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13.01.2016

02:06 Uhr

Flüchtlingskrise

UNO bittet um Milliardenhilfe für Syrien

Die Vereinten Nationen haben um 7,7 Milliarden Dollar für die mehr als 22 Millionen Menschen gebeten, die vom Syrischen Bürgerkrieg betroffen sind. Weltweit stieg die Zahl der Flüchtlinge 2015 auf 244 Millionen an.

Ein syrischer Junge in den Trümmern seiner Schule in Aleppo. Reuters

Syrien

Ein syrischer Junge in den Trümmern seiner Schule in Aleppo.

New YorkZur Linderung der Not im Bürgerkriegsland Syrien haben die Vereinten Nationen Hilfszahlungen im Umfang von fast acht Milliarden Dollar gefordert. Es würden 7,73 Milliarden Dollar (gut 7,1 Milliarden Euro) gebraucht, um etwa 22,5 Millionen betroffenen Menschen zu helfen, erklärte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien am Dienstag. "Das syrische Volk braucht unsere Hilfe mehr denn je", appellierte er.

Infolge des Bürgerkriegs in Syrien sind 13,5 Millionen Menschen im Landesinnern auf der Flucht. Weitere 4,7 Millionen Menschen flohen in die Nachbarländer. Im vergangenen Jahr kam mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien nach Europa, weil sich die Bedingungen in den Auffanglagern zusehends verschlechterten.

Nach UN-Angaben soll am 4. Februar in London eine Geberkonferenz stattfinden. Im vergangenen Jahr bat die UNO um 8,4 Milliarden Dollar zur Versorgung notleidender Syrer. Letztlich kamen aber nur 3,3 Milliarden Dollar zusammen. Für Nothilfe weltweit erbittet die UNO dieses Jahr 20,1 Milliarden Dollar, um 87 Millionen Menschen zu unterstützen.

Neben der Grundversorgung mit Lebensmitteln und Medizin sieht der Plan für die syrischen Flüchtlinge auch Investitionen in Bildung und Berufsausbildung vor. In dem seit fast fünf Jahren tobenden Bürgerkrieg sind mehr als 250 000 Menschen getötet und mehr als eine Million verletzt worden. Etwa die Hälfte der einmal 23 Millionen Syrer wurde aus ihren Häusern vertrieben.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist im vergangenen Jahr auf 244 Millionen gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 41 Prozent gegenüber dem Jahr 2000, teilten die Vereinten Nationen in ihrem zweijährigen Bericht mit. Die Zahl der Menschen, die freiwillig oder gezwungenermaßen in ein anderes Land zogen, stieg seit 2000 um 71 Millionen.

Die neue Gesamtzahl enthält auch 20 Millionen Flüchtlinge, die ihre Heimatländer wegen Konflikten verließen - die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Afghanistan und Somalia. Rund ein Drittel (etwa 76 Millionen) leben in Europa, darunter 12 Millionen in Deutschland und 9 Millionen in Großbritannien. Die USA beheimaten mit 47 Millionen Menschen die größte Flüchtlingsbevölkerung. In Russland leben 12, in Saudi-Arabien 10 Millionen im Ausland geborene Menschen.

Der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson sagte, die Länder müssten Flüchtlingspolitik zur sicheren und geordneten Bewegung über Grenzen umsetzen. Die Flüchtlingskrise habe bei den Bürgern Europas Angst verbreitet und Hass geschürt. Zudem seien humanitäre Hilfen notwendig, um Länder wie den Libanon, Jordanien und die Türkei zu entlasten.

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