ostafrikanischen Südsudan führten ein jahrelanger Konflikt und der damit einhergehende wirtschaftliche Verfall zu dieser Notlage.

Machtkampf führt zu Bürgerkrieg

Nur zwei Jahre nach Erlangen seiner Unabhängigkeit verfiel der Südsudan Ende 2013 in einen blutigen Bürgerkrieg. Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Der Konflikt zieht sich entlang ethnischer Linien, die Vereinten Nationen warnten im Dezember vor einem Völkermord. Etwa 3,4 Millionen der rund 12 Millionen Menschen in dem Land befinden sich auf der Flucht.

Kritik durch UN und Hilfsorganisationen

Zudem ist die Bevölkerung Übergriffen bewaffneter Gruppen ausgesetzt. Mehrfach kritisierten die UN und Hilfsorganisationen auch Plünderungen, sexuelle Übergriffe und rechtswidrige Tötungen durch Sicherheitskräfte. In einzelnen Regionen fürchten Bauern, ihre Felder zu bewirtschaften, wie Helfer berichteten. Hinzu kommt, dass Angriffe auf Hilfstransporte die Versorgung in Teilen des Landes erschweren.

Wirtschaft bricht ein

Aufgrund des Konflikts ist auch die Wirtschaft des ölreichen Landes stark eingebrochen. Steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise setzen die Bevölkerung weiter unter Druck.

Letzte Hungernot in Somalia

Eine Hungersnot wird dann ausgerufen, wenn mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind, pro Person weniger als vier Liter Wasser zur Verfügung stehen und mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich aufgrund mangelnder Nahrung sterben. Zuletzt hatten die UN eine Hungersnot 2011 in Teilen Somalias ausgerufen.

Die Umsetzung eines Friedensabkommens versprach 2016 Hoffnung. Ein Abkommen zur Machtverteilung sah Machar erneut als Vizepräsident vor, die Rebellen sollten ins Militär integriert werden. Der Versuch scheiterte. Kurz vor dem fünften Unabhängigkeitstag im Juli brachen wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Opposition aus. Machar wurde wieder zum Rebellenführer.

Mittlerweile sind etwa 3,4 Millionen der rund 12 Millionen Einwohner auf der Flucht vor Gewalt. Es ist nach UN-Angaben die größte Flüchtlingskrise Afrikas. Etwa 1,5 Millionen davon flohen ins Ausland, zumeist in benachbarte Länder, die selbst mit Krisen kämpfen oder von der Zahl an Flüchtlingen überfordert sind. Uganda etwa nahm in den letzten drei Jahren mehr als 700.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan auf.

Die Bevölkerung muss leiden: Plünderungen, sexuelle Übergriffe, Folter und Tötungen durch bewaffnete Gruppen – die südsudanesischen Streitkräfte inbegriffen – sind alltäglich. Kleinbauern bewirtschaften aus Angst vor Übergriffen ihre Ländereien nicht. Zu wenig Regenfälle in Folge des Klimaphänomens El Niño beeinträchtigten bereits Ernten im Vorjahr. Zusätzlich schlagen sich Inflation und hohe Treibstoffpreise auf die Lebensmittelpreise nieder.

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Der Südsudan zählt zu den ölreichsten Ländern Afrikas. Ohne Raffinerien muss das Land jedoch Treibstoffe importieren. Der Preis wird von illegalen Händlern bestimmt, die große Mengen der bis vor kurzem stark subventionierten Mangelware aufkaufen. Der Wert des südsudanesischen Pfunds wird auf dem Schwarzmarkt bestimmt. Denn auch Bargeld ist Mangelware. Bis Ende 2015 war der Pfund zu einem fixen Wechselkurs von 2,95 an den US-Dollar gebunden. Mittlerweile erhält man für einen Dollar rund 70 Pfund in staatlichen Banken und etwa 120 Pfund auf dem Schwarzmarkt.

Auf einem Markt in der Hauptstadt Juba beschreibt Marry Adit Dut ihre Alltagsrealität. Kosteten 50 Kilogramm Maismehl vor drei Jahren noch 90 Pfund, seien es heute 5.400 Pfund (derzeit umgerechnet gut 40 Euro), sagt sie. „Meine Kinder gehen oft mit leerem Magen schlafen oder essen nur eine Mahlzeit pro Tag.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Alessandro Grande

21.02.2017, 11:40 Uhr

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