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25.11.2015

07:00 Uhr

Flüchtlingskrise

Valls macht Grenzkontrollen für Flüchtlingsaufnahme zur Bedingung

Die französische Regierung will bessere Kontrollen, EU-Kommissar Oettinger macht das deutsche Asylrecht für die Flüchtlingsflut mitverantwortlich und Schweden verschärft sein Asylrecht. Kanada hat dagegen andere Pläne.

Hollande in Washington

Frankreichs Präsident fordert sofortige Schließung syrisch-türkischer Grenze

Hollande in Washington: Frankreichs Präsident fordert sofortige Schließung syrisch-türkischer Grenze

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New YorkFrankreichs Ministerpräsident Manuel Valls fordert strengere Kontrollen an Europas Grenzen: Die Kontrolle von Europas Grenzen entscheide über das Schicksal der Europäischen Union. „Wenn wir das nicht tun, dann werden die Völker sagen: Schluss mit Europa!“ Dann könne Frankreich nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen, sagt er.

Statt weiterhin Tausende von Migranten unkontrolliert nach Europa zu lassen, müsse Europa mit Syriens Nachbarstaaten Türkei, Libanon und Jordanien Lösungen finden, dort mehr Flüchtlinge aufzunehmen und zu erfassen, sagte Valls. „Sonst stellt Europa seine Fähigkeit in Frage, seine Grenzen wirksam zu kontrollieren.“

Valls hatte bereits vor der Pariser Terrorserie eine europaweite Strategie für den Umgang mit Migration und Flüchtlingen angemahnt. Bei den Anschlägen in der französischen Hauptstadt wurden am 13. November mindestens 130 Menschen getötet. In der Nähe eines Selbstmordattentäters fand sich ein syrischer Pass auf den Namen Ahmed al-Mohammed – allerdings gibt es Zweifel, ob dies die echte Identität des Terroristen ist. Ein Mann dieses Namens war am 3. Oktober bei der Einreise in Griechenland registriert worden; ebenso wie ein weiterer Täter, der einen syrischen Pass mit den Namen Mohammad al-Mahmod vorgelegt hatte.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Auch EU-Kommissar Günter Oettinger drängt auf eine Strategie. Er macht das deutsche Asylrecht mitverantwortlich für die Flüchtlingskrise. „Das deutsche Asylrecht wirkt wie ein Magnet auf die Flüchtlinge“, sagte er dem „Handelsblatt“. Dauerhaft lasse sich die Zuwanderung nach Deutschland nur drosseln, wenn es weniger Anreize gebe. „Eine Änderung des Grundgesetzes wäre geboten, um das Asylrecht neu zu ordnen“, sagte Oettinger. „Solange dies nicht angegangen wird, bleibt eigentlich nur eine Alternative: Milliardenhilfen für die Flüchtlingslager in der Türkei und anderen Staaten.“

Kommentare (28)

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Herr Peter Delli

25.11.2015, 07:48 Uhr

Die französische Regierung will einen Aufnahmestopp"
Die Befreiung Deutschlands erfolgt über Frankreich aber noch erwarte ich Widerstand von Dr. Merkel und den Jubelbürger. Wie wäre es mit einer Lichterkette in Richtung Türkei....

Frau Monika Forro

25.11.2015, 07:51 Uhr

Die Ursachen für die Flucht aus ihren Ländern liegt doch nicht im Asylrecht. Wie dumm muss an sein, wenn man so etwas behauptet? Solche Äußerungen spielen Rechtspopulisten zu.

Die Ursachen liegen in den Lebensbedingungen der Menschen. Flucht vor Krieg, Mord Folter, Verfolgung Andersgläubiger uvm. Wer das missbilligt,kommt warscheinlich irgendwo. Aus der tiefsten Provinz und hat noch nie Nachrichten geschaut.

Anno Nymicus

25.11.2015, 08:13 Uhr

"Flucht vor Krieg, Mord Folter, Verfolgung Andersgläubiger uvm. "

Wer tatsächlich davor flüchtet, braucht nicht bis ins kalte Europa flüchten.
Wie dumm muss an sein, wenn man so etwas behauptet?

Ein jeder weiß doch, warum die Menschen tatsächlich hierher kommen: die Menschen erhoffen sich ein besseres Leben - für sich, und für ihre Nachkommen.

Das ist aber nicht die Frage.
Die Frage muß lauten: was wollen wir Deutschen?
Was wollen wir aus uns, und aus unserem Land eigentlich machen?

Faktencheck:
a) es gibt kein "uns" oder "wir" - es gibt ein Ich, meine Familie, mein Umfeld
b) die Nation spielt immer weniger eine Rolle - es gibt nur noch kleine Unterschiede der verschiedenen Märkte.

... es braucht wohl erst so eine Krise, um einen Richtungswandel zu initiieren...

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