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16.10.2015

15:22 Uhr

Flüchtlingskrise

Ungarn schließt um Mitternacht seine Grenze zu Kroatien

Der Grenzzaun ist fertig, um Mitternacht macht Ungarn nach der Grenze zu Serbien auch die Grenze zu Kroatien dicht.

Die Flüchtlingsströme laufen nicht mehr über Serbien und ab Mitternacht auch nicht mehr über Kroatien nach Ungarn. Dann ist die Grenze dicht. dpa

Flüchtlinge in Ungarn

Die Flüchtlingsströme laufen nicht mehr über Serbien und ab Mitternacht auch nicht mehr über Kroatien nach Ungarn. Dann ist die Grenze dicht.

BudapestUngarn sperrt ab Samstag seine rund 300 Kilometer lange Grenze zum EU-Nachbarland Kroatien, um die ungehinderte Einreise von Flüchtlingen zu verhindern. Das gab Außenminister Peter Szijjarto am Freitag bekannt. Damit wird der Flüchtlingsstrom über die Balkanroute unterbrochen. Tausende dürften sich jetzt neue Wege über das Euroland Slowenien im Norden Kroatiens suchen.

Der EU-Gipfel habe keine Entscheidung gebracht, die den Schutz der EU-Außengrenzen möglich mache, obwohl dies die beste Lösung gewesen wäre, sagte Außenminister Szijjarto nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts mit Ministerpräsident Viktor Orban in Budapest. Zugleich werde weiter erwartet, „dass wir (Ungarn) die Schengen-Regelungen einhalten“. Dies tue Ungarn durch die Sperrung der kroatischen Grenze. Für Asylanträge würden an der Grenze zwei Transitzonen eingerichtet.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Die Voraussetzungen zur Grenzschließung seien gegeben, sowohl die physischen Sperren als auch die personellen Ressourcen, sagte Szijjarto. Die regulären Grenzübergänge würden passierbar blieben, aber es werde strengere Kontrollen geben. Man habe über die Grenzschließung den kroatischen Botschafter in Budapest sowie die Außenminister Deutschlands, der Slowakei, Tschechiens und Polens unterrichtet.

Bisher waren die vor allem aus Syrien, Afghanistan und Pakistan kommenden Flüchtlinge von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Kroatien nach Ungarn gereist. Die ungarischen Behörden hatten sie weiter an die Grenze zu Österreich transportiert, die sie zu Fuß überquerten. Von dort ging die Reise meist weiter nach Deutschland. Allein am Donnerstag waren so knapp 5000 Flüchtlinge über Kroatien nach Ungarn gekommen, wie die Polizei mitteilte.

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Während die Flüchtlingsroute bisher von Ungarn über das österreichische Bundesland Burgenland und weiter nach Salzburg und München sowie Passau verlief, ginge die neue Transitroute dann von Kroatien und Slowenien über Kärnten und die Steiermark.

Einen Monat zuvor hatte Ungarn die Grenze zu Serbien mit einem Zaun abgeriegelt und damit Zehntausenden Flüchtlingen und Migranten die Weiterreise nach West- und Nordeuropa erschwert. Dann hatte Ungarn an der Grenze zu Kroatien ebenfalls Zäune errichtet. Diese Grenze ist mehr als 300 Kilometer lang, davon werden etwa zwei Drittel von den Flüssen Drau und Mur markiert. Ob und wie die Fluss-Abschnitte gesperrt werden, war zunächst unklar.

Von welchen Flughäfen die Menschen abgeschoben werden

2747

2747 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Frankfurt abgeschoben.

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der Linken (16. Februar 2015)

1711

1711 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Düsseldorf abgeschoben.

1130

1130 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Tegel abgeschoben.

817

817 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen München abgeschoben.

638

638 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hamburg abgeschoben.

509

509 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Schönefeld abgeschoben.

348

348 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Baden-Baden abgeschoben.

260

260 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hannover abgeschoben.

227

227 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Stuttgart abgeschoben.

135

135 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Leipzig abgeschoben.

26

26 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Köln/Bonn abgeschoben.

8

Acht Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Bremen abgeschoben.

1

Eine Person wurde im Jahr 2014 über den Flughafen Dresden abgeschoben.

Der slowenische Regierungschef Miro Cerar reiste vorzeitig vom EU-Gipfel in Brüssel ab und kehrte in seine Heimat zurück. Er berief für Samstag den Nationalen Sicherheitsrat ein, meldete die Nachrichtenagentur STA in Ljubljana. Slowenien, das zu Kroatien eine Schengen-Außengrenze besitzt, will alle Flüchtlinge registrieren. Das kleine Alpen-Adria-Land besitzt nach Behördenangaben derzeit 7500 Plätze für die Erstaufnahme von Flüchtlingen.

„Kroatien hat eine Lösung“, sagte der Regierungschef des EU-Landes, Zoran Milanovic, nach Medienberichten ohne Nennung von Einzelheiten: „Ungarn ist unwichtig. Ungarn kann tun, was es will“, sagte er weiter. Als „letzte Variante hat auch Kroatien die Möglichkeit, einen Zaun (an der Grenze zu Serbien) zu bauen, aber das wollen wir nicht“. Schon vor Tagen hatte Milanovic versichert, für den Fall einer Grenzschließung durch Ungarn einen gemeinsamen Plan mit dem Nachbarn Slowenien zu verfolgen.

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